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22.12.2020, 11:58

Ryu

Ich widerstand dem Drang wieder gegen die Hauswand zu treten, zu Einem waren tagsüber mehr Menschen unterwegs und zum Anderen konnte das Haus gar nicht für meine missliche Lage. Dieser Palasthof schien nur aus Intrigen und Machthunger zu bestehen. Ich fuhr mit der Hand durch das Haar, ich würde naher in Ruhe darüber nachdenken und mit Cael reden. Vielleicht gab es in dieser Sache Vorteile, die ich jetzt noch nicht sah. Mit einem schweren Seufzer schaute ich auf die Liste. Zuerst sollte ich die Schriftrollen zu den Adeligen bringen, die sie für ein paar Tagen ausleihen wollten. Die feine Gesellschaft schienen es nicht als für würdig zu halten selbst zum Archiv zu gehen. Darüber konnte ich nur den Kopf schütteln. Klar gab es in meiner Heimat auch ein paar Adelige, die ein wenig hochnäsig waren, aber die meisten aus der Adelsschicht waren bodenständige Menschen, die sich für ihre Mitmenschen interessierten und sich nicht für zu fein hielten sich unter ihnen zu mischen. Bei dieser Aufgabe gab es ein kleines Hacken, denn die Straßennamen sagten mir absolut nichts. Aber vielleicht war man in diesem Viertel ein wenig gesprächiger, denn diese feine Menschen hier hörten sich bestimmt gerne.

Ilea

Eine unsichtbare Macht stieß mich gewaltsam aus der Vergangenheit und einen Moment erschien geisterhaft ein Gesicht, das mich vage an meine Mutter erinnern ließ. Benommen stützte ich mich schweratmend mit der Hand am Boden, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Mir war schwindelig und mein Herz schlug viel zu schnell. "Was ist los? Du siehst ja wie ein Geist aus! Was hast du gesehen?", beunruhigt musterte mich der Geist. Mein leicht nebeliger Blick glitt an ihr vorbei, während ich versuchte die Erinnerungen zu verarbeiten und sie zu verstehen. Ein Zittern durchlief meinem Körper, als ich etwas begriff und mein Atem stockte. Wankend stand ich auf und stolperte aus meinem Zimmer. "He, warte! Laufe doch nicht wie eine Verrückte herum!", rief der Geist mir nach. Ich nahm sie nicht wahr oder dass ich noch im Nachtkleid war und meine Füße nackt waren. Ich riss die Haustür auf, nahm nicht die eisige Kälte war und rutschte beinahe auf dem glatten Boden auf, als ich in das Haupthaus stürmte. "Otōsan! OTōSAN!", meine Stimmbänder vibrierten stark. Er war nicht in der Küche, auch nicht hinter dem Tresen oder im Vorratskammer. Sobo Makoto stürmte die Treppe hinunter, als ich gerade hinauflaufen wollte. "Kind, was machst du für Lärm?", sorgenvoll sah sie mich an. "Wo ist Otōsan?!", verlangte ich es zu wissen. "Er ist in der Stadt und wird bald wiederkommen", antwortete sie mir. Plötzlich wich mir alle Kräfte und erschöpft sank ich auf die Stufen.


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22.12.2020, 12:50

Cael

Das letzte Stück kostete mich mehr Kraft, weil hier irgendwie mehr Schnee lag als sonst. Trotzdem räumte ich alles weg und war gegen Ende etwas aus der Puste. Es war eine Weile her, als ich das letzte Mal Schnee geschippt hatte. In Ocamma schneite es nicht oft und wenn die Straßen geräumt wurden, dann mithilfe von Magie. >Sieht doch gut aus, oder?< grinste ich meinen Gefährten an, der gurrend mit den Flügeln schlug. Er wechselte den Kurs und flog gemütlich zum Gasthaus zurück. Nachdem ich so lange in der Kälte gearbeitet hatte, sehnte ich mich nach der angenehmen Wärme des Hauses.
Mit der Schaufel lässig über der Schulter lehnend ging ich den nun ebenen Weg zurück und trat ein. In diesem Moment hörte ich Ilea laut nach ihrem Vater rufen. Erst dachte ich, jemand sei hinter ihr her, aber der Ruf verstummte schnell. Sicherheitshalber folgte ich ihrer Stimme und fand sie am Treppenabsatz vor. Sobo Makoto war bei ihr. Sofort lehnte ich die Schaufel gegen die Wand und ging neben Ilea in die Hocke. >Ist etwas passiert?< Meine Hand hatte sich wie von selbst auf ihre Schulter gelegt. Ich musterte sie besorgt. Sie war etwas blass um die Nase.

Imesha

Nachdem ich mich gründlich gesäubert und eingecremt hatte, fühlte ich mich deutlich besser in meiner eigenen Haut. Nicht mehr wie eine fremde Person in der falschen Hülle, sondern mehr wie ich selbst. Es half, dass ich die letzten prägenden Ereignisse verdrängte, indem ich mich auf wichtigere Dinge konzentrierte: Wie die großräumige Küche, in der es vormittags sehr beschäftigt zuging und überall Bedienstete ihre Aufgaben so zügig wie möglich erledigten. Viele von ihnen bemerkten nicht mal meine Anwesenheit, sondern kümmerten sich um das köstliche Essen, das für die neuen Gäste zubereitet wurde. Die Gerüche waren wirklich lecker, besonders die Nachspeise sah sehr appetitlich aus. Um sich so etwas zu leisten, müsste ein Bürger aus dem Armenviertel ein Jahr lang arbeiten. Die hohen Steuern ermöglichten ihnen kein bisschen Luxus. Sie schufteten wie Tiere, um es diesen hochnäsigen Leuten gezwungenermaßen zuzustecken. Eine Schande... die heutigen Umstände.
Aufmerksam sah ich mich umher und suchte nach den Resten des vorherigen Abends, die ich zum Glück in einer Ecke vorfand. Kurz hatte ich befürchtet, man hätte alles bereits weggeschmissen. Leider waren zu viele Leute hier, die mich dabei sehen könnten, wie ich einen Korb voll von Überresten mitnahm, deshalb wartete ich auf einen günstigen Zeitpunkt, schob meine Kapuze tiefer ins Gesicht und nahm einen Korb voll in die Hand, als jemand die Tür in den Hinterhof stieß, um anderes Zeug loszuwerden. Schnellen Schrittes rauschte ich an der Person vorbei und griff auf meine Magie zurück, bevor er mich bemerkte. Damit machte ich mich für ihn unsichtbar und konnte problemlos mit der Beute in mein Zimmer zurückkehren. Ein kleiner Erfolg.
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423

22.12.2020, 14:21

Ryu

Ich lag mit meiner Vermutung richtig, nur das Einige sich zu gerne hörte und sich nicht loseisen ließen. Aber wenigsten hatte ich die ersten Straßen und konnte endlich ein paar Schriftrollen ausliefern. Bei jeder Haustür wurde ich von einem Diener empfangen, der die Schriftrolle annahm und die Ausleihformular ausfüllte. Die meisten Themen der Schriftrollen waren langweilig, es ging um Etiketten, höhere Gesellschaft und seichte Geschichten. Jedenfalls gab es mir zum Nachdenken, dass anscheinend nur den Archiv im Palast gab und kein öffentliches Archiv oder keine öffentliche Bibliothek existierte. So konnten sich die Menschen aus der "niedrige" Schicht nicht weiterbilden, wenn sie nach mehr Wissen anstrebte. Ich konnte mir vorstellen, dass es von dem Kaiser ein Schachzug war, denn Wissen konnte Macht bedeuten und wenn die Menschen hier durch neu angelangtes Wissen die Möglichkeiten entdeckten einen Ausweg zu finden, dann würde der Kaiser Probleme bekommen.

Ilea

Bei der Berührung an meiner Schulter blickte ich auf und entdeckte Caels besorgtes Gesicht. Erst jetzt fiel mir meine spärliche Aufmachung auf und ich wurde verlegen, vor allem weil ich durch meine Aufregung alle in Unruhe versetzt hatte. Mein nervlichen Zustand schien seit gestern wankend zu sein. "Es tut mir leid", ich senkte den Blick: "Ich wollte Niemanden beunruhigen." Dann einem starken Impuls folgend schlang ich meine Arme um Cael und vergrub mein Gesicht in seiner Schulter: "Ich bin so durcheinander. Ich....ich verstehe die Welt nicht mehr. Der Geist. Ich habe eine Erinnerung gesehen. Meine Mutter. Sie kannte meine Mutter." "Du hast eine Erinnerung von mir gesehen?", hörte ich den Geist aufgeregt sagen. Aber ich erwiderte darauf nichts, sondern atmete den beruhigender Duft ein. War es wirklich ein Zufall, dass ausgerechnet der Geist bei mir erschien, der in seinem früheren Leben meine Mutter kannte? Oder war es von meiner Mutter geleitet worden? Ich meinte zuerst waren da Cael und Ryu, deren Kommen sie gesehen hatte und jetzt war dieser Geist. Es schien, als hielte sie meine Schicksalfäden in ihrer Hand und doch war sie damals einfach gegangen.


424

22.12.2020, 16:22

Cael

Es fiel mir eindeutig schwer ihr ausschließlich ins Gesicht zu sehen, wenn sie nur mit einer Schicht Kleidung vor mir auf dem Boden hockte. Natürlich beruhigte es mich, dass ihr nichts widerfahren war, aber meine Gedanken drifteten kurz in eine andere Richtung, als sie mich erneut mit einer spontanen Umarmung überraschte. So als suche sie Zuflucht bei mir. Wärme explodierte in meiner Brust.
Dann erklärte sie uns, was genau sie aufgebracht hatte und meine Augen weiteten sich. Dabei sah ich zum Geist, der plötzlich erschienen war und von einer Erinnerung sprach, die Ilea wohl gesehen hatte. Sie hatte offenbar ihre Miko-Gabe genutzt. >Das ist... schwer in Worte zu fassen. Also... Erst einmal bin ich sehr beeindruckt, dass deine Fähigkeit bei einem Geist so gut geklappt hat, andererseits kann ich deine Verwirrung gut nachvollziehen.< Ich erwiderte sanft die Umarmung und streichelte ihr behutsam den Rücken. >Wenn ich eines von meinen Eltern gelernt habe, dann, dass es keine Zufälle gibt. Wir sind wie Flüsse, die zu einem bestimmten Ziel fließen.< Die Worte meiner Mutter. Sie verglich das Leben gerne mit dem Element Wasser, da sie eine enge Beziehung dazu pflegte. In meinem Fall war es völlig anders, aber wo sie recht hat, hat sie recht. >Was, wenn dieser Geist noch da ist, um eine Botschaft von deiner Mutter zu vermitteln? Das könnte ein guter Grund sein, warum sie noch unter uns Lebenden weilt.< Wieder sah ich hoch zum Geist. >Vielleicht ist das deine Aufgabe, bevor du Frieden finden kannst.<

Imesha

Ich verstaute den Korb mit Überresten im üblichen Versteck unter zwei Holzdielen und bedeckte die lockeren Bretter mit dem schlichten Teppich, auf dem schöne Sakura-Blüten abgebildet waren. Diesen Teppich hatte ich vor einigen Jahren auf dem Markt erstanden. Motaro hatte mich begleitet und ihn mir regelrecht aufgezwungen, weil mein Zimmer sonst zu trostlos wirkte. Ich erinnerte mich noch gut an sein lachendes Gesicht, an das breite Grinsen und dem lebendigen Glanz in seinen goldbraunen Augen. Ich vermisste ihn. Ihn und Sumire. Jeden Tag hoffte ich, dass es besser wurde, aber ich kam nie wirklich über sie hinweg. In meinen Gedanken waren sie wie Geister, die besonders nachts zum Vorschein kamen. Tagsüber war es besser, denn da konnte ich mich mit anderen Dingen ablenken und da ich heute ausnahmsweise nicht arbeitete, beschloss ich in die Stadt zu gehen. Ich wusste nicht mehr, wann ich einfach so, ohne Hintergedanken, mich dort umgesehen hatte. Zwar herrschte nicht die beste Jahreszeit, um die schönen Seiten der Stadt auf sich wirken zu lassen, aber den ein oder anderen Platz wollte ich gerne erkunden. Vielleicht würde ich sogar etwas Schönes zum Kaufen finden, beispielsweise neue Kleidung.
Zufrieden mit meiner Idee zog ich mir schnell einen gemütlichen, warmen Umhang über, der in schlichten Farben gehalten war und schlüpfte in knöchelhohe Schuhe, damit kein Schnee eindrang. Den Beutel mit Gold trug ich ebenso bei mir, wo ihn keiner unter der Schicht Kleidung vermutete. Anschließend brach ich auf und begab mich zum Kansun-Viertel. Dort verkehrten die Reichen und Schönen.
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425

22.12.2020, 18:53

Ryu

Nach und nach wurde die Tasche leerer bis ich alle Schriftrollen geliefert hatte und mittlerweile wusste wie die Straßen in den Kansun-Viertel hieß. Zum Glück besaß ich einen guten Orientierungssinn, sodass ich mich nicht schnell verlaufen würde, trotz den verschlungene Gassen. Mittlerweile war meine Wut wieder etwas verraucht und durch die Bewegung hatte sich die innere Anspannung abgebaut. Eine Katze huschte an mir vorbei und mein Kopf drehte sich zu ihr um, denn es war diese Katze, die ich vor ein paar Tagen gesehen hatte. Während ich ihr neugierig nachschaute, ging ich weiter und lief prompt in eine Person. "Oh, Verzeihung!", ich verneigte mich kurz vor ihr und als ich aufschaute, erblickte ich ein vertrautes Gesicht. "Guten Morgen, Imesha", begrüßte ich sie lächelnd und musterte sie unauffällig. Sie wirkte blasser als am Vorabend und ich fragte mich sofort ob es ihr schlecht ging.

Ilea

Ich spürte die Vibrationen in seinem Brustkorb und schob mein Kopf in den Nacken, damit ich die Lippen lesen konnte. Seine Hand begann mein Rücken zu streicheln und wäre ich nicht so durcheinander, hätte ich mich längst von ihm gelöst weil es nicht meine Art war Jemanden so zu überfallen. Nicht, wenn die Freundschaft erst am Anfang stand. Doch ich merkte, wie mein Körper sich langsam entspannte, als hätte er die verkrampften Muskeln einfach wegstreichen können. Er sprach von Flüsse und die Worte könnte von Sobo Makoto stammen, sie gebrauchte auch für ihre Weisheiten die Natur als Beispiel. Erst da fiel es mir ein, dass wir nicht alleine war und verlegen löste ich mich von Cael. "Keine Ahnung. Vielleicht kommen wir weiter, wenn sie uns endlich die Erinnerung erzählt", antwortete der Geist. Sobo Makoto machte eine Bewegung, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: "Ich koche erstmal Tee. Bei eine gute Schale Tee kann man besser denken und du solltest dich vorher was Vernünftiges anziehen, es ist viel zu kalt. Deine Füße werden ja schon fast blau." Damit erinnerte sie mich wieder an meine spärliche Kleidung und meine Wangen wurden warm vor Scham. Immerhin sah Cael mich in einem Nachtkleid, ungeschickter konnte es nicht sein.


426

22.12.2020, 19:25

Cael

Hm, da hatte der Geist recht. Es wäre mal ein Anfang, wenn uns Ilea erstmal erzählte, was genau sie gesehen hatte. Mich machte es jedenfalls sehr neugierig. Wenn dieser Geist ihre Mutter wirklich kannte, könnte sie vielleicht das Rätsel um ihr Verschwinden lösen. Ich wünschte es mir für Ilea. Damit die Kälte in ihrem Herzen verschwand. Ich war mir sicher, dass das einer der Gründe war, warum sie sich manchmal so leer und kalt fühlte. Von der eigenen Mutter abgewiesen zu werden, hinterließ tiefe Spuren.
Als sie sich von mir löste, lächelte ich sie warm an und half ihr beim Aufstehen. Ein Tee klang gut. Da konnten wir in aller Ruhe reden. >Dann gehen wir mal in die Küche.< willigte ich ein. >Ich habe übrigens den Weg geräumt. Jetzt kann jeder hierher gelangen.<

Imesha

In diesem Viertel ging es zivilisierter zu. Keine Straßendiebe, keine brüllenden Marktleute. Hier war es ruhiger, man sprach über belanglose Dinge, manche kannten sich persönlich und luden diejenigen in ihre Geschäfte, um dort Käufe abzuwickeln. Ein ganz normaler Tag in diesem Bereich. Bis jetzt hatte ich nichts Anregendes entdeckt, auch an den Süßigkeiten ging ich vorbei. Mir war nicht danach. Ich hielt eher nach feiner Kleidung Ausschau, bis plötzlich jemand in mich hineinlief. Eigentlich hätte ich frühzeitig reagieren sollen, aber war zu sehr in Gedanken vertieft gewesen.
Ich wäre einfach kommentarlos weitergegangen, weil ich keine große Zicke war, da sprach mich derjenige beim Namen an. Überrascht sah ich Ryu an. Mit ihm hatte ich am wenigsten gerechnet. Müsste er nicht im Archiv sein? Oder führte er bereits Botengänge? Um nicht unhöflich zu erscheinen, neigte ich begrüßend den Kopf. Ich wusste nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte, denn ich erinnerte mich daran, dass er gestern beim Fest anwesend gewesen war. Hatte er mich beim Tanzen beobachtet? Was hielt er von all den Intrigen, die dort gesponnen wurden?
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427

22.12.2020, 19:33

Ryu

Sie begrüßte mich kurz mit einem Kopfnicken, aber höflich und ich wollte noch nicht, dass das bereits alles an dieser Begegnung war. Daher erkundigte ich mich: "Wie geht es Ihnen?" Dabei ging ich ein Stück zur Seite, um den vorbeigehende Menschen Platz zu machen. Mitten im Weg zu stehen würde nämlich nicht gut ankommen. Mein Blick glitt kurz zum Geschäft, neben dem wir standen. Dort im Schaufenster hingen Kleider aus feinstem Stoff. Ob sie einkaufen war? Oder hatte sie wie ich Aufgaben zu erledigen?

Ilea

"Das ist sehr nett von dir", bedankte ich mich bei ihm und strich eine zerzauste Haarsträhne hinter meinem Ohr: "Ich gehe kurz mich umziehen und bin gleich wieder bei euch." Mit diesen Worten verschwand ich aus dem Gasthaus in den Wohntrakt und als ich in meinem Zimmer ankam, zog ich mir irgendeine warmen Kimono an. Ich wollte mich nicht lange aufhalten. Nachdem mein Haar auch geordnet war, kehrte ich wieder zurück und fand die Beiden mit dem Geist in der Küche. Sobo Makoto konnte natürlich den Geist nicht sehen, aber für sie war es keine Überraschung wenn wir mit Jemanden sprechen, den sie weder sah, noch hörte. Die Küche war erfüllt von dem Duft des Tees und schon allein dieser Duft ließ mich noch mehr entspannen. Ich setzte mich an dem kleinen Tisch und nahm den ersten Schluck.


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22.12.2020, 19:55

Cael

Während Ilea sich umzog, gingen wir drei in die Küche. Ich setzte mich an den Tisch, Makoto bereitete den Tee zu und der Geist nahm mir gegenüber Platz. Sie wirkte nachdenklich. Offenbar suchte sie nach irgendwelchen Fragmenten ihrer verlorenen Erinnerung. Da meine Mutter einige Lücken in ihrem Gedächtnis besaß, wusste ich aus eigener Erfahrung, wie machtlos man sich fühlte. Und wie frustrierend es war, dass man sie nicht suchen und ergreifen konnte. Sie waren einfach fort. Ich hätte ihr gerne etwas Aufmunterndes gesagt, aber zunächst musste ich wissen, was Ilea gesehen hatte. Darauf basierend würden wir die nächsten Schritte planen.

Imesha

Ich nahm an, dass die Begegnung flüchtiger Natur war, aber Ryu wollte scheinbar ein Gespräch mit mir anfangen. Wie viele andere auch. Keine Ahnung, warum die einen mich mieden und die anderen mich kennenlernen wollten. Es sollte klar sein, dass eine stumme Person wie ich ungern kommunizierte. Trotzdem versuchte er es. Er kannte mich auch nicht lange genug und ich wusste nicht, ob ich überhaupt mit ihm sprechen wollte. Wären wir im Palast, wäre ich ohne zu zögern weitergegangen. Dort entstanden schnell Gerüchte, hier allerdings war es "sicherer".
Innerlich seufzte ich, während ich meinen Block mit Kohlestift hervorzückte, die ich für alle Fälle bei mir hatte. Wie den Beutel voll Gold. Schnell kritzelte ich die Antwort darauf: Mir geht es gut. Ein Tag wie jeder andere auch. Und Ihr?
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429

22.12.2020, 20:06

Ryu

Es war eine Aussage, die man unterschiedlich interpretieren konnte. Jedenfalls versuchte ich zwischen den Zeilen mehr zu lesen, aber da ich sie nicht kannte, konnte ich nicht herausfinden ob es nur ein Floskel war oder ihr es tatsächlich gut ging. "Mir geht es ganz passable", zuckte ich mit der Schulter. "Seid Ihr geschäftlich unterwegs oder privat? Falls ich Ihnen zu neugierig erscheine, dann verzeihen Sie es mir bitte", ich lächelte schief und deutete auf mich: "Ich bin zum Beispiel gerade geschäftlich unterwegs. Es ist spannend wie vielseitig die Arbeit im Archiv sein kann, jeden Tag gibt es was Neues zu lernen."

Ilea

Alle wirkten gespannt, besonders der Geist und ich fühlte mich beinahe unwohl das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit zu sein. Tief atmete ich ein und versuchte mich an die Erinnerung zu erinnern: "Der Geist heißt Roselyn Arabella.....Su...Sugiyama. Sie war tatsächlich eine Magi gewesen. In dieser Erinnerung war sie auf der Flucht gewesen, ich weiß nicht vor wem. Sie scheint etwas....von der verborgene Stadt und einer geheime Organisation zu wissen." Kurz hielt ich inne und versuchte nach den nächsten Fetzen zu greifen: "Sie hat was gezaubert. Ich kann mich nur noch an einem Stein erinnern und dass es was mit meiner Mutter zu tun hatte. Danach wurde ich aus der Erinnerung gestoßen. Vielleicht ist sie gestorben." Ich sah den Geist mit ehrlichen Mitgefühl an.


430

22.12.2020, 20:21

Cael

Ilea nahm sich Zeit, um das Erlebte in Worte zu fassen und ich hing an ihren Lippen, während ich jede Information sorgfältig analysierte. Der Name des Geistes sagte mir schon mal überhaupt nichts. Wie auch? Ursprünglich kam ich aus einer anderen Welt. Bei der geheimnisvollen Stadt hingegen wurde ich hellhörig, denn davon hatte Taro uns ein bisschen erzählt. Dorthin mussten Ryu und ich gehen, aber bislang hatten wir keine einzigen Anhaltspunkte finden können. Leider. Wir mussten uns so langsam mehr Mühe geben. Mehr graben und suchen. Ryu war inzwischen im Palast, an der Quelle, darum sollte gerade ich mich mehr ins Zeug legen.
Ich fuhr mir nachdenklich durchs Haar und nippte kurz am Tee. Er schmeckte ziemlich gut, wärmte einen von innen. >Sagt dir dein eigener Name etwas?< fragte ich den Geist direkt.

Imesha

Ganz passabel... War das mit Absicht negativ formuliert? So offen und freundlich er mich ansah, kam es mir vor, als gehe es ihm besser als bloß passabel. Mir ging es miserabel und trotzdem verwendete ich die übliche Rede, dass es mir gut gehe. Natürlich auch aus dem Grund, weil es niemanden zu interessieren brauchte, wie es in mir aussah. Genauso wenig wie meine Gründe, warum ich hier war und nicht im Palast. Ryu schien allerdings aus anderem Hause zu sein, denn seine Offenheit war ungewohnt. Auch die Art, wie er mit mir sprach, obwohl ihm bewusst war, dass ich eine höhere Position genoss und dass es sich im Grunde genommen nicht gehörte, wenn wir Gespräche führten, die nicht mit unserer Arbeit zu tun hatten.
Obwohl... er war geschäftlich unterwegs. Es hatte etwas mit der Arbeit zu tun. Wieder gab ich nach und schrieb weiter: Heute ist mein freier Tag. Ich habe nichts geplant. Und es ist gut, wenn Ihnen die Arbeit gefällt. Andernfalls erscheint einem der Tag endlos. Da sprach ich aus eigener Erfahrung... Kurz zögerte ich und entschied mich für eine weitere Frage. Wollten Sie immer schon Archivar werden? Ist das Ihr Wunschberuf?
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431

22.12.2020, 20:35

Ryu

Aufmerksam las ich ihre Sätze und ich fand sie hatte eine sehr schöne Schrift, sodass jede einzelner Strich klar zu lesen war. "Dann sollten Sie den freien Tag genießen", mein Lächeln vertieftet sich und ich rieb am Hinterkopf: "Ich bin zufällig in diesem Vermittlungsladen auf diese Arbeit gestoßen und dachte es könnte zu mir passen. Ich lese gerne und nach Möglichkeiten erweitere ich mein Wissen. Es gibt noch so viele Dingen, die wir Menschen noch nicht in Erfahrungen gebracht haben." Dann beugte ich mich mit funkelnde Augen leicht zu ihr, als wollte ich ihr ein Geheimnis anvertrauen: "Hätte ich ein Wunschberuf, dann wäre es wohl Forschungen über Tiere. Aber damit wird man kaum Geld verdienen und von etwas muss ich ja leben. Nur Luft reicht nicht aus." Ich richtete mich wieder auf: "Sie haben auch einen interessanten Berufsweg eingeschlagen. Eine militärische Ausbildung ist nicht Ohne nehme ich an und dann scheinen Sie auch eine begnadete Tänzerin zu sein."

Ilea

Als Sobo Makoto merkte, dass ich wieder gefasster war, begann sie die Mochis zu vorbereiten. Bestimmt hörte sie uns mit halbem Ohr zu, denn sie konnte sehr neugierig sein und besonders was die Geisterwelt betraf. Roselyn, ich entschied mich sie nicht mehr als Geist zu nennen, da sie jetzt einen Namen besaß, rieb an ihrem Kinn: "Nicht wirklich. Aber er fühlt sich richtig an. Ich glaube ein ungewöhnlicher Mensch wie ich braucht einen solchen ungewöhnlichen Namen." Ihre Augen funkelten wieder schelmisch und dann kreuzte sie ihre Arme hinter dem Kopf: "Jetzt habe ich mehr Fragen, als Antworten. Ich würde zu gerne wissen, wer ich war. Jedenfalls klingt es schon mal, dass ich zu den guten Magis gehöre. Ich hatte schon befürchtet, dass ich vielleicht ein schrecklicher Mensch gewesen war." "Da ich anscheinend auch die Erinnerungen der Verstorbene sehen kann, könnte ich es demnächst wieder versuchen weitere Erinnerungen zu entlocken", machte ich das Angebot. Ich wollte diesmal nicht die Aufgabe einer Miko verweigern, ich wollte eine bessere Miko werden.


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22.12.2020, 20:57

Cael

Schade. Es hätte uns geholfen, könnte sie sich vage an ein Gefühl erinnern, welches sie mit ihrem echten Namen verband. Namen besaßen bekanntlich Macht, aber da sie immer noch nichts über sich selbst wusste, mussten wir an anderer Stelle weiterarbeiten. Ilea zeigte von sich aus Bereitschaft Roselyn zu helfen, was mich insgeheim sehr freute und ich stimmte ihrer Idee nickend zu: >Das kannst du tun. Je mehr Erinnerungen wir finden, desto einfacher wird es sein das große Ganze zu sehen, das uns fehlt.< Natülich könnte ich selbst mehr eingreifen und es auf meine Weise tun, doch es war wichtig, dass Ilea das hauptsächlich auf eigene Faust erledigte. Dieser Geist hatte sie nicht umsonst auserwählt. Den Beweis hatten wir nun.
>Da ich vermute, dass du schon einige Jahre tot bist, bin ich ganz schön erstaunt darüber, dass du... du bist. Du müsstest längst ein Schatten sein, aber wenn... wenn du eine starke Magi warst und irgendeinen Zauber gewirkt hast, der dich deine Erinnerungen gekostet hat, dann...< ich rieb mir grübelnd das Kinn...>dann kann es gut möglich sein, dass das der Grund ist, warum es dir noch gut geht. Mit Betonung auf "noch". Ein Geist kann nicht auf ewig ein Geist bleiben. Entweder er wird zum Schatten oder im schlimmsten Fall zum Dämon.< sprach ich meine Bedenken laut aus.

Imesha

Hm, er war also zufällig auf diesen Posten gestoßen und hatte ihn sich gleich gekrallt. Leider konnte ich immer noch nicht sagen, ob er zur guten oder schlechten Sorte Mann gehörte. Bis jetzt zeigte er sich von seiner besten Seite, aber ich wusste, dass der äußere Schein nichts über den Menschen im Inneren hergab. Nicht wirklich. Besonders seine magischen Fäden gaben mir Rätsel auf. Ich kam einfach nicht hinter sein Geheimnis, vor allem dann nicht, wenn er mir harmlose Dinge erzählte, wie dass er eigentlich Tiere studieren wollte. Das war so... unschuldig.
Als er auf mich zu sprechen kam, verspannte ich mich kaum merklich und senkte den Block. Interessanter Berufsweg? Meiner? Ganz bestimmt nicht. Ich hob den Block, setzte den Kohlestift ans Papier und zögerte. Was stimmte nicht mit mir? Beinahe hätte ich ihm offenbart, dass ich mir dieses Leben nicht ausgesucht hatte. Dass ich ausreißen und ganz weit weg reisen wollte. Weg vom Palast, weg von Kaiser Oda. Es lag bestimmt an seinen intensiven grünen Augen, die mich zu sehr an Sumire erinnerten. Ich musste vorsichtiger sein.
Tierforschung bringt leider kein Geld, das stimmt. Sie können als Archivar zumindest darüber lesen. Was mich betrifft, habe ich tatsächlich sehr hart für meinen Posten gearbeitet. Das Tanzen dient als Ausgleich. Es bereitet mir Spaß.
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433

22.12.2020, 21:11

Ryu

Sie schrieb nicht darüber, ob sie freiwillig diesen Posten hart erarbeitet hatte oder in einer Lage gewesen war, der sie dazu gezwungen hatte. Ich würde da nicht weiter nachhaken, denn noch kannten wir uns nicht und im Gasthaus hatte ich gemerkt, dass es die Menschen Zeit brauchen um Vertrauen zu fassen. Und ich war mir sicher, dass Imesha besonders eine harte Nuss war, was sie in ihrer Umgebung auch sein musste. Aber gleichzeitig offenbarte sie ein wenig von sich, wie das Tanzen zum Beispiel. "Heute Abend findet im Gasthof Zum Kranichhof eine musikalische Unterhaltung und da ist bestimmt auch genug Platz zum Tanzen. Aber ansonsten kann man sich dort gemütlich hinsetzen, die Musik und das gutes Essen genießen. Wenn Sie wollen, können Sie einfach vorbeikommen und wenn Sie es erlauben, würde ich Ihnen das Essen spendieren. Nun, ich muss mich jetzt aber verabschieden. Ansonsten wird Gojo-sama bestimmt nicht begeistert sein, wenn ich so trödle. Ihnen noch einen schönen freien Tag", verneigte ich mich kurz vor ihr.

Ilea

"Vielleicht bin ich einfach viel zu schön, um schnell zu einem hässlichen Schatten oder ein Dämon zu werden", sie rümpfte mit der Nase: "Und wenn ich eine mächtige Magi gewesen war, umso besser." "Sie scheint in der Tat starke magische Kraft besessen zu haben, jedenfalls was mir die Erinnerung gezeigt hat", stimmte ich dieser Sache zu. Ich hatte nicht gewusst, dass die Geister sogar zu Dämonen werden konnten und das war beunruhigend. Mittlerweile gab es viele Schatten, besonders im Armenviertel. Was wenn sie eines Tages zu diese Dämonen wurden? Eine grauenhafte Vorstellung und eine Zukunft für die ich keine Seele wünschte. Ich schluckte und starrte auf meine Hände. In den letzten Jahren hatte ich mich vor der Geisterwelt abgewandt ohne dabei zu wissen, was für ein Schaden ich damit anrichten konnte. Ich hätte den verlorene Seelen helfen sollen, stattdessen hatte ich sie ihrem traurigen Schicksal überlassen, weil meine Furcht entdeckt zu werden viel größer gewesen war. Das machte mich zu eine feige Person und durch Cael war ich irgendwie aufgewacht. Ich wollte wirklich Roselyn helfen, auch wenn ich nicht genau wusste welche Verbindung sie zu meiner Mutter hatte. Außerdem hatte sich bei mir was geregt, als ich erfuhr, dass sie scheinbar etwas über die verborgene Stadt wusste. Es war die Stadt, nach der auch Mattwei suchen wollte und mit mir dort eine gemeinsame Zukunft aufbauen wollte. In meinem Herz wurde es schwer.


434

22.12.2020, 21:30

Cael

>Mit der positiven Einstellung ist es auch schwer ein Schatten zu werden.< erwiderte ich schmunzelnd, um zur lockeren Stimmung beizutragen. Sie schien an niemand anderem in dieser Stadt zu hängen und hatte auch keinerlei Kontakt zu negativer Energie. Nicht dauerhaft. Das war gut, vielleicht hatte genau das ihre Wandlung verlangsamt und erlaubte ihr somit lange ein "normaler" Geist zu bleiben. In meiner Zeit als Geisterflüsterer hatte ich einiges erlebt, aber man lernte trotzdem dazu. Sie gehörte definitiv zu den ersten Fällen, die ich näher untersuchen musste. Ein wenig kam da die Forschungsneugier aus Ocamma in mir zum Vorschein.
>Gibt es eigentlich noch etwas, was ich für heute Abend tun kann? Irgendwelche Arbeiten, die ein stattlicher Mann wie ich erledigen sollte?< fragte ich sowohl Ilea als auch Makoto. Sie war immerhin mit der Nachspeise beschäftigt, die ich sehr gerne mochte.

Imesha

Eine musikalische Unterhaltung klang vielversprechend, wenn sie ausnahmsweise nicht im Palast stattfand und ich dort nicht gleich erkannt wurde. Zwar musste er mir kein Essen spendieren, weil ich durchaus mehr verdiente als er und er sein Geld besser ansparen sollte, aber ich wusste die Geste dennoch zu schätzen. Nur verstand ich seine Absichten nicht. Er machte mir nicht den Hof. Auch die Einladung zum Essen hatte... normal geklungen. Ohne Hintergedanken. Wirklich seltsam. Ich war nicht so arrogant zu glauben, dass mich jeder Mann wollte, aber bis auf Ruko und meine Kollegen kannte ich niemanden, der es nicht toll fände mit Oberst Imesha zu schlafen. Als wäre ich eine Trophäe, die es zu gewinnen galt.
Danke für die Einladung. Ihnen auch einen angenehmen Tag. Gojo-sama würde ihm zwar auf irgendeine Art und Weise den Tag vermiesen wollen, doch Ryu hatte sich bisweilen wacker geschlagen. Ich war ehrlich gespannt, wie lange er es noch durchhielt. In der Küche hatten ein paar der weiblichen Bediensteten bereits Wetten abgeschlossen, wann er kündigte und seinen Beruf wechselte. Er schien jetzt schon sehr beliebt bei den Damen zu sein.
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435

22.12.2020, 21:40

Ryu

Ich schenkte ihr noch ein freundliches Lächeln und machte mich schließlich auf die Suche nach dem Laden, wo ich neue, leere Schriftrollen abholen sollte. Dabei dachte ich an das Gespräch mit Imesha, sie hatte normal geklungen, wenn auch zurückhaltend. Was auch gestern war, schien sie äußerlich nicht berührt zu haben. Jedoch konnte es auch ein falscher Eindruck sein, immerhin mussten die Menschen hier lernen ihre wahre Gefühlen und Gedanken zu verbergen, um zu überleben. Aber sie besaß genug Stärke um den nächsten Tag weiterzuleben, das war ein kleines gutes Zeichen. Ich fand den Laden und reichte den Zettel mit den Auftrag dem Verkäufer. Sofort kam er mit den neuen Schriftrollen und zum Glück hatte ich genügen Platz in der Tasche. Wieder wanderten meine Gedanken zu Imesha, wenn ich es richtig verstanden hatte, würde sie meine Einladung annehmen und heute Abend im Gasthof erscheinen. Vielleicht würde ich sie da näher kennenlernen.

Ilea

Roselyn begann zufrieden zu grinsen und reckte sich genüsslich. "Wie weit seit ihr mit den Kranichen gekommen? Sie müssten aufgehängt werden", erkundigte sich Sobo Makoto. "Ich glaube die Menge reicht aus", meinte ich: "Ich hole rasch den Korb." Dann wandte ich mich an Cael: "Draußen im Stall ist eine Leiter, magst du sie bitte holen? Dann können wir die Kranichen an der Decke im Speisesaal aufhängen. Und vielleicht müssten wir ein wenig die Tische umstellen, damit du Platz zum Musik spielen hast. Bestimmt wollen auch ein paar Menschen tanzen. Zur Musik tanzt man doch auch, oder?"


436

22.12.2020, 21:58

Cael

Sofort stand ich auf und nickte. >Ja, zu einigen Liedern kann man gut tanzen.< Es war wirklich schade, dass sie meine Musik nicht hören konnte. Ich wünschte, es gäbe einen Weg, weil ich ihr meine Welt gerne näherbringen wollte, aber da das nicht möglich war, musste ich das wohl oder übel akzeptieren. Auch wenn ich bereits einige romantische Lieder geschrieben hatte, um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Lieder, die von Herzen kamen. Wenn meine Schwestern das wüssten, würden sie mich täglich damit aufziehen. Ryu vielleicht auch.
Ich holte schnell die Leiter aus dem Stall, kehrte damit zurück und stellte sie mitten im Raum hin, damit Ilea sie nach Belieben verschieben konnte. In der Zwischenzeit begann ich die Tische etwas umzuräumen, um einigermaßen viel Platz zu bieten.

Imesha

Die Begegnung mit Ryu hatte mich ein wenig aus dem Konzept gebracht, aber der gemütliche Spaziergang lenkte mich mit der Zeit ab und es zog mich wieder in die Geschäfte, wo Kleidung verkauft wurde. Ich ging in eines hinein, begrüßte den Verkäufer höflich nickend und begann mich interessiert umzusehen. Mir wurde sofort Hilfe angeboten, doch ich bevorzugte es alleine gelassen zu werden. Ich kannte meinen Geschmack am besten. Weder zu farbenfroh noch zu öde. Der Stoff musste natürlich eine gute Qualität haben, am besten reißfest und angenehm zu tragen. Es gab nichts Schlimmeres als kratziges Material. Das schadete nur der Haut.
In diesem Geschäft fand ich schon mal einige gute Exemplare. Ich befühlte den Stoff, begutachtete den gesamten Schnitt und hielt jedes einzelne davon vor meinem Körper, um mich besser darin vorzustellen. Es gab zwar die Möglichkeit sich hier umzuziehen, aber das mochte ich nicht. Nicht, wenn Fremde im selben Raum waren.
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437

22.12.2020, 22:07

Ryu

Nach eine Weile hatte ich die Liste abgearbeitet und machte mich auf dem Weg zum Archiv. Meine verbesserte Stimmung nach der Begegnung mit Imesha sank ein wenig, als ich das Palasttor sah und mich an die Situation mit Meister Li erinnerte. Natürlich könnte ich heute Abend versuchen Imesha nach ihm auszufragen, aber da sie eine militärische Ausbildung gemacht hatte, würde sie es vermutlich verdächtig finden wenn ich nach einer hochrangige Person fragte. Jedenfalls wäre ich skeptisch geworden, besonders in diese Zeiten. Ohne Vorkommnisse erreichte ich das Archiv, lieferte die gewünschte Sachen bei Gojo-sama aus und erzählte ihm von den erfolgreichen Lieferungen. Er sah mich verkniffen an, aber da er keinen Wutanfall bekam, hatte ich wohl in seine Augen meine Arbeit gut gemacht. Dennoch schickte er mich jetzt wieder die Regalen abzustauben. Keine beliebte Beschäftigung, aber so konnte ich mich mit den System vertrauter werden, wie die Themen der Schriftollen aufgeteilt waren.

Ilea

Ich holte schnell den Korb mit den Kranichen und zeitgleich mit Cael war ich wieder im Speisesaal. Roselyn hatte sich hingegen zurückgezogen, vielleicht musste sie über die neue Informationen über sie nachdenken. "Danke", nickte ich Cael zu und kletterte auf die Leiter. An den Kranichen waren bereits Fäden, sodass ich sie nur noch an der Decke aufhängen musste. Ich reckte mich um wirklich die Decke zu erreichen, auch wenn ich fast auf der oberste Stufe stand und konzentriert ging ich meiner Aufgabe nach. Hin und wieder musste ich die Leiter an eine andere Stelle schieben, damit die Kranichen sich nicht nur an einem Platz versammelten. Das würde ansonsten überladen wirken. Währenddessen kümmerte sich Cael um die Tische und ich erwischte mich dabei, wie ich ihn für kurze Augenblicke beobachtete.


438

22.12.2020, 22:18

Cael

Beim letzten Tisch musste ich etwas mehr Kraft aufwenden, weil er größer und breiter war und ich merkte beim Abstellen, dass die Wunde an der Leiste protestierte. Grummelnd stellte ich den Tisch gröber als geplant ab und atmete tief durch. Langsam reichte es mir. Ich konnte meine Wunden binnen weniger Sekunden heilen, ohne dass die angewandte Magie bemerkt wurde. Nicht, wenn sie direkt aus der Geisterwelt kam.
Mein Blick glitt zu Ilea, die teilweise wegen der Höhe Schwierigkeiten hatte die Kraniche zu verteilen. Vielleicht hätte ich auch diese Arbeit übernehmen sollen. Nicht, dass sie einen falschen Schritt machte und von der Leiter stürzte. Das würde ich mir nie verzeihen. Ich ging zu ihr rüber und lächelte sie von unten an. >Möchtest du einen kurzen Ausflug in die Lehre der Geisterwelt machen? Ich würde dir gerne etwas zeigen, das dich sehr wahrscheinlich interessieren könnte.<

Imesha

Mit zwei neuen Eroberungen im Gepäck verließ ich das Geschäft und wanderte weiter die Straßen entlang, bis ich am östlichen Stadttor ankam. Hier war ich ziemlich selten. Lag wahrscheinlich daran, dass das nicht zu meinem Kontrollgebiet gehörte. Von hier aus gelangte man zu großen bebauten Feldern, es folgten kleinere Dörfer und schließlich das Meer. Ich erinnerte mich nicht mehr an den Geruch, nicht an die Brise, nicht an das Gefühl von Sand unter meinen Füßen. Vor Sumires Tod hatten wir einen Ausflug geplant. Kaiser Oda hätte es sogar bewilligt, aber ich hätte es damals schon besser wissen sollen. Dass alles anders kommen würde. Dass mein Leben damit endete hier zu stehen. Alleine.
Kopfschüttelnd wandte ich mich vom Tor ab und kehrte zurück in das Gefängnis. Ich wollte meine Sachen im Zimmer abladen und wieder zum See gehen, um dort einige Stunden auf dem Eis zu verbringen. Das war für mich sinnvoll genutzte Zeit.
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439

22.12.2020, 22:31

Ryu

Meine Niese kitzelte bei dem vielen Staub, obwohl ich täglich die Regale entstaubte. Aber das Zeug kehrte immer wieder zurück, um mich wahrscheinlich zu ärgern. Nach der Putzaktion konnte ich endlich in meine wohlverdiente Pause gehen. Einen Moment überlegte ich, ob ich in den Speisesaal für die Dienerschaft gehen sollte und auf unauffällige Art neue Informationen sammeln sollte. Wobei dort mehr getratscht wurde, sodass die Informationen nicht immer seiner Richtigkeit haben würde. Es wäre vermutlich besser die Bediensteten einzeln zu treffen. Außerdem brauchte ich einen kurzen Moment für mich. Also nahm ich mein Bentō und ging hinaus in den Gärten, die ich kürzlich entdeckt hatte. Dort war auch eine zugeschneite Bank gewesen, ganz in der Nähe des vereisten Sees. Nach kurze Handbewegungen war der Schnee von der Bank gefegt wurden und entspannt begann ich die leckere Mahlzeit zu essen. Schon seltsam wie der Garten friedlich wirken konnte, wo hier der Ursprung einer der Übels war.

Ilea

Cael näherte sich mir und ich schaute auf ihn hinab. Kurz neigte ich mein Kopf zur Seite, er wollte mir etwas in der Geisterwelt zeigen? Ich horchte in mich hinein und merkte, dass diese schwere Erschöpfung von mir gewichen war. Ich fühlte mich schon viel kräftiger, als heute Morgen. Daher kletterte ich die Leiter hinunter und lächelte ihn zaghaft an: "Dann zeige es mir, bitte. Sensei." Eine Haarsträhne fiel mir ins Gesicht und ich strich sie hinter meinem Ohr. In diesem Moment ging die Haupttür auf und Otōsan trat ein. Erleichtert sah ich, dass es ihm trotz der Kälte soweit gut ging. Er schien zudem ein Gepäck getragen zu haben. Er nickte zu uns und verschwand sogleich in der Küche, denn bis heute Abend hatte er auch viel zu tun. Also sollte ich ihn lieber nicht mit den Neuigkeiten über den Geist stören.


440

22.12.2020, 22:43

Cael

Als sie die Leiter hinunterkletterte, wurde mir mal wieder bewusst wie klein sie im Gegensatz zu mir war. Nicht wie bei Fenrir und Hanabi, aber so, dass ich das starke Gefühl empfand sie in die Arme schließen und an mich drücken zu wollen. Zum Glück kam ihr Vater zurück, sonst hätten meine Arme außerhalb meiner Vernunft gehandelt. Er schien etwas erschöpft zu sein, aber ihm ging es zumindest gut. Wie wir hatte auch er einiges für heute Abend zu erledigen. Ich hoffte, wir bekamen genügend Kundschaft, damit das kein peinlicher erster Auftritt wurde. Mir war es wichtig, dass ich dieser Familie etwas zurückgab, weil sie Ryu und mich bislang sehr freundlich aufgenommen hatten.
Ich sah wieder Ilea an, lächelte und nahm unbedacht ihre Hand in meine, um sie in das Zimmer zu führen, in dem wir letztes Mal unseren ersten Ausflug in die Geisterwelt unternommen hatten. >Vorab zur Klärung... Wir werden nicht auf die andere Seite wechseln, sondern bleiben mit Körper und Geist in der Realität. Ich möchte dir lediglich zeigen, dass wir Mikos in der Lage sind jederzeit auf die Energie der Geisterwelt zurückzugreifen.<
Als ich mich im Schneidersitz hinsetzte, ließ ich ihre Hand wieder los und rief Ivoli zu mir, der sich brav auf meinen Kopf setzte. >Es geht um das Thema Heilung.<

Imesha

Irgendwie gab es mir ein gutes Gefühl, dass ich heute keiner Pflicht nachgehen musste. Ich schuldete Ruko meinen größten Dank. Er konnte sich nicht vorstellen, wie sehr ich eine kleine Auszeit benötigte. Der Zusammenbruch vor den Grabsteinen... ungern dachte ich daran zurück. Ich wäre unter anderen Umständen ernsthaft erfroren. Ein langsamer, stiller Tod. Mir war es in dem Moment nicht bewusst gewesen. Manchmal bereitete ich mir selbst die größte Sorge. Wenn ich diese düsteren Gedanken bekam, ein Teil von mir damit einverstanden war, während der andere ums Überleben kämpfte. Ich hörte manchmal die geisterhafte Stimme von Sumire oder Motaro, die mich dazu antrieben stark zu bleiben. Meinen Weg zu gehen. Mich nicht unterkriegen zu lassen. In diesen Momenten fragte ich mich, ob ich sie wirklich hörte oder ob es meiner blühenden Fantasie zu verdanken war.
Ich stieg die Palasttreppen hinab, vorbei an den Bediensteten, die sie putzten und steuerte die Palastgärten an, in denen ich mir etwas mehr Ruhe erhoffte. Da nun die neuen Gäste eingetroffen waren, könnte es durchaus passieren, dass sie sich dort umsahen. Das wäre für mich sehr schade, weil ich auf keinen von ihnen stoßen wollte.
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