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1 521

23.05.2021, 21:56

Cael

Das Sättigungsgefühl setzte schneller ein als erwartet. Mein Körper hatte sich offenbar an kleinere Portionen gewöhnt, deshalb wollte ich mich nicht gleich überfressen, sondern mehr genießen. Ich legte den leeren Spieß zu den anderen auf meinem Teller und griff anschließend zu einer Orange, um sie mit einem Messer zu schälen. Der Duft erinnerte mich sogleich an das eine Mal, als Ilea zum ersten Mal diese überaus teure Frucht mit mir geteilt hatte. Es war ein schöner Moment gewesen. Wir hatten uns dabei entspannt unterhalten. Kein Misstrauen, keine hochgezogenen Wände. Wer hätte gedacht, dass wir inzwischen nicht mehr die Finger voneinander lassen konnten. >Das sollten wir tun.< stimmte ich meinem besten Freund zu, nachdem ich den ersten Bissen hinuntergeschluckt hatte. Die Orange schmeckte richtig, richtig gut. Ich schälte auch eine zweite, um sie Ilea zu geben.

Imesha

Ich fühlte mich sehr wohl in unserer kleinen, beschaulichen Runde. Diese Menschen waren mir sehr stark ans Herz gewachsen. Mehr als ich erwartet hatte. Nach Motaros und Sumires Tod war das für mich ein großes Wunder, aber eines, das ich sehr zu schätzen wusste. Umso mehr wollte ich, dass sie alle ihre Ziele erreichten. Nicht nur ich war auf der Suche nach Antworten. Auch die Männer und ganz besonders Ilea. Wir wollten zudem alle dasselbe. Etwas Gutes bewirken in dieser düsteren Welt.
>Was sind das für Früchte?< fragte ich neugierig, als ich nach einer grüngelblichen Sorte griff, die seltsam geformt war. Sie roch interessant. >Das ist eine Sternfrucht.< meldete sich wie aus dem Nichts Drasils kraftvolle Stimme. Er kam diesmal aus einer anderen Richtung und beäugte interessiert unsere Ernte, aber auch das Essen, das Ilea zubereitet hatte. >Wie ich sehe, habt ihr euch gut eingelebt. Das freut mich.<
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1 522

23.05.2021, 22:07

Ryu

Gesättigt lehnte ich mich zurück und rieb zufrieden über meinem Bauch. Es machte schon viel aus gutes Essen zu nehmen, statt nur die karge Provianten. Ich griff ebenfalls nach einer Frucht und wählte wieder den Pfirsich. Der Geschmack hatte es mir angetan und es wurde zu eine weitere Gemeinsamkeit, die ich mit Imesha teilte. In diesem Moment erschien Drasil. "Möchtest du dich zu uns setzen?", bot ich ihm es freundlich an. Ich wusste nicht wann er zuletzt Besuch hatte, jedenfalls war es vermutlich schön wieder Gesellschaft zu haben. Außerdem war ich neugierig auf ihm, denn es gab etwas worin wir uns ein wenig ähnelten. Wir waren beide vom halbdämonischen Blut.

Ilea

Erfreut nahm ich die Orange entgegen, als Cael sie mir geschält reichte und entzückt schloss ich meine Augen, als ich in die saftige Frucht hineinbiss. Was für ein herrlicher Geschmack. So konnte nur die Sonne schmecken. Als ich eine starke Aura spürte, öffnete ich wieder die Augen und sah, dass Drasil gekommen war. Er sah auf das Essen und daher sagte ich zu ihm: "Du...ich meine Sie können gerne davon was essen, wenn Sie es mögen." Beinahe hatte ich die höfliche Ansprache vergessen und mir fiel ein, dass ich vorhin ihn auch schon geduzt hatte. Eine Nachlässigkeit von mir, die ich nicht kannte. Aber das konnte an all den Aufregung legen, als wir plötzlich in diese Welt waren.


1 523

23.05.2021, 22:31

Cael

Drasil schien kurz nachzudenken und setzte sich schließlich zwischen Ryu und mir hin, wo er uns alle gut sehen konnte. Da er größer und schwerer gebaut war als wir Männer, wunderte es mich schon, dass der Stuhl unter seinem Gewicht nicht klagte. Ihm würde eher ein großes Sessel passen. >Ich weiß eure Höflichkeit sehr zu schätzen, aber ich lehne dankbar ab. Nach einiger Zeit vergeht einem der Appetit auf sterbliches Essen, aber die Gesellschaft tut gut.< Sein klarer Blick fiel dann auf Ilea. >Und du musst mich nicht duzen. Wir sind hier nur unter uns.<
Ich aß die Orange auf, wischte mir die feuchten Finger an einem Tuch ab, das ich aus der Küche mitgenommen hatte und lehnte mich entspannt zurück. >Darf ich fragen, wie du dich sonst bei Kräften hältst?< fragte ich neugierig.

Imesha

Hm... eine Sternfrucht. Interessant. Ich schnitt sie in kleinere Einzelteile, begutachtete das Fruchtfleisch und stellte fest, dass es tatsächlich wie ein Stern aussah. Es duftete zudem sehr gut. Ich nahm einen Bissen und war ein wenig erstaunt über den süßsauren Geschmack. Irgendwie hatte ich etwas Bitteres erwartet. >Hier, probier mal.< wandte ich mich an Ryu, dem wohl die Pfirsiche sehr gefallen hatten. Obwohl es im Grunde genommen nichts Besonderes war, freute es mich irgendwie, dass ihm meine Lieblingsfrüchte schmeckten.
>Magie ist die Antwort auf viele Fragen.< hörte ich Drasil antworten. Damit überließ er uns der Vorstellung, was damit gemeint sein könnte. Ernährte er sich etwa von Magie oder durch Magie? Dieser Halbyokai warf viele Fragen auf.
>Chiku hat mir vorhin erzählt, dass ich als Kind Kontakt zu ihm hatte. Sind wir uns auch schon mal begegnet?<
Diesmal ließ er sich etwas mehr Zeit mit der Antwort. In seinen sturmgrauen Augen flackerten die verschiedensten Emotionen auf. >Nein und Ja. Ich kannte deine Eltern. Genau wie ich einst auf deine Mutter traf.< Damit meinte er Ileas Mutter, denn er sah sie direkt an. Mir schlug das Herz währenddessen bis zum Hals. Er kannte meine Eltern?
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1 524

23.05.2021, 22:39

Ryu

Drasil nahm Platz zwischen meinem besten Freund und mir. Selbst im Sitzen wirkte er mächtig und gleichzeitig nahm er trotz seiner Statur nicht den Raum ein. Leicht neigte ich mein Kopf zur Seite. Seine vage Antwort ließ viel Freiraum. In meiner Welt gab es Wesen, die tatsächlich nur durch die Magie leben konnten. Durch die aufgeschnittene Früchte lag in der Luft die verschiedenste fruchtige Düfte. Das erinnerte mich an eine Reise durch den Dschungel in meiner Welt, fernab von der Zivilisation. Ich wurde hellhörig, als er sagte, dass er die Eltern von Imesha und die Mutter von Ilea begegnet war. Meine Augen wanderten zu den Frauen, um ihre Reaktionen zu sehen.

Ilea

Es war immer noch schwer von seine Lippen zu lesen und ich musste mich stark konzentrieren, um ein paar Worte entschlüsseln zu können. Wenn ich richtig lag, störte es ihm nicht, dass wir ihn duzten. Meine Augenbrauen zogen sich zusammen, als ich versuchte die nächste Worte zu erraten. Deine Gucker? Nein, das passte nicht zu den anderen Worte. Etwas mit treffen. Deine Mutter. Mein Körper erstarrte. Er war meiner Mutter begegnet? Die verschiedenste Gefühle tobten in meinem Brustkorb und ich legte meine Hände auf dem Schoß, die sich unter dem Tisch zu Fäuste bildeten. "Meine Mutter? Wann hast du sie zuletzt gesehen?", fragte ich und sah nur ein verschwommenes Bild einer Frau in meinem Kopf.


1 525

23.05.2021, 22:59

Cael

Es ging nicht um meine Mutter, aber ich spannte mich trotzdem an, als Drasil verkündete sowohl Imeshas Eltern als auch Ileas Mutter begegnet zu sein. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie ihre Hände zu Fäusten ballte. Ich legte meine Hand auf ihre, damit sie sich nicht allein fühlte und verstand den Aufruhr in ihr, auch wenn sie das nicht offen zeigte. Das Thema Mutter hatte sie bislang streng vermieden. Selbst Imeshas Gesicht zeigte keine starke Reaktion. Sie starrte bloß Drasil an, unfähig etwas zu sagen. Es hatte mich überrascht zu hören, dass sie den Wolf aus ihrer Kindheit kannte. Gleichzeitig war das eine positive Entwicklung, da sie sich mit Chiku offenbar verbunden fühlte.
>Es ist viele Jahre her. Zeit spielt in meiner Welt nämlich keine Rolle, deshalb kann ich dir keine genaue Antwort geben. Es kommen viele besondere Menschen hierher. Wie Roselyn.< Da es für Ilea nach wie vor anstrengend sein musste Drasil zu verstehen, wiederholte ich einfach seine Worte, damit sie das Gesagte richtig verstand. Dass Roselyn schon mal hier gewesen war, wunderte mich tatsächlich weniger. >Das Portal, das ihr gesucht habt, gibt es nicht mehr. Sie war die Letzte, die es gefunden und genutzt hat. Dann habe ich es zerstört, um ungebetene Gäste fernzuhalten.<

Imesha

Lauter Fragen tobten in meinen Gedanken herum. Dass Ilea fähig war auch nur eine davon auszusprechen, war bemerkenswert. Normalerweise hatte ich mich viel besser im Griff, aber wenn man mit jemandem am Tisch saß, der über die eigenen Eltern mehr wusste als man selbst, konnte das ganz schön überfordernd sein. Bei Chiku hatte ich bereits die Hoffnung verloren mehr über sie zu erfahren, aber Drasil schien endlich einige Karten offen auf den Tisch legen zu wollen. Deshalb auch die Sache mit dem Portal, nach dem wir verzweifelt in der Eiseskälte gesucht hatten. >Sind meine Eltern noch am Leben?< Von allen Fragen, die ich ihm stellen wollte, war das zunächst die Wichtigste.
Er sah mich an und stieß ein schweres Seufzen aus. Alles in mir zog sich zusammen.
>Nein.<
Dieses eine Wort reichte aus, um meine Welt aufs Neue zersplittern zu lassen. Wie eine gewaltige Explosion in einem großen Glashaus, in dem ich mir alles Mögliche vorgestellt hatte. Ein tränenreiches Wiedersehen mit wenigstens einem lebendigen Elternteil. Eine warme Umarmung. Familiäre Zuneigung. Ein liebevolles Lächeln. Alles... alle Hoffnung einfach... kaputt.
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1 526

23.05.2021, 23:14

Ryu

Beinahe hätte ich Roselyn vergessen, wo war sie eigentlich? Suchte sie hier selbst ihre eigene Antworten? Seit der Zimmerverteilung hatte ich sie nicht mehr gesehen. Doch augenblicklich verdrängte ich meine Gedanken an sie, als Drasil Imesha erzählte, dass ihre Eltern nicht mehr lebten. In ihrem Gesicht sah ich, wie eine Welt zusammenbrach. Wie ihre Hoffnung verblasste. Ich griff nach ihrer Hand, drückte sie fest, damit sie sich nicht alleine in diesem Schmerz verlor. Ich wünschte ich könnte ihr all den Schmerz nehmen, doch ich konnte nur für sie da sein.

Ilea

Vor langer Zeit....das konnte vor meiner Zeit bedeuten oder die Zeit, als meine Mutter mich verlassen hatte. Ich atmete tief ein und lächelte Cael schwach an, ich war dankbar, dass er da war. Und dass er mir half Drasil besser zu verstehen. Doch dann bekam Imesha eine schreckliche Nachricht und ich wusste wie sie sich in diesem Moment fühlen musste. Erst vor Kurzem hatte ich einen Familienmitglied verloren und ich spürte immer noch dieses Loch in meinem Herz. Ich wäre jetzt gerne zu Imesha gegangen, um sie in Arme zu nehmen. Aber dann nahm Ryu bereits ihre Hand.


1 527

23.05.2021, 23:31

Cael

Ich verstand nicht, warum ausgerechnet Menschen wie Ilea oder Imesha dermaßen viel einstecken mussten. Wann durften sie endlich mal ihr Leben genießen? Ohne Kummer oder Schmerz. Ich konnte mir nicht annähernd vorstellen, wie sich Imesha gerade fühlen musste. Wie es sich anfühlte beide Eltern zu verlieren ohne sich wirklich an sie zu erinnern. Wenn ich an meine Eltern dachte, wollte ich mir erst gar nicht ausmalen irgendwann ohne sie leben zu müssen. Nur der Gedanke allein tat unfassbar weh.
Drasil gefiel es offenbar nicht der Überbringer schlechter Nachrichten zu sein, denn er fügte hinzu: >Es mag nur ein kleiner Trost sein, aber deine Familie besteht aus mehr als deine Eltern. Und sie sind am Leben. In Sicherheit.<

Imesha

Da war plötzlich Ryus Hand auf meiner, ich spürte den sanften Druck, spürte, dass er mir damit Trost spenden wollte. Aber zu erfahren, dass meine Eltern nicht mehr am Leben waren, machte alles kaputt. Es erinnerte mich an Motaro und Sumire. An ihren plötzlichen Tod. An den schmerzlichen Verlust. An die vielen Tage ohne Licht. Ohne Sinn. Ohne Hoffnung. Da half es mir nicht zu wissen, dass andere Familienmitglieder überlebt hatten. Ich kannte sie nicht. Sie waren nicht in meinem Gedächtnis. Ich hatte nur immerzu meine Eltern gesehen. Niemand anderes. Es spielte also keine Rolle für mich. Ich würde weder meine Mutter noch meinen Vater treffen können. Nie würde ich erfahren, wie es war in ihren Armen zu liegen. Wie sie mich an die Hand nahmen, mit diesem warmen Lächeln im Gesicht.
>Ich... ich kann das jetzt nicht.< brachte ich erstickt hervor und stand abrupt auf. Mit brennenden Augen eilte ich aus dem offenen Raum zum Flur, wo unsere Zimmer lagen. Mit jedem schnellen Schritt, hämmerte mein Herz lauter und fester gegen die Rippen. Jeder Atemzug kostete mich Kraft. Ich schnappte nach Luft, als würde mich jemand in diesem Moment erwürgen wollen. Es waren meine Schatten. Die fiesen Stimmen in meinem Kopf. Schluchzend stieß ich die Tür zu meinem Zimmer auf, direkt auf das Bett zu, aber mein Körper stand unter solch großer Spannung, dass ich eher wie eine Irre hin- und herlief. Hände im Haar vergraben, Kopf gesenkt und mein Herz blutig in der Brust schlagend.
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1 528

23.05.2021, 23:48

Ryu

Ich konnte ihr Schmerz spüren und sah in ihre Augen, wie die Dunkelheit über sie hereinbrach. Plötzlich sprang Imesha auf und floh regelrecht in den Gang. Hastig stand ich auf, ich wollte sie nicht in diesem Zustand allein lassen. Sie sollte nicht alleine mit diesem Verlust fertigwerden. Daher folgte ich Imesha. Aus ihrem Zimmer hörte ich ein Schluchzen und als ich in den Raum trat, sah ich wie sie wie eine Wahnsinnige hin und herlief. In wenige Schritte war ich bei Imesha und zog sie in meine Arme. "Schreie. Weine. Tobe. Lass alles raus aus dir", meine Stimme war leise, aber eindringlich.

Ilea

In meinem Hals bildete sich ein Kloß, als Imesha aus dem Raum floh und Ryu ihr folgte. Auch sie hatte viel Leid erfahren und es war ungerecht, dass sie nun hören musste, dass ihre Eltern gestorben waren. Ich stand auf. Ich konnte nicht mehr sitzen. Es gingen zu viele Gedanken durch meinem Kopf und ich war aufgewühlt von all den Neuigkeiten. Um meine Hände Beschäftigung zu geben, begann ich den Tisch aufzuräumen. Imeshas Eltern waren tot. Meine Mutter war hier gewesen. Und auch Roselyn war zu ihre Lebzeiten hier gewesen. Ich wusste nicht, wo sie jetzt war, aber wie ich sie kannte, suchte sie nach Hinweise und würde zu uns stoßen, wenn sie uns brauchte oder gebraucht wurde. Ich brachte das schmutzige Geschirr in die Küche. "Ilea", sagte eine Stimme, deren Klang ich beinahe vergessen hatte und vor Schreck ließ ich das Geschirr fallen, als ich auf die Gestalt starrte. Doch als ich blinzelte war sie fort und der Boden übersät von Scherben. Meine Mutter war nicht hier. Meine Fantasie ging mit mir durch. Ich hockte hin, um die Scherben aufzusammeln. Meine Hände zitterten und mein Mal pulsierte seltsam, was es noch nie getan hatte.


1 529

24.05.2021, 00:10

Cael

Ryu traf die richtige Entscheidung, als er Imesha folgte, die überstürzt den Raum verließ. In diesem Zustand durfte sie nicht allein sein, selbst wenn gerade eine Welt für sie zusammengebrochen war und sie sich verloren fühlen musste. Mein bester Freund war stark genug, um ihr auch durch diesen Sturm zu helfen. Hoffentlich schaffte er es. Hoffentlich ließ Imesha das zu. In der Zwischenzeit würde ich mich um Ilea kümmern, die verstummt war. Sie stand bloß auf, räumte das Geschirr ab und machte sich auf den Weg in die Küche. Natürlich sammelte ich den Rest ein, um ihr zu folgen, aber Drasil hielt mich kurz auf. >Sie wird hier Antworten finden, die sie herausfordern werden. Der Talisman, den du bei dir hast... Den gibst du ihr am besten sehr bald. Er wird einige Lücken mehr schließen.<
Mittlerweile wusste ich, dass ich gar nicht nachzufragen brauchte, woher er vom Talisman erfahren hatte. Er schien viele Dinge zu wissen und er gab selten klare Antworten. Deshalb nickte ich bloß, ehe ich in die Küche eilte, weil ein lautes Geräusch erklungen war. Ich stand im Türrahmen, als ich all die Scherben und Ilea mittendrin entdeckte. >Hast du dich verletzt?< fragte ich sie sogleich besorgt.

Imesha

Ich wusste nicht, wohin mit mir. In meinem Kopf herrschte das reinste Chaos. Ich fühlte alles und gleichzeitig nichts. Ich war hier und irgendwie überall. Erst verspätet merkte ich, dass ich nicht mehr alleine war, denn da lagen plötzlich starke Arme um meinen Körper. Sie hielten mich. Sie waren warm. Aber sie gehörten nicht meinen Eltern. Noch mehr Tränen schossen in meine Augen. Ich schluchzte auf. Zitterte von Kopf bis Fuß. Wie sollte ich toben, wenn ich keine Kraft mehr dafür fand? Ich wollte mich am liebsten zusammenrollen und so klein werden, wie ich mich gerade fühlte. Unendlich klein. Verloren. Weinend klammerte ich mich an Ryu fest, der mir im Moment den einzigen Halt gab. Andernfalls hätten meine Knie nachgegeben. Ich wäre zu Boden gegangen und wäre dort liegengeblieben.
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1 530

24.05.2021, 00:22

Ryu

Es zerbrach mir das Herz Imesha so zu sehen, aber ich würde ihr den Halt geben, den sie jetzt brauchte. Meine Umarmung wurde noch fester, weil ich spürte, dass ihr bebender Körper vor Kummer sie nicht mehr tragen konnte. Ich spürte die warme Tränen, die in meinem Oberteil sickerten und spürte ihren Schmerz, der aus ihr hinausfloss. Ich sagte nichts mehr, denn Worte konnten die tiefe neue Wunde nicht heilen. Es war einfach ungerecht, dass das Schicksal ihr wieder übel gespielt hatte. Imesha hatte schon so viel Kummer und Verlust erlebt.

Ilea

Ich schaute auf, als Cael in der Küche erschien und ich schüttelte langsam den Kopf: "Nein. Es ist nichts passiert, ich habe mich nur erschreckt. Aber jetzt ist das Geschirr kaputt, ich hoffe Drasil wird mir nicht böse sein." Ich sammelte weiter die Scherben auf und entsorgte sie in einem Eimer, den ich in einer Ecke fand. "Ich kann mich kaum an sie erinnern, da ist nur ein verschwommenes Gesicht von ihr. Es ist seltsam an einem Ort zu sein, wo sie früher einst gewesen war und man gar nicht weiß, warum sie hier war", begann ich zu erzählen und unbewusst fasste ich nach der Kette um meinem Hals. Das Einzige, was sie mir zurückgelassen hatte. "Sie ist für mich eine Fremde", gestand ich Cael: "Ich weiß nur noch, dass ich lange nach ihr Ausschau gehalten hatte, als ich noch ein kleines Kind war, aber dann habe ich aufgehört nach ihr Ausschau zu halten."

Gehe offline, gute Nacht :)


1 531

24.05.2021, 00:57

Nachti *_*

Cael

Drasil wirkte nicht wie jemand, dem viel an seinem Geschirr lag, darum vermutete ich keine Probleme. Ich half ihr dabei die Scherben zu entsorgen und hörte ihr dabei aufmerksam zu. Es war nichts Neues für mich, dass sie sich kaum an ihre Mutter erinnerte. Auch nicht, dass sie sie als Fremde betrachtete. Ohne Mutter aufzuwachsen, war unvorstellbar für mich. >Möchtest du trotzdem mehr über sie erfahren?< fragte ich Ilea vorsichtig. Sie hatte zwar aufgehört nach ihr Ausschau zu halten, aber hier in dieser Bibliothek warteten scheinbar Antworten auf sie. Vielleicht sogar auf die Frage hin, warum ihre Mutter sie damals verlassen hatte. Es musste einen guten Grund dafür gegeben haben. Auch dafür, warum sie nie zurückgekehrt war. Ich wollte nur nicht, dass Ilea mehr litt, als sie es ohnehin schon tat. Sie hatte genügend Verluste hinter sich.

Imesha

Die Umarmung wurde fester, als ich mich meinen wilden, schmerzlichen Gefühlen hingab. Nicht einmal Ryus vertrauter Duft oder seine Wärme schafften es mich zu beruhigen. Ich weinte, weinte und weinte. Irgendwie waren mir in all den Jahren die Tränen nicht ausgegangen. Immer wieder fand das Wasser den Weg aus meinen Augen. Ich hatte schon so oft geweint, dass ich den Überblick verloren hatte. Es war zu viel Schlechtes passiert. Zu oft. Und das verstand ich nicht. Ich verstand die Welt nicht mehr. >Warum...< schluchzte ich. >W-Warum v-v-verliere ich... d-dauernd... wichtige M-Menschen in meinem Leben?< Es tat so weh. So unfassbar weh. Ich ertrug es nicht mehr Familie oder Freunde zu verlieren. Wie viel konnte ein sterbliches Herz wie meines denn noch ertragen? Wie sollte ich weitermachen? Warum überhaupt?
>Was, wenn... w-wenn ihr... w-wenn du auch... irgendwann... w-weg bist?< Ich presste mein Gesicht dichter an seine Brust und spürte wieder diese tief verankerte Angst in mir, alles und jeden zu verlieren, der mir etwas bedeutete. Ich hatte Angst völlig allein zu enden. In einer endlosen Dunkelheit. Allein mit meinen Schatten in meinem Kopf. Diese Vorstellung, sie war einfach... sie war zu schrecklich.
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1 532

24.05.2021, 19:38

Ryu

Es war hart sie so weinen zu sehen, jeder Schluchzer zerriss mir erneut das Herz und ich wünschte mir so sehr ich könnte für sie viel mehr tun, als nur sie zu halten. Aber mehr konnte ich in diesem Moment nicht tun, ich konnte nur für sie da sein und sie auffangen, während sie tief fiel. Ich wusste nicht wie es war eine Familie zu verlieren und ich wollte es auch nicht wissen, denn dieser Verlust würde mich genauso hart treffen wie bei Imesha. Schon Makotos Tod war mir unglaublich nahe gegangen. "Ich weiß es nicht", antwortete ich ihr: "Ich weiß nicht, warum das Schicksal so übel mit dir spielt und wenn ich es könnte, würde ich all dein Leid ungeschehen machen." Tief atmete ich ein: "Ich werde dich niemals freiwillig verlassen, Imesha. Ich werde bis auf das letzte Blutstropfen kämpfen, um an deiner Seite zu bleiben, sollte sich etwas uns im Weg stellen. Ich bin zäh, ich kann viel aushalten und es wird schwer werden mich überhaupt zu besiegen. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, damit du mich nicht verlieren wirst." Ich wünschte ich könnte ihr versprechen mir würde nichts passieren, aber das konnte ich nicht, denn ich wusste nicht was die Zukunft uns bereit hielt.

Ilea

"Ich....ich weiß es nicht", zögerte ich einen Moment: "Aber um meine eigene Fähigkeit zu verstehen und warum ich dieses Erben von ihr erhalten habe, muss ich wissen wer sie war. Und vielleicht kann ich mit ihr meinen Frieden finden, wenn ich erfahre, warum sie uns verlassen hatte. Warum sie ihrer Bestimmung vorgezogen hat, als ihre Familie." Ich strich eine Haarsträhne hinter dem Ohr. Es war seltsam über meine Mutter zu sprechen, denn wie erwähnt war sie für mich eine Fremde und ich spürte nur einen leichten Echo von den Gefühle, die ich damals als Kind für sie empfunden hatte, bevor sie uns verließ. Aber ich glaubte auch schon damals hatte sie keine enge Bindung zu mir aufgebaut. Ich hatte schon immer meinem Vater näher gestanden.


1 533

24.05.2021, 21:04

Cael

Das war eine sehr logische Herangehensweise. Ich fand es gut, dass sie mehr über ihre Mutter herausfinden wollte, um mit der Sache endlich abzuschließen. Natürlich wünschte ich mir nur das Beste für sie, deshalb hoffte ich, dass ihre Mutter zu den guten Menschen gehörte. Dass sie nicht noch mehr enttäuscht wurde als sie es ohnehin schon war.
Ich trat auf Ilea zu, umarmte sie und küsste sie sanft auf den Kopf. Für was auch immer sie sich entschied oder was auch immer sie erwartete, ich blieb an ihrer Seite. >Wollen wir zurück in die Bibliothek und recherchieren? Drasil müsste noch da sein, dann kannst du ihn vielleicht weiter ausfragen, wenn du das möchtest.< schlug ich ihr vor und sah sie dabei aufmerksam an.

Imesha

Das viele Weinen machte mich irgendwann so schwach und müde, dass ich schniefend den Griff lockerte und mich nur noch gegen Ryu lehnte. Ich schloss meine Augen, spürte das Brennen in ihnen, in meinem Hals und in der Brust. Mir tat alles weh und gleichzeitig fegte eine kalte Leere durch mein Bewusstsein. Ich hatte keine Kraft mehr mich gegen die Stimmen in meinem Kopf zu wehren. Ich hatte nicht einmal Kraft ihnen zuzuhören. Stattdessen konzentrierte ich mich auf Ryus Körperwärme. Auf seinen kräftigen Herzschlag. Auf seinen vertrauten Duft. Mir waren seine bestärkenden Worte nicht entgangen und trotzdem blieb die Angst hartnäckig bestehen. Auch wenn er alles tun würde, um am Leben zu bleiben, konnte er mir das nicht versprechen. Ich war nicht naiv. Solche Versprechen machte man nicht. So wie ich von einem Tag auf den anderen wertvolle Menschen verloren hatte, konnte das jederzeit wieder passieren. Oder es traf mich. Das wäre mir auf jeden Fall lieber, als dass ich einen Verlust nach dem anderen ertragen müsste. Diese Gedanken behielt ich allerdings für mich.
Ich wusste nicht, wie viel Zeit inzwischen vergangen war, aber irgendwann löste ich mich ein Stück von Ryu und sah ihn mit gemischten Gefühlen an. Am liebsten hätte ich mich wieder dafür entschuldigt, dass er dauernd für mich da sein musste, doch wie ich ihn kannte, würde er diese Entschuldigung nicht annehmen. Er wollte mir beistehen und diese Entscheidung repsektierte ich mittlerweile. >Danke, dass du gekommen bist.< sagte ich leise.
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1 534

25.05.2021, 19:35

Ryu

Ihr Beben wurde weniger und auch die Tränen versiegten, dann löste sie sich von mir. Ihre Wangen waren von den Tränen gerötet, die Augen gequollen und hatten etwas von dem Glanz verloren. Mein Blick wurde weich, ich legte die Hand auf ihre Wange und wischte mit dem Daumen die feuchte Spur weg: "Dafür nicht. Wir sind Gefährten und da ist man füreinander da." Ich bezog es nicht auf unsere vertiefende Beziehung. Gefährten zu sein, bedeutete nicht gleich ein Liebespaar. Es bedeutete, dass man gemeinsam den gleichen Weg ging und man füreinander da war, sowohl in guten Zeiten, als auch in schlechten Zeiten. Ich beugte mich zu ihr und drückte einen sanften Kuss auf ihr Stirn: "Möchtest du dich ausruhen?"

Ilea

Ich nickte: "Ja, lass uns die Bibliothek gehen und nach den Antworten suchen." Auch wenn ich lange an diesem Ort verweilen wollte, wusste ich, dass es nur von kurzer Dauer war. Da draußen in der Welt gab es Menschen, die unsere Hilfe brauchten. Da dachte ich besonders an meinem Vater, der in der Gefangenschaft war. "Ich weiß nicht, ob er mehr preisgeben wird. Er scheint ein geheimnisvolle Wesen zu sein, wie er sich rätselhaft und vage ausdrückt", meinte ich zu Cael. Trotz des schwierigen Verständnis hatte ich das Geheimnisvolles an ihm gespürt und auch die Reaktionen der Anderen bemerkt, dass die Antworten nicht das waren, was man sich erhofft hatte. Außerdem waren die Augen von Drasil voller Wissen, die er nicht mit uns teilen mochte. Ich fragte mich wie viele Geheimnisse er beschützte.


1 535

26.05.2021, 16:56

Cael

Da hatte sie recht. Drasil drückte sich meist rätselhaft aus, aber dafür hatte er sicherlich seine Gründe. Nicht umsonst hatte er uns davor gewarnt, das Wissen in der Bibliothek für keine schlechten Zwecke zu nutzen. Er hatte vielleicht schon den ein oder anderen Übeltäter rausschmeißen müssen. Die Macht, die mit Wissen einherging, war für viele sehr verlockend. Auch wenn wir den Kaiser aus dem Weg schaffen mussten, bezweifelte ich, dass es eine friedliche Option gab das zu tun. Also würde ich erst gar nicht nach solchen Möglichkeiten suchen. Mir war es wichtiger die wandelnde Stadt zu finden und gleichzeitig Ilea dabei zu helfen mehr über ihre Mutter zu erfahren.
>Hoffentlich werden wir fündig.< dachte ich laut nach, während ich Ileas Hand in meine nahm. Zusammen gingen wir zurück in den großen Saal, wo wir den Tisch leer vorfanden. Drasil hatte die letzten Überreste entfernt. Er war nicht gegangen, sondern stand nun vor dem Globus, der sich mittels der Magie, die er wirkte, unaufhaltsam in die verschiedensten Richtungen drehte. >Lasst euch bei der Suche nach Antworten nicht stören. Ich bin hier, falls ihr Hilfe benötigt.<

Imesha

Ich schluckte den plötzlichen Kloß im Hals hinunter, denn neben dem brennenden Schmerz von Verlust empfand ich große Dankbarkeit für Ryus Halt. Er konnte meine Eltern zwar nicht wiederbeleben oder mich mit ihnen verbinden, aber dass er bis aufs Blut kämpfen würde, um an meiner Seite zu bleiben, gab mir ein gutes Gefühl. Allerdings bereitete es mir mit jedem Tag mehr Angst mein Herz für ihn zu öffnen, nur um ihn dann wie alle anderen zu verlieren. Ich würde es nicht ertragen, wenn er wie Sumire oder Motaro einfach aus meinem Leben verschwand. Nicht, wenn er mich in meinen dunkelsten Momenten zusammenhielt und mich von innen heraus wärmte. Etwas, das ich schon sehr lange vermisste. >Eigentlich möchte ich genau das tun. Mich verkriechen und in den wenigen Erinnerungen an meine Eltern baden. Aber… ich kann das nicht. Ich muss etwas tun. Ich muss mich beschäftigen, sonst wird es zu dunkel in meinem Kopf.< sagte ich aufgewühlt. >Am besten wir suchen nach Informationen zur magischen Stadt. Das ist schon mal ein Anfang.<
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1 536

27.05.2021, 17:01

Ryu

Verständnisvoll nickte ich und antwortete ihr: "Dann lass uns in die Bibliothek gehen." Ich strich eine Haarsträhne von ihr hinter dem Ohr und lächelte sie warm an. Selbst mit verquollenen Augen war sie für mich die schönste Frau der Welt und auch wenn ich ihr das nich zurückgeben konnte, was sie verloren hatte, so wollte ich mein Bestes tun ihr glückliche Momente zu verschaffen. Neue Erinnerungen, die nicht mit Schmerz verbunden waren. Aber jetzt sollten wir langsam uns über die geheimnisvolle Stadt schlau machen, wenn wir vorankommen wollten. Wer wusste schon wie dicht die Feinde wieder hinter uns waren. Mein Blick glitt zum Bett, wo Egon sich auf dem Kissen gemütlich gemacht hatte, als ich Imesha getröstet hatte. Er schien zu schlafen. Imesha und ich verließen das Zimmer. Ich wollte gerne ihre Hand halten, aber ich wusste nicht, ob sie es vor den Anderen öffentlich haben wollte, dass wir uns nährgekommen waren.

Ilea

Drasil war im großen Saal immer noch anwesend und stand vor einem merkwürdigen Gegenstand, den ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte. Es drehte sich ständig und wurde dabei nicht berührt. Ich spürte zarte Schwingungen in der Luft und wusste, dass er Magie wirkte. Oder die Magie ging von diesem kugelrunden Gegenstand aus. Mein Blick glitt zu den vielen Bücher und Schriftollen, die Regalen schienen endlos zu sein. Es war immer noch überwältigend in einem Raum voller Wissen zu sein. Ich ließ die Hand von Cael los und ging zu dem Regal, der am nächsten stand. Langsam ging ich dem Regal entlang, ließ mein Blick über die die Bücher, Schriftollen und ein paar unbekannten Gegenstände gleiten. Manche Stücke schienen alt zu sein und in eine andere Sprache verfasst zu sein, andere wiederum waren in der Sprache, die ich kannte, geschrieben. Ich spürte ein seltsames Kribbeln in meine Fingerspitzen, ein leichtes Pulsieren meines Mals und feine Härchen richteten sich in meinem Nacken auf. Hier waren so viele Geschichten. Viele Erinnerungen aus der Vergangenheit. Verblasste Gesichter von Menschen, die einst hier gewesen waren. Etwas in mir regte sich, es war meine Magie.


1 537

28.05.2021, 14:56

Cael

Ich wüsste zu gern, was Drasil mit dem Globus vorhatte. Suchte er einen Ort? Oder eine Person? Konnte man damit vielleicht den aktuellen Standort der wandernden Stadt herausfinden? Allerdings wäre das dann doch zu einfach. Er hätte uns das gesagt. Hoffte ich jedenfalls. Ilea ließ sich von ihm und dem Globus nicht ablenken, sondern ging direkt auf ein Regal zu und begann mit der Suche. Ich tat es ihr gleich und widmete mich den Büchern, die am Anfang des langen Flurs standen. Einige von ihnen waren ziemlich dick, andere wiederum sehr schmal und alt. Bis heute war mir nicht bewusst gewesen, dass der Aufenthalt in einer Bibliothek mich dermaßen beruhigen würde. Dieser Ort erinnerte mich an Familie. An meine Mutter, die uns Kindern fantastische Geschichten vorlas - einige aus eigener Feder. Ob sie seit Ryus und meinem Fortgang weitere Geschichten verfasst hatte? Bei allem, was mein bester Freund und ich bislang erlebt hatten, würde sie garantiert viele weitere Bücher schreiben. Oder Theaterstücke in Zusammenarbeit mit meinem Vater.
Ich vermisste das Theater. Ich vermisste es Musik vor einem prallgefüllten Saal zu spielen.
Neben dem schweren Gefühl, das sich auf meine Brust legte, nahm ich ein sehnsüchtiges Ziehen war, welches mich an den Regalreihen vorbeiführte, bis ich vor einer Regalwand stehenblieb. Etwas verdutzt über diesen inneren Ruf betrachtete ich die Auswahl an Büchern vor mir. Allesamt schmal, wie Hefte. Drasil hatte am Anfang gemeint, es sei verboten etwas anzufassen, aber ich vermutete, dass uns das jetzt erlaubt war. Nach kurzem Zögern griff ich nach einem kleinen Büchlein mit Ledereinband und ohne Titel, schlug die erste Seite auf und stellte überrascht fest, dass es sich um ein Tagebuch handelte. Ein Tagebuch, das in der alten Sprache meines Heimatlandes verfasst war.

Imesha

In einvernehmlichem Schweigen machten wir uns auf den Weg zurück in die Bibliothek. Cael und Ilea begegneten wir nicht, allerdings fanden wir Drasil dort vor, wo er zuletzt gewesen war. Im Hauptraum vor einer Apparatur, die eine relativ große sowie beschriftete Kugel drehen ließ. Es war zudem Magie im Spiel. >Die anderen beiden suchen schon fleißig nach Informationen. Ich bin solange hier, wenn ihr mich braucht.< sagte der Halbyokai an uns gewandt, ehe er sich wieder dieser Kugel widmete. Ich hatte sie bislang für Dekoration gehalten. Am liebsten hätte ich ihn weiter zu meiner Familie befragt, die offenbar nicht nur aus meinen Eltern bestand, doch dafür hatte ich weder die Kraft noch den Mut. Vielleicht ein anderes Mal, selbst wenn es mir wehtat.
Als ich mir spontan ein Regal aussuchte, fragte ich mich, warum Drasil uns nicht gleich zu den Stellen führte, wo hilfreiche Informationen zu finden waren. Es würde uns viel Zeit ersparen. Gleichzeitig erwies er uns sehr viel Gastfreundschaft, darum hinterfragte ich seine Absichten nicht. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass die selbstständige Suche eine Art Test war. Bei der Menge an Büchern würde es bestimmt eine Weile dauern, bis ich das fand, wonach ich suchte. Die Frage war nur: Wonach genau suchte ich eigentlich? Ich bezweifelte, dass es Bücher gab, die mit „Die wandernde Stadt“ oder „Die verbotene Stadt der Magie“ oder ähnlichem betitelt waren.
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1 538

29.05.2021, 14:22

Ryu

Wir waren in der Bibliothek nicht alleine, Drasil stand an einem Globus und Dieser schien von sich selbst zu drehen. Doch wenn man seine Sinnen ausweitete, konnte man einen Hauch von Magie spüren. Ich nickte leicht zu ihm und ließ mein Blick zwischen den vielen Regalen gleiten. Cael und Ilea hatten offensichtlich die gleiche Idee gehabt, hoffentlich fanden wir später ein paar Antworten auf unsere Fragen. Ich wählte ein Regal in meiner Nähe und ließ mein Blick interessiert über die Bretter wandern. Ich nahm mir dabei Zeit und entdeckte dadurch faszinierende Gegenstände, die mir bekannt vorkamen und einige waren mir wiederum gänzlich neu. Aber auch Bücher in verschiedene Ausgaben und Alterserscheinungen waren reichlich zu finden. Manche Buchstaben ließen sich schwer entziffern, Andere waren in fremde Sprachen und manche wiederum ließ mich glauben, schon mal solche Buchstaben gesehen zu haben. Neben Bücher gab es auch Schriftrollen, viele Rollen waren schon vergilbt. Ein dickes Buch, das in rotes Leder gebunden war und auf dem Buchrücken nur ein goldenes Symbol als Prägung besaß, weckte mein Neugier. Ich griff danach.

Ilea

Die Magie in mir pulsierte stärker, als ich weiter ging und es überkam mich das Gefühl als wollte sie mich leiten. Mich zu eine bestimmte Stelle führen. An einer Stelle wurde das Pulsieren weniger, doch als ich mich zu einem Regal von Gegenüber drehte, wurde die Magie wieder stärker. Ich folgte diesem "Ruf", ergab mich nicht die Verlockungen der Erinnerungen, die an mir zupften, denn sie waren nicht das, wonach ich suchte. Das Mal auf meinem Handrücken begann leicht zu schimmern, wie sie damals es bei Cael getan hatte, als unsere Magie sich zum ersten Mal berührten. Die Kette glühte an meinem Hals und mein Blick fiel auf einem Buch mit einer Zeichnung von einem Kranich. In meine Finger wurde es kribbeliger, ich wollte nach diesem Buch greifen. Ich musste nach ihm greifen. Da war eine Stimme in mir, die lauter wurde. Mein Herz begann schneller zu pochen.


1 539

31.05.2021, 17:05

Cael

Ich war dermaßen erstaunt über diesen unerwarteten Fund, dass ich die ersten Worte mehrmals lesen musste, um sie zu verstehen: Die Reise eines Wanderers. Sehr anonym, gleichzeitig Neugier erweckend. Mehr stand auf der Vorderseite nicht, also schlug ich die nächste Seite auf und hoffte, dass mich meine Sprachkenntnisse nicht im Stich ließen. Es war eine Weile her, dass ich in der alten Sprache etwas gelesen hatte. Auf diese Buchstaben zu starren, weckte ein nostalgisches Gefühl in mir.
Ich konzentrierte mich auf den ersten Eintrag, der leider nicht datiert war, sondern gleich mit einer Beschreibung des Wetters begann. Sonnig, mit wenigen Wolken, eine frische Sommerbrise, die den Duft von Wildblumen trug und das entfernte Geräusch von Flügelschlägen. Kein spektakulärer Einstieg, um ehrlich zu sein, aber ich las trotzdem weiter. Wort für Wort.

Es ist ein Tag wie jeder andere. Trotzdem liegt etwas in der Luft, das nur wenige spüren können. Seit einiger Zeit höre ich dieses Flüstern in den Schatten der Nacht und in den schmalen Straßen in jedem Dorf, das ich auf meiner langen Reise passiere. Kaum einer ahnt, welche Gefahr sich zusammenbraut. Wie ein Gewitter, das Sturmfluten auslöst. Ich rieche den Tod. Ich sehe überall dunkle Silhouetten, ganz besonders wenn die Sonne stolz am Himmel strahlt. Umso länger und größer wirken die Schatten dann. Sie wissen, dass ich sie sehen, dass ich sie hören kann. Sie sind meine Begleiter und informieren mich über alles und jeden. Denn sie wissen alles. Und noch mehr.

In Gedanken hörte ich an dieser Stelle auf zu lesen. Diese Person hatte offenbar eine enge Beziehung zu den Schatten. Ein Schattenmagier vielleicht? Jemand wie mein Vater oder mein Onkel? Nicht mal die beiden wussten, wie die Familie an dieses einzigartige Erbe gekommen war. Wann hatte das angefangen? Fragen, die ich oft als Kind gestellt, aber oftmals keine Antwort darauf bekommen hatte. Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass ich ausgerechnet hier genau diese Antworten fand?

Imesha

Ich sah mir Buchrücken für Buchrücken an, doch bislang kein Glück. Zwei Regale weiter war ich ebenso erfolglos. Irgendwie erwischte ich dauernd die falschen Stellen, an denen ich suchen sollte und war kurz davor zu Drasil zu gehen, um ihn um Hilfe zu bitten. Im Archiv hatte ich deutlich weniger Schwierigkeiten gehabt mich zu orientieren, denn alles war nach einem bestimmten System sortiert. Hier hingegen schien kaum etwas Sinn zu ergeben. Manchmal standen Wissensbücher zwischen Legenden und Berichten. Außerdem waren sie weder nach Name noch nach Datum sortiert. Gojo-sama hätte hier einen Wutanfall bekommen.
Seufzend blieb ich vor dem nächsten Regal, das bis zur Decke reichte, stehen und ließ den Blick suchend umherschweifen. In diesem Moment kam Drasil um die Ecke und sah mich aus seinen stürmisch grauen Augen direkt an. >Kann ich dir helfen?<
>Wenn du mir das System erklärst, komme ich sicherlich voran.< Ich hätte ihn lieber nach meinen Eltern ausgefragt, doch dieses Bedürfnis drückte ich nieder. Dafür war später noch Zeit. Jetzt musste ich erstmal andere Informationen finden.
>Es gibt kein System. Jedes Buch steht dort, wo es stehen möchte.< Er bemerkte meinen verwirrten sowie ungläubigen Gesichtsausdruck und stieß ein leises Lachen aus, was sich eher nach einem harmlosen Grollen anhörte. >Dir wird nur das offenbart, wonach du von Herzen suchst. Fragen, die dir auf der Seele brennen. Manchmal ist dir das bewusst, meistens eher nicht. Andere wiederum sind durcheinander. So, wie es bei dir der Fall ist.<
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1 540

31.05.2021, 19:30

Ryu

Als ich das Buch aufschlug, erblichte ich auf der erste Seite eine schwarze Zeichnung. Sie zeigte einem flügellosen, schlangenähnlichen Drachen, der sich zu einem Kreis geformt hatte. Und darüber stand Ryū, was soviel Drache bedeutete. Es war meinem Namen sehr ähnlich, nur der letzte Buchstabe sprach sich hier anders aus. Ich hielt inne. Es war ein seltsamer Zufall, dass mein Name auch hier die gleiche Bedeutung besaß, wie in meiner Welt und doch schien dieser Name in Valaris ausgestorben zu sein. Jedenfalls hatte Imesha mein Name als ungewöhnlich empfunden. Auf der nächste Seite erfuhr ich, dass die Drachen traditionell auch Tatsu hießen, weitere Bezeichnungen für sie waren Lóng, Nāga oder Doragon. Wer welchen Drachennamen trug, hing scheinbar auch von der Herkunft ab, also wo sie in Valaris geboren wurden und dann wurden sie auch in Arten unterteilt. Erneuert hielt ich inne und mein Blick suchte nach Imesha. Ich entdeckte sie weiter hinten und sie schien in einem Gespräch mit Drasil zu sein, da wollte ich sie nicht stören. Ich musste daran denken, wie wir vor ein paar Tagen über Drachen gesprochen hatten. Dieses Buch schien der Beweis zu sein, dass hier einst wirklich die Drachen existiert hatten, bevor sie verschwanden.

Ilea

Wie in einem Trance hob ich meine Hand und als meine Finger endlich den Buchrücken berührten, wurde mein Kopf von Bilder durchflutet. Statt von den Erinnerungen hineingezogen zu werden, fühlte es sich an als wollten sie aus mir hinausfließen. Ich handelte instinktiv. Ich öffnete mein Bewusstsein, ließ die Magie durch meinem Körper strömen und die Bilder schwammen wie ein Boot auf dem Fluss bis sie das Ufer erreichten. Die Lotusblüte auf meinem Handrücken begann heller zu schimmern und plötzlich tänzelte aus ihr leuchtende Fäden hinaus. Mit großen Augen sah ich, wie sie in der Luft herumwirbelten und sich miteinander verbanden. Und dann wurde aus diesem Lichtspiel zu eine schimmernde Gestalt, wie bei einem Geist. Ich schnappte nach Luft und ging ein paar Schritte zurück, als ich meine Mutter erblickte. Was...was hatte das zu bedeuten?