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16.06.2021, 19:42

Cael

Ich runzelte besorgt die Stirn, als Ilea meinte, Roselyn würde sich nicht gut fühlen. Das war kein gutes Zeichen. Immerhin hatte sie bislang dauernd gestrahlt, freche Kommentare von sich gegeben und tapfer gekämpft. Aber selbst starke Charaktere wie sie hatten wohl ihre schwachen Momente. Ich folgte Ilea an einen wunderschönen, abgelegenen Ort, Chiku stets in unserer Nähe. Dann entdeckte ich Roselyn auf einer roten Bank sitzend und ich ließ Ilea zu ihr gehen, während ich in angemessenem Abstand stehenblieb, um den beiden Frauen Raum für eines offenes Gespräch zu geben. Natürlich würde ich helfen, sollte man mich brauchen und wie es schien, hatte Ilea fest vor Roselyns Erinnerungen heraufzubeschwören. Ein logischer Gedanke. Gleichzeitig verstand ich die Sorge des Geistes. Wollte man die Dinge neu erleben, die mit Trauer verbunden waren? Wohl kaum. Trotzdem war auch ich der Meinung, dass Roselyn vielleicht erst dann zur Ruhe kam, wenn sie sich ihrer Vergangenheit stellte.

Imesha

Auch in den weiteren Kapiteln wurden magische Wesen aufgeführt, die ich nicht kannte und die es in meiner Welt nicht gab. Die Namen dieser Welten wurden zudem nicht genannt. Ob das Absicht war? Zum Schutz der Wesen? Dieser Gedanke klang ziemlich plausibel. Ich könnte Drasil danach fragen, aber dann bemerkte ich das vertraute Kribbeln im Nacken. Das Gefühl beobachtet zu werden. Dass hier keine Gefahr auf mich lauerte, war mir bewusst und trotzdem stolperte mein Herz, als ich Ryu erblickte, der völlig entspannt an einem Regal lehnte und mich offenbar beobachtet hatte. Wie lange stand er schon dort? Wieso hatte ich Egons magische Fäden nicht früher bemerkt? Meine Wachsamkeit ließ zu wünschen übrig.
Ich legte das Buch zur Seite und stand auf. Mir lag die Frage auf der Zunge, ob ihm die Abkühlung gut getan hatte, doch das schien mir etwas zu intim zu sein. Selbst wenn das gar keinen Sinn ergab. Ich war immer noch durcheinander von all den Gefühlen und Worten in mir. >Wann genau sind wir eigentlich verabredet? Jetzt gleich oder kann ich zuerst in mein Zimmer gehen und mich kurz ausruhen? Das viele Lesen und die... Die Sache mit meinen Eltern hat mich ziemlich erschöpft.<
Just keep swimming...
#spreadthelove

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17.06.2021, 19:38

Ryu

Nach eine Weile bemerkte mich Imesha und ich schenkte ihr ein warmes Lächeln. Dann wurde mein Blick sehr sanft und ich antwortete ihr: "Ich brauche noch ein wenig Zeit für die Vorbereitung und du kannst dich solange ausruhen. Lass uns am See treffen, wenn es anfängt zu dämmern." Draußen war es noch hell, sodass wir uns am Licht orientieren konnte. Außerdem wenn Imesha einen Moment für sich brauchte, wollte ich ihr auch diesen Moment geben. Ich trat ihr näher und strich eine Haarsträhne hinter ihrem Ohr: "Wir sehen uns naher und ich freue mich schon auf unsere Verabredung." Ich senkte leicht den Kopf und drückte einen Kuss auf ihre Wange. ihr Duft kitzelte in meiner Nase und meine Lippen begannen erwartungsvoll zu kribbeln, doch ich richtete mich wieder auf. Wenn ich sie jetzt küssen würde, würde ich nicht damit aufhören können und wieder ins kaltes Wasser springen müssen.

Ilea

Cael blieb in unsere Nähe, jedoch hatte er sich nicht zu uns gesetzt, um uns wahrscheinlich die Privatsphäre zu geben. Kurz streifte mein Blick ihm, dann war ich wieder auf Roselyn konzentriert und griff auch nach der andere Hand. Meine Augen schlossen sich und mein Geist glitt an den Band, der uns verband, entlang. Dieser Ort hatte starke Gefühle in ihr geweckt und je stärker ein Gefühl an etwas gebunden war, desto einfacher war es für mich in die Erinnerung einzutauchen. Wie letztes Mal stieß ich gegen die unsichtbare Mauer, doch ich wanderte der Mauer entlang und tastete mit meinem Geist immer wieder die Barriere ab bis ich einen "Riss" entdecke, wo ich hineinschlüpfen konnte. Bilder stürmten auf mich ein und ich öffnete mich für ihnen, tauchte in die Erinnerung ein.

Mit einem Seufzen lehnte ich mich auf der rote Bank zurück und streckte meine Beine aus, beinahe berührten meine Fußspitzen die Kante der Quelle. Was für ein herrlicher Tag, um draußen zu sein, vor allem wenn man vorher stundenlang die etliche Bücher studiert hatte. Mein Blick wanderte zu den Sakurabäume, die in voller Blütenpracht waren, während eigentlich tiefster Winter herrschen sollte. Nach wie zuvor war ich von der Magie dieses Ortes fasziniert und obwohl ich von mir behaupten konnte mich sehr gut mit Magie auszukennen, war diese Magie hier ein absolutes Rätsel für mich. Ein Rätsel, was ich unbedingt lösen wollte. Plötzlich spürte ich in meinem Brustkorb ein schmerzhaftes Brennen, als würde Feuer über meine Haut lechzen und überrascht keuchte ich laut auf. Instinktiv zog ich mein Oberteil nach unten bis mein Dekolletee entblößt war. Dort war das Tattoo in Form einer Teerose mit einer Perle und in ihrem Inneren befanden sich die Initialen N.M.S. Nasrin Mirabell Sugiyama. Meine große Schwester. Kaltes Entsetzen packte mich, als die Blüten sich von meiner Haut lösten und in die Luft tänzerisch schwebten bis die Perle auf dem Boden fiel und sich entzweite. Mein Körper glitt von der Bank, ich sank auf die Knien und mit zittrige Finger hob ich die zerteilte Perle auf. "Nein", hauchte ich tonlos und Tränen brannten auf meine Wangen. Sie war tot. Meine Schwester, einer der mächtigsten Magi, war tot.


1 563

18.06.2021, 10:32

Cael


Ruhe kehrte ein und ich wusste instinktiv, dass Ilea in die Erinnerungen von Roselyn abgetaucht war. Ich setzte mich im Schneidersitz ans Ufer und behielt die Frauen im Blick, nur für den Fall, dass sie meine Unterstützung brauchen sollten. Hoffentlich ging die Reise in die Vergangenheit gut aus. In diesem Land passierte schon viel zu viel Schlechtes. Wir hatten immer noch keine Hinweise gefunden, wie wir die magische Stadt auf uns aufmerksam machen könnten. War das überhaupt möglich? Wenn dort tatsächlich nur Magi lebten, müsste zumindest einer von ihnen wissen, dass Ryu und ich aus einer anderen Welt hierhergereist waren, um zu helfen. Und dass wir nicht mehr allein waren, sondern in Begleitung von zwei weiteren starken Persönlichkeiten.
Grübelnd rieb ich mir übers Kinn und stellte fest, dass ich mal wieder eine Rasur brauchte, wenn ich nicht bald wie ein Wilder herumlaufen wollte. Normale Dinge wie Rasieren gerieten schnell in Vergessenheit, wenn man ums Überleben kämpfte. In Valaris ging es auch um nichts anderes als das. Richtig zur Ruhe kam man nur an ungewöhnlichen Orten wie diesem hier. Ich würde zu gerne erfahren, welche besondere Magie all das am Leben erhielt, aber manchmal reichte es zu wissen, dass Wunder möglich waren.

Imesha

Meine Haut kribbelte von dem unschuldigen Kuss und wieder wusste ich nicht, was ich erwidern sollte. Dieser Mann stellte alles auf den Kopf. Gesprochene Worte wurden überflüssig. Diese Seite kannte ich nicht von mir. Sprachlos war ich nur, wenn ich mich bewusst dafür entschied, aber seit ich Nähe zuließ, war es anders. Wären wir ein Spiel Pai Sho, würde Ryu zweifelsfrei gewinnen. Eine Feststellung, die mich stören sollte. Das war allerdings nicht der Fall. Stattdessen nickte ich mit einem kleinen Lächeln, denn die kleine Auszeit bis zur Dämmerung hatte ich dringend nötig. Ich würde definitiv ein Nickerchen machen müssen.
Mit einem letzten Blick auf ihn und Egon verließ ich den Ort des Wissens und machte mich auf den Weg in mein Zimmer. Ich traf weder auf Drasil noch auf Chiku. Mich begleitete ausschließlich angenehme Ruhe. Kurze Zeit später öffnete ich die Tür zum Schlafzimmer, als die Bilder des heutigen Tages auf mich einstürzten. Wie eine gewaltige Lawine, die mich unter sich begraben wollte. Ich ließ es zu, denn wer konnte schon eine Lawine aufhalten? Ryu schon, ich hingegen nicht. Ich legte mich einfach aufs Bett, rutschte hoch bis zu den vielen Kissen, drehte mich auf die Seite und schloss die Augen. Es dauerte nicht lange, bis die Dunkelheit mich zu sich holte.
Just keep swimming...
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Gestern, 19:48

Ryu

Ich sah Imesha einen Moment hinterher und dann begab ich mich in die Küche. Bei einem romantischen Abend am See gehörte ein Picknick dazu. Ich wählte ein paar Sachen aus, die Imesha besonders gerne mochte und zu meinem Glück fand ich in einem Regal ein Korb aus geflochtenem Bambus. "Jetzt sollten wir wieder zurück in unser Zimmer gehen und nach einer Tagesdecke Ausschau halten", meinte ich zu Egon. Als Antwort gurrte er. In meinem Zimmer fand ich tatsächlich eine Tagesdecke und ich nahm auch ein paar Kissen mit, damit wir es gemütlich hatten. Mit meiner Beute ging ich nach draußen, ich hatte mir den Weg gemerkt, die uns Chiku vorhin gezeigt hatte. Egon sprang von meiner Schulter, kaum waren wir draußen und verschwand zwischen den Büschen. Anscheinend wollte er auf eigene Faust die Gegend erkundigen und da ich wusste, dass dieser Ort sicher war, ließ ich es ihn gewähren. Am See angekommen suchte ich mir einen schönen Platz aus, wo man auch den Blick zum Himmel hatte. Kurz hielt ich inne, ob hier naher auch die Sterne funkeln würden? Oder hatte die geheimnisvolle Magie dieses Ortes eine ganz andere Welt erschaffen? Ich war schon darauf gespannt, was für eine Überraschung uns erwarten würde.

Ilea

Ich löste mich von der trauerüberwältigende Erinnerung, bevor mich die Vergangenheit tiefer in ihrem Sog hineinzog und ich mich in dieser Welt verlor. Mein Herz schmerzte vor Mitgefühl und ich legte die Arme um Roselyn, damit sie nicht alleine in ihrem Kummer war. Es war furchtbar einen geliebten Menschen zu verlieren. Und furchtbarer, dass man sich zuvor nicht mehr an diesem Menschen erinnern konnte und dann erfahren musste, dass man Jemanden verloren hatte. So musste vorhin Imesha ergangen sein. Roselyn schluchzte leise und ich spürte wie ihr Kummer unsere Verbindung unruhig vibrieren lässt. Da war nicht nur die Trauer, da war auch die Wut und der Wunsch nach Rache. Ihre klare Aura wurde düster und in meinem Nacken stach es, als eine negative Welle über mich rollte. Mein Körper verkrampfte sich leicht. Bilder flackerten in meinem Kopf. Bilder von ihrer Erinnerung. Ihre Schwester wurde von Kaiser Oda auf dem Palasthof vor Augen aller hingerichtet. Ein Ort, der einst ein Zuhause der beiden Schwestern gewesen war, bevor der alte Kaiser und seine Familie durch die mysteriöse Seuche starb. Aber nur der Kaiser Oda hatte es seltsamerweise überlebt. Da waren viele neue Informationen. Aber ich konnte mich nicht darauf konzentrieren, denn die negative Energie bereitete mir Kopfschmerzen. "Roselyn", ich strich hilflos über ihrem Rücken, doch sie reagierte nicht auf mich. Sie steckte in ihrer Vergangenheit fest. In ihrem Schmerz.


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