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1 681

12.09.2021, 20:10

Ryu

Verwirrt blinzelte ich, etwas hatte mich geweckt. Vielleicht der brennender Durst in meiner Kehle, es war als hätte ich seit Tagen nichts mehr getrunken und mein Mund fühlte sich trockener als die Wüste am. Noch schlafbenommen richtete ich mich auf und griff nach einem Krug mit Wasser. Gierig trank ich direkt aus dem Krug und meine Lebensgeister kehrten langsam zurück. Aus dem Augenwinkel nahm ich eine Bewegung wahr und drehte überrascht den Kopf zu ihr um: "Imesha?" Ich wollte aufstehen und im selben Moment fiel mir auf, dass ich bis auf die Decke auf meinem Schoß nichts am Körper trug. Ich hatte Imesha immer wieder gesagt, dass sie jederzeit zu mir kommen konnte, besonders wenn sie mich brauchte und möglicherweise hatte dieser Anblick sie erschreckt, weswegen sie mich vielleicht nicht wecken wollte. "Normerweise schlafe ich nicht nackt. Meine Feuermagie ist vorhin etwas hitzig geworden und gleichzeitig war ich ziemlich müde geworden", erklärte ich es ihr und fuhr mit der Hand durch das zerzaustes Haar: "Ich hatte seltsame Tagträume gehabt, als ich ein Gegenstand berührt hatte...." Mein Blick fiel auf meinem Arm, wo sich der goldener Drache um ihn wand: "Es waren doch keine Tagträume....das bedeutet...." Aufgeregt knotete ich die Decke um meine Hüfte und eilte zu Imesha hinüber, um nach ihre Hände zu greifen: "Die Drachengeister und Ahi sind mir tatsächlich erschienen! Ich bin Drachen begegnet!"

Ilea

In den zarten Kuss auf meiner Stirn lag so viel Wärme, Trost und Hoffnung. Ich nahm Caels Worte in meinem Herz, sie würden mich vor dem Bild des Wesens beschützen. Sie würden mich daran erinnern nicht aufzugeben. Ich nickte, ich spürte immer noch die Furcht in mir, doch sie hatte nicht mehr die Kontrolle über mich. Wenn ich schon bei der Erinnerung schwächte, wie sollte ich jemals meinem Vater aus seinem Gefängnis befreien können? "Lass uns reingehen", ich stand auf. Wer fiel, musste wieder aufstehen, sonst würde man für immer liegen bleiben. Und ich durfte nicht liegen bleiben. Ich hatte einen Weg zu beschreiten und ich wollte meine Gefährten nicht in Stich lassen, die für mich immer da gewesen waren.


1 682

13.09.2021, 14:20

Cael

Ich sah über die Schulter zu Roselyn, die keine Einwände hatte und dann zu Ivoli, der entspannt über unseren Köpfen kreiste. Alle waren wieder ruhig. Wir setzten uns in Bewegung und kehrten zurück in den kühleren Untergrund, um die Neuigkeiten mit den anderen beiden zu teilen. Dabei fiel mir ein, dass ich auch von meiner Entdeckung berichten sollte. Mir fehlten zwar die letzten Einträge, aber die würde ich demnächst nachholen. Ich musste wissen, was passiert war und ob es sich um ein gutes oder ein schlechtes Ende handelte.
>Wir können erstmal hier im großen Raum warten, vielleicht sind die beiden mit ihren eigenen Recherchen noch nicht fertig. Und du hast auch noch das Buch von gestern, in dem du weiter blättern kannst. Möglicherweise finden sich darin mehr interessante Informationen.< schlug ich Ilea vor, während ich selbst nach dem Tagebuch griff. >Ich bin damit fast schon durch.<

Imesha

Mist! Ich hatte ihn doch geweckt. Das war wirklich nicht meine Absicht gewesen. Ich wollte mich gerade entschuldigen, da band er sich hastig die Decke um die Hüften und kam direkt auf mich zu. Mir fiel fast die Schriftrolle aus den Händen, als er nach meinen griff und mir aufgeregt von seiner Begegnung mit Drachen erzählte. Zunächst einmal brachte es mich aus dem Konzept, dass er obenrum nackt war. Mir wurde schon warm, als ich einen Blick auf seine definierten Bauchmuskeln erhaschte. Dann realisierte ich erst, was seine Worte zu bedeuten hatten. Drachen... Er sprach von echten Drachen und erinnerte mich damit an alles, was ich zuvor über Magieweber und ihre Verbindung zu ihnen erfahren hatte. >Dann haben wir einiges zu besprechen, denn offenbar habe ich meine Magie den Drachen zu verdanken. Ich bin eine Magieweberin.< Es war nach wie vor ein seltsames Gefühl endlich einen Namen für das gefunden zu haben, was mein inneres Wesen ausmachte. Das mich zumindest mit meiner verstorbenen Mutter verband. Ich schaute auf unsere Hände hinab, dann zurück in Ryus strahlend grüne Augen. >Wo bist du ihnen begegnet? In deinen Träumen?<
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1 683

13.09.2021, 17:27

Ryu

Erneuert sah ich sie überrascht an und dann begannen meine Augen freudig zu funkeln: "Das ist ja unglaublich! Der Name Magieweberin passt zu dir, es beschreibt am Besten deine Magie. Außerdem haben wir wieder eine Gemeinsamkeit, denn wir Beide wurden mit Drachenmagie gesegnet. Das wir mit unsere Gaben uns begegnen, kann bestimmt kein Zufall sein." Ich ließ ihre Hände los, fuhr mit einer Hand durch das Haar und sortierte meine Gedanken, bevor ich ihr antwortete: "Ich weiß nicht so genau. Ich glaube ich war in ihre Welt gewesen, wo sie hingeflohen waren und ich glaube sie war irgendwo in der Zwischenwelt gewesen. Ahi hingegen bin ich an einem Ort in mir selbst begegnet, ich schätze es war die Quelle meiner Feuermagie gewesen. Alles hatte sich wie ein Traum angefühlt und gleichzeitig auch nicht. Jedenfalls hatte die erste Reise mich ziemlich erschöpft, daher kann es unmöglich ein Traum gewesen sein."

Ilea

Das Buch hatte ich vollkommen vergessen und ich sollte tatsächlich mich weiter mit dem Buch beschäftigen. Es hatte einen Grund, warum ich ihn gefunden hatte und außerdem würde ich noch viel mehr über mich erfahren. Über meine Magie. Und das Daseins eines Miko. Vielleicht fand ich auch was über meine rätselhafte Bestimmung heraus. Mein Blick schweifte über dem Tisch und ich entdeckte das Buch, ich hatte es dort zuletzt hinlegt und seitdem schien es nicht weggeräumt zu sein. Also musste ich nicht erst danach suchen, was mich erleichterte. Ich nahm das Buch und setzte mich hin. Roselyn dagegen schwebte hin und her, schien in ihre Gedanken versunken zu sein.


1 684

13.09.2021, 18:17

Cael

Ilea schnappte sich gleich das Buch, um darin weiterzulesen, also zögerte ich nicht länger und widmete mich dem Ende des Tagebuchs zu. Mir fiel auf, dass die Schrift teils gehetzt teils sehr fein leserlich wirkte. Als wären der Person die Emotionen aufs Papier geflossen. Roh und nackt. An einigen Stellen entdeckte ich sogar ein paar Tintenspritzer, die von zu festem Druck resultierten. Wut? Frustration? Trauer? Ich begann die ersten Zeilen des neuen Eintrags zu lesen und verlor mich wieder in dieser Lebensgeschichte. Sie schloss genau dort an, wo ich zuvor aufgehört hatte. Keine Zeitsprünge.

Es ist soweit. Man hat mich bemerkt. Mich und die Schatten, die mich von Beginn an verfolgen, mich begleiten und über das Geschehen auf der Welt informieren. Eine geballte Energie wie diese kann auf Dauer nicht verschleiert werden. Entweder man weicht mir instinktiv aus oder ich locke andere düstere Gestalten zu mir, die sich von der dunklen Magie nähren wollen. Meine Neugier war zu groß. Natürlich habe ich dem Drängen nachgegeben, um die andere Seite besser kennenzulernen. Die der Verlorenen. Inzwischen folgen sie sogar meinen Befehlen. Es ist anders mit ihnen als mit den reinen Geistern, den reinen Seelen. Jedes Mal, wenn ich sie rufe, wenn ich sie berühre oder sie mir zunutze mache, fühlt es sich an, als würde mich eine klebrige schwarze Masse ummanteln. Ich sollte aufhören, dessen bin ich mir bewusst, aber ich kann nicht... Nein, ich will nicht. Es gibt mehr zu entdecken, mehr auszuprobieren. Einmal damit angefangen, werde ich nicht aufhören. Ich muss mir das neue Wissen aneignen, denn mein eigentliches Ziel habe ich nicht aus den Augen verloren. Um das Licht zu erhalten, muss ich weiter diesen beschwerlichen Weg beschreiten. Es gibt keine Alternative. Niemand außer mir selbst ist dazu fähig.

Imesha

Eine Reise in die Zwischenwelt? War das nicht eigentlich Ileas und Caels Gebiet? Als Miko hatten sie eine besondere Verbindung zu diesem Ort, aber dass Ryu die Drachen offenbar dort irgendwo getroffen hatte, musste wahr sein. Er war kein Lügner, er war klar bei Verstand, deshalb vertraute ich seinen Worten und merkte mir die neuen Informationen. Dass er von mir als Magieweberin begeistert war, trug ebenfalls zu meiner inneren Aufregung bei. Er hatte keine Ahnung, wie beruhigend es war mit ihm darüber zu sprechen, denn noch wüteten die wildesten Emotionen in meinem Körper. >Das ist wohl der Grund, warum du mitten am Tag tief und fest geschlafen hast.< folgerte ich und hob daraufhin die Hand, in der ich die Schriftrolle hielt. >Drasil hat mir außerdem das hier gegeben. Es ist das einzige Schriftstück über die Kunst des Magiewebens. Mich macht das irgendwie nervös.<
Ich stieß einen leisen Seufzer. >Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich es gerne in deiner Gesellschaft lesen und dann würde ich dir gerne ein Deckengemälde zeigen, auf das ich gestoßen bin. Es zeigt die Drachen. Vielleicht kannst du damit auch eine Verbindung zu ihnen schaffen.<
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1 685

13.09.2021, 20:14

Ryu

Bejahend nickte ich, diese Reise an diesem seltsamen Ort mit den Drachen, hatten mich geistig erschöpft. Ich erinnerte mich, dass es für mich wie Jahren und gleichzeitig auch wie Sekunden angefühlt hatte. War die Zeit dort anders gewesen? Ich musste darüber mit Cael reden. Ich wusste, dass in der Zwischenwelt Orte gab. Orte, wo die Feen wohnten oder göttliche Wesen, wie die vier Windgeister, die meiner Mutter begegnet waren. Mein Blick fiel auf die Schriftrolle, in der die Wahrheit über ihre Magie steht und verständnisvoll nickte ich: "Ich ziehe mich schnell im Baderaum wieder an, nimm du schon mal Platz auf dem Bett." Ich war wie sie auf die Schriftrolle gespannt, aber auch auf das Drachengemälde. Heute schienen viele Geheimnisse enthüllt zu werden. Welche Geheimnisse waren noch vor uns verborgen? Schnell zog ich mich im Baderaum um, obwohl ich lieber nur in Hose rumlaufen wollte, weil mir wieder warm wurde. Aber ich wollte Imesha nicht in Verlegenheit bringen. "Da bin ich", ich setzte mich zu ihr: "Bist du bereit?"

Ilea

Ich las die Worte ohne sie zu verstehen, die Buchstaben flogen einfach an mir vorbei und mein Kopf schien nicht nach ihnen fassen zu können. Auch wenn ich wieder gefestigter war, so konnte ich die Erinnerung nicht gänzlich vergessen. Sie war wie ein Schatten, der mir folgte, aber sich jetzt noch nicht traute mir zu nähern, weil ich im Schutz des Lichts stand. Aber die Hoffnung war stärker, als die Furcht und daran würde ich mich klammern. Mein Blick fiel auf eine Abbildung einer Lotusblüte. Mit den Finger fuhr ich darüber. Lotusblüten und Kranichen hatten mich lebenslang verfolgt, sie standen in Verbindung zur Zwischenwelt, meiner Mutter und was wir waren. Ich entstammte aus einer alte Miko-Familie, die Lotusblüte war unser Symbol. Und der Kranich war die Verbindung zu der Zwischenwelt, er war unser heiliges Wesen. Doch heute mussten wir Mikos uns vor den Augen des Kaisers Oda schützen. War es wirklich nur Machthunger, weswegen er die Magie verbot? Wollte er Alleinherrscher über Magie sein? Alleinherrscher der Welt? Es wurden nicht nur nach den Magis und besondere Geschöpfe gejagt, sondern auch nach den Mikos, die besondere Kräfte besaßen. Mikos, wie Cael und ich. "Cael, was würde passieren, wenn man die Zwischenwelt angreifen könnte?", fragte ich ihn.


1 686

14.09.2021, 11:45

Cael

Uff, das war ein äußerst heftiger Beitrag. Wie vermutet hatte die Person sich der Schattenseite angeschlossen, doch die letzten Sätze machten mir Hoffnung. Um das Licht zu erhalten… Was genau war wohl damit gemeint? Was musste in den Schatten getan werden? Ich blätterte weiter, gespannt, wie sich das Ganze auflösen würde, als Ilea mir eine besonders interessante Frage stellte. Sie war nicht die Erste, die das fragte. Das hatte ich schon damals als Kind getan.
>Es gibt einige Theorien. Laut meiner Mutter wird alles aus dem Gleichgewicht geraten und alle Wesen aus der Zwischenwelt werden sich in unsere Welten stürzen. Keine gute Aussicht. Das wäre zu viel ungebändigtes Chaos auf einmal. Ivoli hat dasselbe gesagt. Sehr gefährlich könnte es werden, wenn man die Zwischenwelt nicht angreift, sondern die Kontrolle übernimmt. Frag mich nicht wie, aber höhere Mächte sind durchaus in der Lage alles auf den Kopf zu stellen. Das habe ich mir von den Animagi sagen lassen.< Ich fuhr mir seufzend durchs Haar und lehnte mich zurück. >Es ist allerdings sehr, sehr schwer die Zwischenwelt an sich zu reißen. Niemand weiß genau, wie sie funktioniert. Das ist wie ihr Schutzmechanismus. Zum Schutz aller. Sie ist ein Bindeglied zwischen mehreren Welten und das muss unter allen Umständen so bleiben.<
Mein Blick fiel wieder auf das Tagebuch, dann auf das Buch, das Ilea gerade las. >Bis heute ist es mir ein Rätsel, warum ich von dir geträumt habe, obwohl wir uns nicht kannten. Du warst in Valaris, ich in Ocamma. Trotzdem gab es Nächte, in denen ich dich sah. Durch dieses Fenster… wie du am Boden gelegen hast. Tief und fest schlafend. Im sanften Kerzenschein, dein golden schimmerndes Haar. Die Zwischenwelt hat mir dich gezeigt, bevor ich wusste, dass du wirklich existierst.< erzählte ich ihr mit offenem Blick.

Imesha

Als Ryu im Bad verschwand, um sich wieder anzuziehen, ertappte ich mich selbst dabei, wie ich ihm zu lange hinterhersah und mich nicht daran störte, dass er unter der Decke nackt war. Das musste wohl bedeuten, dass ich mich zu ihm hingezogen fühlte. Dass ich in Betracht zog, ihn noch näher kennenzulernen, als bloß Küsse auszutauschen. Hitze schoss in meine Wangen. Mir das bewusst zu machen, stellte seltsame Dinge mit mir an. Besser ich konzentrierte mich auf die Schriftrolle. Das Band zu lösen war mir nämlich vertraut und erinnerte mich an die vielen Stunden im Palastarchiv. Dort, wo auch Ryu eine Zeit lang gearbeitet hatte. Und offenbar konnte ich keinen Gedanken ohne ihn zu Ende denken. Oje…
Fertig angezogen kam er zurück ins Zimmer und setzte sich neben mich. Obwohl wir uns nicht berührten, spürte ich die Wärme, die er ausstrahlte. Das geborgene und sichere Gefühl, das seine Nähe auslöste. >Mehr als bereit.< erwiderte ich ernst und rollte die Schriftrolle sogleich auseinander. Sie war durchschnittlich lang. Mit einigen sehr seltsamen Zeichnungen. Symbole, die mir irgendwie vertraut und doch fremd waren. Vielleicht weitere versteckte Geheimnisse in meinen blockierten Erinnerungen. Was mir jedoch ins Auge stach, war die kursive, fehlerfreie Schrift. Als hätte man jeden einzelnen Buchstaben gedruckt. Wie in einem Buch. Ich las die ersten Zeilen laut vor und stutzte.

Sieh an, sieh an… du hast einen meiner wertvollsten Schätze gefunden. Mein hart erarbeitetes Wissen auf einer ziemlich schicken Schriftrolle, die ich nur für diesen Anlass ausgesucht habe. Normalerweise bevorzuge ich Bücher oder mein eigenes Gedächtnis, aber ich finde, dass das, was ich gerade denke aufs Papier gehört. Für die Magieweber und Magieweberinnen, die ihren Ursprung verloren haben. Wir sind nicht viele. Wir sind sogar sehr, sehr wenige. Da wäre es doch egoistisch von mir alles für mich zu behalten, oder? Klar… Manchmal kann ich ein Mistkerl sein, nur nicht, wenn es dieses besonders wichtige Thema betrifft. Deshalb rate ich dir alles, was du im Folgenden erfahren wirst, ganz genau durchzulesen. Wort für Wort. Symbol für Symbol. Lass alles auf dich wirken wie eine schöne Aussicht, in der du dich verlierst. Hier geht es mehr ums Fühlen als um das Lesen an sich. Klingt kompliziert? Ist es auch. Sonst könnten alle Magi Magie weben und das wäre wirklich blöd. Dann wäre ich nichts Besonderes mehr. Oder du. Das ist natürlich scherzhaft gemeint, aber auch wieder nicht. Bin wohl auch eher eine komplizierte Person.

Ich hörte auf zu lesen und blinzelte Ryu verwirrt an. Mit allem hatte ich gerechnet, nur nicht damit. Das klang wie jemand, der aus einer Laune heraus einen Tagebucheintrag verfasst hatte. Es steckte keine Wissenschaft dahinter, nur der persönliche Charakter des Schreibers. >Das… ist sehr interessant.<
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1 687

14.09.2021, 16:56

Ryu

Ihr Duft kitzelte in meiner Nase, zarter und intensiver zugleich. Ob meine Sinnen nach den außenkörperlichen Erfahrungen geschärfter waren? Mein Blick wanderte zu der Schriftrolle und sie offenbarten uns verschiedene Zeichnungen, deren Symbolen mir auf dem ersten Blick nicht bekannt waren. Es gab noch einen lesbaren Text, doch statt mitzulesen, lauschte ich den Klang von Imeshas Stimme. Es war, als würde ihre Stimme über meine Haut streicheln und ich könnte ihr ewig zuhören. Aber es war ein kurzer Text. "Eines steht fest, der Schreiber scheint sehr selbstbewusst zu sein. Irgendwie erinnert er mich an ein paar Familienmitglieder und Freunde." Leicht schmunzelte ich, doch dann wurde ich wieder ernst: "Was fühlst du dabei, wenn du diese Symbole siehst?"

Ilea

Aufmerksam las ich seine Lippen und ließ seine Worte durch meinem Kopf gehen. Es war nachvollziehbar, dass die Zwischenwelt ein Bindeglied war und wenn ein Bindeglied fehlte, konnte das Gleichgewicht außer Kontrolle geraten. Da mochte ich mir den Chaos nicht ausmalen. Schon gar nicht, wenn ein böses Wesen es doch irgendwie schaffte über die Zwischenwelt zu regieren. Dann musterte ich einen kurzen Moment Cael und antwortete ihm: "Manchmal war ich in meine Träume nicht bei Mattwei gewesen. In diesen Momente hatte ich gespürt, dass ich dennoch nie alleine war. Aber es war nicht unheimlich, es war....als würde Jemand über mich wachen. In diesen Momente habe ich mich manchmal auch sicher fühlen können. Vielleicht habe ich deine Anwesenheit gespürt."


1 688

14.09.2021, 19:10

Cael

Ich runzelte nachdenklich die Stirn und nickte langsam. Gut möglich, dass Ilea meine Präsenz gespürt hatte, aber das beantwortete dennoch nicht meine Frage, wie das überhaupt funktioniert haben könnte. Zwischen Welten sich wahrzunehmen, das war... unvorstellbar. Selbst für mich, der eine Welt verlassen hatte, um in einer anderen zu leben. Und warum ausgerechnet wir beide? >Vielleicht waren da wieder höhere Mächte am Werk. Soll öfters vorkommen.< mutmaßte ich schulterzuckend, ehe ich nach dem Tagebuch griff und die aktuelle Seite aufschlug. >In Ocamma gibt es eine große Universität, in der viel Forschung betrieben wird. Da wird wahnsinnig viel Geschichte geschrieben und archiviert, aber es gibt kein einziges Werk über die Schattenmagie. Das meines Onkels zählt natürlich nicht, weil es mir immer um den Urpsrung ging. Ausgerechnet hier finde ich aber dieses Tagebuch, verfasst in der alten Sprache meines Heimatlandes. Von einem Schattenmagier. Oder einer Schattenmagierin, so genau weiß man das nicht als Leser. Ein Zufall ist das sicherlich nicht. Genauso wenig wie das Buch, das du gefunden hast.<

Imesha

Ich schüttelte langsam den Kopf. Das war doch absurd. Was für ein Magieweber schrieb diesen Text, um andere seiner Art zu unterrichten? Irgendwie ergab das alles keinen Sinn. Ich brauchte klare Antworten, da ich mit den Symbolen allein nichts anfangen konnte. Noch nicht jedenfalls. Vielleicht war ihre Bedeutung tief in mir verankert und Ilea könnte mir dabei helfen dieses Wissen ans Licht zu bringen. >Keine Ahnung, egal wie lange ich die Zeichnungen anstarre, es regt sich nichts in mir. Wie soll ich bitte loslassen und... und fühlen?<
Immer noch verwirrt rollte ich den Rest der Schriftrolle auseinander und hielt mich mit meiner Erleichterung zurück, als ich sah, dass der Text sich fortsetzte. Ich räusperte mich kurz und las weiter vor:

Ich wette, du bist enttäuscht darüber, ja vielleicht sogar verärgert, dass ich keine klaren Antworten auf deine vielen Fragen gegeben habe. Genau da liegt das Problem. Es gibt keine Fragen. Alles, was du wissen musst, ist in deinen Genen verankert. In deinem Geist. In deinem Kopf. In deinem Herzen. Um ehrlich zu sein wäre ein Drache zwar die beste Wahl, um das Magieweben zu verstehen und anzuwenden, aber leider, leider, gibt es sie nicht mehr. Nicht in unserer Welt jedenfalls. In der Vergangenheit ist ganz schön viel Mist passiert. Auf beiden Seiten. Das gibt es doch immer.
Ich möchte jetzt allerdings nicht vom Thema abweichen, sondern dir nochmal bewusst machen, dass du keine Fragen stellen sollst. Befreie dich von jedweder Logik, befreie deinen Geist und lass die Worte und Symbole auf dich wirken. Wie als würdest du meditieren. Lass einfach deine Magie sprechen.

Viel Spaß wünscht dir der beste Magieweber und Schwertkämpfer überhaupt!
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1 689

15.09.2021, 17:41

Ryu

Bevor ich antworten konnte, hatte Imesha bereits die Rolle weiter aufgerollt und noch mehr Text erschien. Scheinbar hatte der Schreiber noch etwas zu sagen. Aufmerksam las ich die Zeilen, während ich gleichzeitig Imesha zuhörte. "Lass einfach deine Magie sprechen", murmelte ich leise: "Das hat mein Vater mir früher oft gesagt, als ich damals Probleme mit meiner Drachenmagie gehabt hatte." Dann sah ich Imesha an: "Schade, dass ein halber Drache für das hier wohl nicht genügen würde. Ich habe leider von alldem hier auch keine Ahnung. Aber sein Rat könnte dir helfen. Wenn ich meditiere, suche ich mir immer ein Ort aus, wo ich mich am Besten entspannen kann. Dadurch kann ich viel besser in meiner Magie hinein hören."

Ilea

Höhere Mächte....in Valaris hatten uns die Götter verlassen, ihre Stimmen waren immer leiser geworden und zur Herrschaftszeit von Kaiser Oda verstummt. Bislang hatte ich nie eine Verbindung zu den Götter spüren können, dabei konnten wir Mikos ein Medium sein. Der Botschafter von den göttlichen Wesen. Ich riss mich aus meine Gedanken, weil Cael mir noch etwas erzählen möchte. Mein Blick glitt zu dem Tagebuch, dann weiter zu dem Buch in meine Händen. "Das Schicksal führt uns", meinte ich und strich erneuert über die Zeichnung der Lotosblume: "Es scheint wichtig zu sein, dass wir wissen wer wir sind und woher wir kommen, damit wir die Geschichte von Valaris beeinflussen können."





1 690

15.09.2021, 19:10

Cael

Da stimmte ich Ilea voll und ganz zu. Bei meinen Eltern war es nicht anders gewesen. In Zeiten des Krieges hatten sie viele Veränderungen durchgemacht und neue Kräfte entdeckt. Eingesetzt zum Wohle aller. Jetzt lag es an uns, die nächste Generation, für Frieden zu sorgen. Zwar nicht in meiner Heimat, aber in dieser hier. In Valaris. Weil unsere Welten aus irgendeinem Grund miteinander verbunden waren. Ebenso ein mir unlösbares Rätsel.
Seufzend nahm ich das Tagebuch wieder in die Hand und beschloss die letzten Beiträge in einem Rutsch durchzulesen. Ich wollte endlich wissen, wie die Reise dieser Person ausgegangen war.

Es hat mich sehr, sehr viele Jahre gekostet, um an diesen Ort zu gelangen. Obwohl ich mich lange dagegen gewehrt habe, bin ich nun doch hier und lasse alles auf mich wirken. All die Dunkelheit, das Klagen, die Schatten, die mit unförmigen Gliedern nach Halt suchen. Bei mir. Weil sie wissen, dass ich ihnen ein Stück Leben geben kann. Einen Sinn für ihre verlorene Existenz. Ich bin allerdings nicht deswegen hier. Ich bin hier, um die Quelle des heranwachsenden Übels ausfindig zu machen. Es muss einen Hinweis geben. Einen unsichtbaren Weg. Doch je länger ich in dieser Welt wandele, desto schwerer wird es die Beherrschung zu wahren. Es ist ein gefährlicher Sog, dem ich mich aussetze. Wirklich gefährlich. Hier darf niemand lange verweilen, besser dieser Platz bleibt unbesucht - ein stilles Geheimnis. Eine Legende. Ein schauriges Märchen.

Imesha

>Im Palast habe ich oft meditiert, vor allem morgens und abends. Ich weiß, dass es hilft, besonders wenn der Geist in Aufruhr ist, aber ich bin mir unsicher, ob das auch hierbei helfen kann. Einen Versuch ist es trotzdem wert.< sagte ich nachdenklich. Ich überflog die Texte nochmal, suchte nach einer neuen Bedeutung zwischen den Zeilen, doch es war genau das, was der Schreiber nicht wollte. Nachdenken. Wenn das bloß so einfach wäre. Seit dem informationsreichen Gespräch mit Drasil kreisten meine Gedanken unaufhörlich. Es gab kein Halten mehr.
Stirnrunzelnd musterte ich die Symbole, durchforstete mein Gedächtnis nach irgendwelchen Anhaltspunkten, aber als auch das nichts brachte, rollte ich die Schriftrolle zusammen und sah Ryu an. >Vielleicht zeige ich dir erst das Deckengemälde und komme später nochmal darauf zurück. Ich möchte keine Verbindung erzwingen.< schlug ich vor. Mir fiel auf, dass der magische Knoten auf Ryus Stirnhöhe immer noch zwischen all den harmonischen Fäden schwebte und ich fragte mich, ob ich irgendwann doch in der Lage sein würde ihn zu lösen. Dann, wenn ich das Magieweben deutlich besser verstand und anwenden konnte.
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1 691

17.09.2021, 20:08

Ryu

Ich nickte stumm und konnte sie verstehen, warum sie jetzt es nicht versuchen konnte. Sie hatte gerade neue Entdeckungen gemacht, die auch sie betrafen und das musste Imesha erstmal verarbeiten. Da konnte der Geist noch nicht zur Ruhe kommen. Ich stand auf: "Dann lass uns die Decke anschauen. Ich bin schon ganz gespannt darauf. Selbst in meiner Welt gibt es wenige Zeichnungen von ihnen, die nah an der Wahrheit ihrer Gestalten sind. Es ist, als hätte man viele Spuren von den Drachen verwischt, damit sie auch wirklich nicht gefunden werden können." Dann hielt ich einen Moment inne, sah hinunter zu Imesha und ich konnte die Hitze in meinem Brustkorb spüren. Ich beugte mich zu ihr hinunter, küsste sie und ein wohliges Gefühl machte sich in meinem Bauch breit. Der letzte Kuss war schon viel zu lange her. Lächelnd löste ich unsere Lippen und fuhr mit der Zunge über meine Lippen, als hätte ich was Köstliches verzehrt.

Ilea

Cael versank sich wieder in dem Tagebuch und ich blätterte in dem Buch weiter. Es gab so viele Rituale, viele Zauberworte und man erfuhr auch, wie Gegenstände zu schützende Hilfsmitteln wurden, wie Talismane. Pflanzen und energieempfängliche Steine spielten da eine große Rolle. Ich erfuhr, dass viele Mikos gleichzeitig auch Heiler des körperlichen Leidens waren, denn Seele und Körper waren miteinander eng verbunden. Mangelt etwas an der Seele, so könnte es Auswirkungen auf dem Körper haben und umgekehrt war es auch nicht anders. Daher war es nicht verwunderlich, warum ich mich für Heilpflanzen interessierten und den Menschen auf diese Weise helfen wollte. Es war in meinem Wesen fest verankert.


1 692

17.09.2021, 23:41

Cael

Lange glaubte ich, alles sei bloß eine Legende, wie dieser Ort hier, aber meine Vermutung hat sich bewahrheitet. Ich habe es gefunden. Das Zentrum. Das, was die Welt im Gleichgewicht hält. Es sollte mich nicht wundern, dass es ausgerechnet in einem Meer aus Schatten verborgen liegt. Man verliert eher den Verstand, als dass man erfolgreich den Kern des Ganzen ausfindig macht. Dass ich es letztendlich geschafft habe, habe ich mir selbst, aber auch verdammt viel Glück zu verdanken. Oftmals habe ich mit dem Gedanken gespielt aufzugeben und mich von den Schatten verschlingen zu lassen. Der Kontakt zu ihnen ist ein anstrengender Balanceakt. Lebensgefährlich. Kalt. So kalt. Alles in mir fühlt fühlt taub an. Gleichzeitig durchflutet mich neue Energie, neuer Mut und Aufregung. Nach all den Jahren habe ich mein lang ersehntes Ziel erreicht. Und es ist anders, als ich es mir erträumt habe. So, so anders. Überraschend warm. Überraschend hell. Überraschend einladend. Selbst die Stille ist gemütlich. Sie ist genau das, was man nach der beschwerlichen Reise hierher braucht. Nur Ruhe. Keine Schatten mehr. Sie sind hier nicht erlaubt. Sie halten sich von diesem Platz fern und bewachen ihn trotzdem wie ein Drache seinen Schatz. Ein äußerst interessantes Konstrukt der universellen Kräfte. Ein Garten fernab jeglicher Zivilisation. Surreal wie ein Traum.

Nachdenklich runzelte ich die Stirn. Mehrmals stolperte ich über den letzten Absatz, denn irgendwie kam mir die Beschreibung bekannt vor. So als wüsste ich, wovon dieser Jemand sprach. Das Zentrum... der Mittelpunkt der Welt. Seit ein paar Einträgen war mir klar geworden, dass die Person sich in der Schattenwelt aufhielt, durch die man als Schattenmagier reisen konnte. Angenehm war es nicht, vor allem nicht für Lichttragende, aber genau so sah es dort aus. Nur Schatten. Nur Stimmen. Unwohlsein. Ob Onkel Akela vom Zentrum wusste? Er hatte nie etwas etwas in dieser Hinsicht erwähnt und mich bereits mehrmals durch diese düstere Welt geführt, um meine Schattenmagie zu trainieren. Er hätte mir hiervon erzählt, oder? Stirnrunzelnd blätterte ich weiter und stellte enttäuscht fest, dass das der letzte Eintrag war.

Imesha

Das mit den Drachen und ihrem Verschwinden schien eine wirklich komplizierte Geschichte zu sein, dass nicht einmal Drasil alle Details kannte. Sonst wäre die Schriftrolle in meiner Hand nicht das Einzige, was annähernd etwas mit diesen mystischen Wesen zu tun hatte. Vielleicht würde Ryu mehr erfahren können, immerhin hatte er es schon geschafft Kontakt zu ihnen herzustellen. Das war mehr als bemerkenswert. Es war unglaublich.
Gerade als ich aufstehen wollte, kamen mir unerwartet seine Lippen zuvor und ich erschauderte am ganzen Körper. Die gute Art von Schauder, wenn einem noch dabei bis zu den Zehenspitzen warm wurde. Ich öffnete leicht den Mund, als der Moment schnell endete und blinzelte zu Ryu hoch. Seine Küsse waren wirklich entwaffnend. Er übte diese unbeschreibliche Anziehung auf mich aus, dass ich meinem inneren Impuls nachgab, aufstand, sein Gesicht umfasste und ihn zurückküsste. Einmal von diesem süßen Gefühl gekostet, wollte ich sofort mehr davon. Da wurde das Deckengemälde zweitrangig. Ryus Lippen waren weitaus interessanter. Wärmer. Weicher. Sie verursachten dieses aufregende Kribbeln in meinem Bauch. Besonders das Bild, wie er nackt im Bett geschlafen hatte, ließ mich erröten. Warum dachte ich ausgerechnet jetzt daran?
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1 693

Gestern, 13:30

Ryu

Mir entwich ein leises Keuchen, als Imesha mein Gesicht umfasste und mich wieder küsste. Es war nicht das erstes Mal, dass sie von sich aus mich küsste und dennoch fühlte es sich jedes Mal wie das erstes Mal an. Überraschend. Berauschend. Und überwältigend. Ich schlang meine Arme um Imesha, zog sie leicht an mich und genoss das warme Gefühl in mir. Ich liebte es, wenn sie mir nahe sein wollte und ich liebte es ihr nahe sein zu dürfen. Es würde niemals genug Worte geben, um all meine Gefühle beschreiben zu können, was ich in diesem Augenblick für diese unglaubliche Frau in meine Arme empfand. Sie brannten wie ein Feuer lichterloh in meinem Brustkorb. Ich griff nach einer ihrer Hand und legte sie auf auf die Stelle, wo Imesha spüren konnte wie mein Herz nur für sie wild trommelte. "Amiya", murmelte ich rau und in diesem Kosename verbarg sich all meine Sehnsüchte.

Ilea

Ich versuchte mir so viel wie möglich die neuen Informationen einzuprägen, denn ich hatte das Gefühl, sie könnten mir von wichtigem Nutzen sein. Außerdem begann ich immer mehr meine Magie zu verstehen, wie die Zwischenwelt funktionierte und wie wichtig das weltliche Gleichgleichgewicht war. Das, was mir Caels bereits erzählt hatte, nur in anderen Worte. Dann tauchte ich immer mehr in die Zwischenwelt ein und stieß auf einem Kapitel, wo es um Shinkis ging. Sofort begann ich es zu lesen, denn ich wollte wissen, wie Roselyn und ich gemeinsam arbeiten konnten. Bislang hatten wir nur nach unserem Gefühl gehandelt und Roselyn wusste über diese Verbindung auch nicht alles. Konzentriert biss ich auf meine Unterlippe, beugte mich dabei leicht über das Buch und mein Kopf stützte sich auf meine Hände.