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07.11.2020, 18:00

Ryu

Meine Augen wanderten zu dem Mann, der tatsächlich wach war und aufrecht sitzend seine Brühe zu sich nahm. Dennoch lag in seine Augen eine tiefe Erschöpfung, die aus dem Inneren zu kommen schien. Mein Vater probierte als Erster den Saya-Stein aus und tatsächlich funktionierte es. Der Fremde verstand uns und wir konnten ihn verstehen. Valaris. Dieser Name klang geheimnisvoll, nach eine Welt voller neue Entdeckungen und ich spürte den neugierigen Abenteurer in mir regen. Ich wollte mehr über seine Welt erfahren und vor allem interessierte mich die dort lebende Tierwesen. Doch dann erinnerte ich mich, dass es hier eine ernste Situation war. Sein Auftauchen und die undichte Barriere zwischen den Welten konnten schwerwiegende Folgen für unsere Welt haben. Und dieser Mann schien nicht mehr lange Zeit zu haben. "Wie ist ihr Name?", erkundigte sich meine Mutter. "Mein Name ist Taro Qiang", antwortete er, nachdem er einen tiefen Atemzug genommen hatte. Selbst sein Name klang nicht von dieser Name und das obwohl unsere Welt sehr vielfältig war. Aber da schwang in seiner Stimme einen melodiösen Klang mit, die ich nirgendwo gehört hatte. "Wir sind Ardan und Jadis Thyell-Herondale, das sind mein Sohn Ryu und Cael Reavstone, er gehört auch zur Familie. Möchten Sie uns Ihre Geschichte erzählen? Sie scheinen eine sehr weite Reise hinter sich gehabt zu haben", sagte meine Mutter. Kurz studierte der Mann unsere Gesichter und nickte schließlich langsam. Er faltet auf seinem Schoß die Hände zusammen und wirkte plötzlich sehr ernst, dabei huschte Trauer in seinem Gesicht: "Valaris ist dem Abgrund nahe und als wir eine Schriftrolle aus einer alte Zeit entdeckten, die eine Prophezeiung innehielt, die wir zum Teils entschlüsseln konnten, erfuhren wir durch sie von der andere Welt. Nach lange Nachforschungen haben wir endlich eine Möglichkeit entdeckt einen Weg in die andere Welt zu finden und ich habe mich freiwillig als Abgesandter gemeldet. Wir erhoffen uns Hilfe von eurer Welt, denn alleine schaffen wir nicht Valaris vor den dunkle Mächte zu retten. Laut der Prophezeiung muss ich nach zwei Söhne dieser Welt suchen. Der Eine ist im Zeichen des Drachens geboren und der Andere kann in der Zwischenwelt wandeln." Er stockte und rang nach Atem. Das Sprechen strengte ihm an und wir warteten geduldig. Ich hatte gemerkt, wie meine Eltern sich leicht angespannt hatten, als er dunkle Mächte erwähnte. Selbst ich spürte die innere Anspannung, wie groß mussten diese dunkle Mächte sein, dass er in eine andere Welt gehen musste, um Hilfe zu bitten? Viele Fragen brannten auf meiner Zunge und ich sah in seinem Gesicht, dass er noch nicht fertig mit dem Erzählen war.


22

07.11.2020, 22:54

Cael

Aufmerksam hörte ich dem Mann namens Taro zu. Seltsamer Name. Ganz bestimmt nicht von dieser Welt. Passte zu seiner Geschichte und dem Ort, aus dem er kam: Valaris. Ein schöner Klang. Mir fiel auch auf, dass Taro irgendwie anders sprach. Der Rhythmus, die Melodie des Gesagten war einfach... neu. Dann aber wurde ich stutzig, als er von einer Prophezeiung sprach, in der zwei Söhne erwähnt wurden, die zu Ryu und mir passten. Drache und Zwischenwelt. Das konnte kein Zufall sein. Es musste sich zwar nicht alles um mich drehen, auch wenn ich gerne mal im Mittelpunkt stand, aber diese Beschreibung... Ich sah zu meinem besten Freund. Ob er dasselbe dachte? Und wieso wurde prophezeit, dass ausgerechnet zwei Leute einer ganzen Welt helfen könnten, wenn dunkle Mächte im Spiel waren? Zur Zeit unserer Eltern hatte man ein Heer gebraucht, um unsere Welt zu retten. Und mächtige Wesen wie die Animagi. Vereinte Kräfte.
Die Enge in meiner Brust nahm zu und eine Schwere legte sich auf meine Schulter. Irgendwie fühlte ich mich jetzt schon für sein Land verantwortlich, obwohl ich es nicht mal zu Gesicht bekommen hatte. Ich hatte verdammt viele Fragen. Zu viele, als dass ich sie jetzt stellen könnte. Er hatte nicht alle Zeit der Welt. Leider.
>Den Rest der Prophezeiung konnten wir leider nicht entschlüsseln. Er ist in einer Sprache verfasst, die wir nicht verstehen. Ein Teil davon ist sogar verschollen.< Ein Husten schüttelte ihn. Die ersten Anzeichen, dass sein Körper langsam den Geist aufgab. Er seufzte schwer. >Valaris wird nur von einem Kaiser regiert. Magie ist überall verboten. Man darf sie unter keinen Umständen ausüben, denn im schlimmsten Fall kann es zum Tod führen. Selbst wenn das Land von dämonischen Kreaturen gestürmt wird. In letzter Zeit zu häufig. Viele Menschen haben bereits ihr Leben verloren. Der Kaiser unternimmt zwar viel dagegen, aber sein Volk leidet trotzdem... wir sind dem Untergang geweiht.< Wieder hustete er. Diesmal verkrampfte er sich sogar und Ryus Mutter eilte ihm sofort zu Hilfe. Sie reichte ihm einen Becher mit Medizin, vermutete ich. Er nahm ein paar Schlucke und beruhigte sich ein wenig. Dann holte er wieder tief Luft.
>Das muss wohl an meiner Anwesenheit in dieser Welt liegen... Mir war klar, dass es ein Risiko ist hier zu sein. Unsere Welten... sie scheinen... eine gemeinsame Geschichte zu haben. Mehr wissen wir leider nicht. Alles, was ich weiß und worum ich bitte, ist... bitte helft uns. Unsere Welt... sie ist es gerettet zu werden.<
Hoffnungsvoll blickte er auf. Ich schluckte schwer.
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23

08.11.2020, 09:31

Ryu

Ich glaubte nicht an Zufälle, ich konnte es beinahe sehen, wie das Schicksal seine Fäden miteinander verknüpfte. Etwas, vielleicht eine höhere Macht oder ein unbewusster Instinkt, hatte Taro nach Ingluae gebracht. Ich hatte bereits schon im Gefühl, dass er nicht zufällig in meiner Heimat gestrandet war, wo auf seine Reise ihm bestimmt viele Möglichkeiten gegeben wurde früher in anderen Gebieten Hilfe zu finden. Er war hier, weil er wegen einer nicht ganz entschlüsselte Prophezeiung zu uns wollte. Zu Cael und zu mir. Es gab keinen anderen menschlichen Sohn, der in der Zwischenwelt wandeln konnte. Das dritte Auge war etwas Seltenes und konnte nur in der Familie weitervererbt werden. Und auf meinem Rücken war das Zeichen des Drachen, die ich von unserem heiligen Baum erhielt, wie mein Vater Seines von ihm erhalten hatte. Doch anders als bei ihm war es keine traditionelle, schmerzhafte Prüfung gewesen, ob man als König würdig war. Es war ein Segen von Sakrazhue gewesen, als meine Eltern mich nach meiner Geburt ihm vorstellten, wie es die Tradition war. Da erhielt ich auch meinen Namen Ryu, was Drache bedeutete. Meine Geschwister nach mir bekamen bei ihrer Begrüßungszeremonie kein solchen Segen des heiligen Baumes. Ich war der Sohn, der im Zeichen des Drachens geboren wurde. Ich bemerkte den Blick meines besten Freundes, auch ihm wurde die Bedeutung klar. Selbst in den Gesichter meiner Eltern konnte ich es erkennen, denn aus ihren Erfahrungen wussten sie wie die Zeichen zu deuten waren. Dieser Kaiser schien sowas wie ein König zu sein, aber anders als bei uns gab es offensichtlich nur ein Königreich und nur sein Wort war das Gesetz. Der Zustand von Taro begann sich zu verschlechtern und ich war mir nicht sicher, ob die Medizin überhaupt ihm weiterhalf. Aber so war meine Mutter, sie gab niemals schnell auf. Solange er noch atmete, würde sie um sein Leben kämpfen, selbst wenn das Schicksal längst sich über ihn entschieden hatte. Ich horchte auf, unsere Welten hatten einst gemeinsame Geschichten geteilt? Darüber gab es keine Aufzeichnungen und diese Geschichte musste sehr alt sein. Hoffnung schimmerte in seine matte Augen, als Taro erneuert um Hilfe bat. Schwer schluckte ich und spürte bereits die schwere Bürde. "Bitte", flüsterte er, denn seine Stimme wurde schwächer: "Es gab eine Zeit, in der Valaris geblüht hatte, als noch der alte Kaiser lebte. In dieser Zeit war die Welt in Einklang mit all seinen Bewohnern und die Magie selbst konnte sich frei entfalten. Schon damals gab es die dunklen Dämonen, aber nicht im Übermaß wie jetzt. Ich konnte diese Zeit noch erleben...." Erschöpft sank er in den Kissen zurück. Ich sah Cael an. Dieser Mann kämpfte für sein Volk und gab dafür sein Leben her. Wir konnten nicht einfach seine Bitte ignorieren und so tun, als ginge es uns nichts an. Ich wusste nicht, was für Folgen es haben würden, wenn wir uns in der andere Welt einmischten, aber ich konnte nicht tatenlos zusehen, wie eine Welt hoffnungslos zugrunde ging. Meine Eltern hatten mir beigebracht, dass es wichtig war für die Schwächeren, die sich nicht wehren konnten, zu kämpfen und ihnen in schwerer Zeit beizustehen. Sie hatten damals für unsere Welt gekämpft, als eine Dunkelheit drohte unsere Welt zu zerstören. Zudem konnte die Gefahren in Valaris auch eine Gefahr für unsere Welt bedeuten, aufgrund einer undichte Barriere zwischen den Welten. Unsere Welt sollte kein zweites Mal ein großes Leid erfahren. Entschlossen trat ich ans Bett und legte meine Hand auf den Arm von Taro: "Ich wurde im Zeichen des Drachens geboren und ich tue mein Bestmöglichste, um Valaris zu helfen."


24

08.11.2020, 13:25

Cael

Das war eine große Aufgabe, die uns dieser Mann übertrug. Wir glaubten ihm auf Anhieb, auch wenn es Gründe geben könnte, warum man ihm misstrauen sollte. Doch sein Zustand, sein Geist... Er sprach die Wahrheit und er bat uns inständig um Hilfe. Sein letzter Wille. Wir konnten das nicht einfach ignorieren. Wir mussten etwas tun. Das alles war kein Zufall. Zufälle gab es nicht. Jedenfalls nicht in unserer Welt. Und auch nicht in Hana'yei.
Ich legte eine Hand in meinen Nacken und massierte die dort gesammelte Spannung weg. Taro lag wieder in den Kissen, entkräftet und unendlich erschöpft. Sein Geist flackerte mehr denn je. Er würde noch heute sterben, so viel stand fest. Ryu versicherte ihm, dass sein Opfer nicht umsonst war und dass wir Valaris helfen würden. Ich sprach es nicht laut aus, aber... Ich hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache. Trotz meiner Abenteuerlust und meines Kindheitswunsches mal als Held gefeiert zu werden wie meine Eltern.
Der König trat ans Bett und sah den Mann ernst an. >Hier ist es sicher. Ruhen Sie sich aus. Wenn das, was Sie sagen, wahr ist, dann... dann werden wir etwas tun.< Er sah zuerst seinen Sohn, dann mich an. Seiner Frau bedeutete er noch bei Taro zu bleiben, uns allerdings wollte er wo anders sprechen. Da war wieder das ungute Gefühl in mir. Ivoli blieb ebenfalls im Krankenzimmer zurück, als wir hinaus auf den Flur traten und Ryus Vater in einen anderen Raum begleiteten. Sobald sich die Türen schlossen, drehte er sich mit vor der Brust verschränkten Armen zu uns und setzte einen sehr ernsten Gesichtsausdruck auf. Mehr wie ein Vater als ein König, jedoch nicht weniger autoritär. >Ich weiß, was euch durch den Kopf geht. Auch, dass die Prophezeiung auf euch beide zutrifft. Gerade das bereitet mir große Sorge, denn so toll Prophezeiungen für einen klingen mögen, sie beinhalten viel Schmerz. Verlust. Dunkelheit. Ihr kennt die Geschichte unserer Familie.< Er seufzte tief. >Ihr seid in einer besseren Welt aufgewachsen. Ihr musstet nie töten, nie zusehen, wie Menschen auf dem Schlachtfeld ihr Leben lassen. Ihr musstet bislang nie mit dem Gefühl zurechtkommen nicht stark genug zu sein etwas zu verändern, was euch immens wichtig ist. Wenn Taros Beschreibung seiner Welt wirklich eins zu eins passt, ist es dort sehr gefährlich. Dämonen sind Kreaturen, gegen die ihr nie kämpfen musstet. Ihr habt zwar hart an eurer Fitness und eurer Magie gearbeitet, aber es ist immer etwas anderes, wenn man sie für solche Zwecke verwenden muss.<
Auch wenn sich in mir der Trotz regte, das starke Bedürfnis mich beweisen zu müssen, begriff ich seine Sorge. Mein eigener Vater würde sehr wahrscheinlich genau denselben Vortrag halten. Ich selbst war noch ganz überwältigt von meiner Erwähnung in einer uralten Prophezeiung. Was hatten die Mächte der anderen Welt bloß mit uns zu tun? Warum ausgerechnet Ryu und ich?
>Euch wurde von klein auf beigebracht für die Schwächeren einzustehen und ihnen zu helfen, doch für eine Aufgabe wie diese braucht man mehr als bloß Muskeln und Magie.< fuhr der König ruhig fort. >Ihr beide, allein in einer fremden Welt... Das ist ein zu großes Risiko. Ich spreche im Namen aller Eltern, dass das viel zu gefährlich ist. Vor allem in einer Welt, in der Magie verboten und sogar mit dem Tode bestraft wird. Das kenne nicht einmal ich. Ohne Magie leben...<
Er sah uns beide abwechselnd an. >Überlegt euch gut, was ihr in dieser Situation unternehmen und wie ihr es anstellen wollt. Wir werden das als Familie besprechen.<
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25

08.11.2020, 15:43

Ryu

Ich kannte den Blick meines Vaters und wir folgten ihn in einem anderen Raum, innerlich bereitete ich mich auf seinen Vortrag vor. Es war nicht nur der König, der aus ihm sprach, sondern auch ein Vater. Er mochte Recht haben und ich verstand auch seine Sorge, dennoch wünschte ich mir, er hätte mehr Vertrauen in mir. Ich war kein kleines Kind mehr, ich war zu einem Mann herangereift und musste eigene Entscheidungen treffen. Vor allem war ich auch der Prinz von Ingluae. "Die Gefahren in seiner Welt, können vielleicht auch unsere eigene Welt gefährden. Wie du bereits erwähnt hast, ist es nicht gut, dass es eine undichte Barriere zwischen den Welten existiert. Um die Ursache zu verstehen, muss man zu dem Ursprung gehen und der scheint in Valaris zu sein. Dieser Mann hat sein Leben auf dem Spiel gesetzt, um für sein Volk Hilfe zu suchen und das kann ich nicht ignorieren. Ich nehme die Gefahren nicht auf die leichte Schulter, falls du das glaubst. Mir ist durchaus bewusst, dass es uns viel abverlangen wird. Ich habe Taro mein Wort gegeben und werde ihn nicht brechen." Etwas flammte in meinem Brustkorb auf, es war ein neuartiges Gefühl. Es war als würde das Herz eines Kämpfer aus seinem tiefen Schlaf erwachen und einen Moment glaubte ich ein Ziehen im Rücken zu spüren, als würde sich mein Tattoo regen. Ich sah Cael an: "Du weiß, dass ich dich niemals zu etwas zwingen werde. Ich respektiere deine Entscheidung, egal wie sie ausfällt." Er sollte sich nicht verpflichtet fühlen mich zu begleiten, wenn er sich der Sache nicht sicher war. Diese unbekannte Reise würde alles Anderes sein, was wir bisher erlebt hatten.


26

08.11.2020, 17:06

Cael

Ich dachte über all das nach, was uns bevorstehen könnte und fühlte mich hin- und hergerissen. Natürlich wollte ich Tora und seiner Heimat helfen, aber das Wie war mir viel zu ungewiss. Ich wollte nicht mein Leben aufs Spiel setzen für eine Welt, die ich nicht kannte. Deshalb wies ich den letzten Willen des Mannes nicht gleich ab, weil ich mir erst ein eigenes Bild davon machen wollte, warum Valaris dem Untergang geweiht war und ob die Auswirkungen auf unsere Welt wirklich so groß sein könnten. Außerdem musste ich in Erfahrung bringen, ob unsere Welten tatsächlich eine gemeinsame Geschichte teilten.
Ryu war Feuer und Flamme für diese Mission und ich wusste, dass er nicht dieselbe Hingabe von mir erwartete. Das hatte ich schon immer an ihm zu schätzen gewusst. Er setzte einen nie unter Druck, obwohl er selbst ein Prinz war und später ein großes Königreich regieren würde. Ich hingegen war... frei.
Langsam schüttelte ich den Kopf. >Ich lass dich das nicht alleine machen. Wenn von uns beiden die Rede ist, renne ich nicht davon. Ich will mir das ansehen und dabei helfen die Balance wiederherzustellen. Das ist sowieso meine oberste Aufgabe. Das Gleichgewicht zwischen den Welten.< sagte ich entschlossen, woraufhin sein Vater einen gedehnten Seufzer von sich gab. >Ihr beide... uns war von Anfang an klar, dass euch Großes erwartet, aber in diesem Ausmaß...< Er schmunzelte. >Der Apfel fällt wohl nicht weit vom Stamm. Ihr seid erwachsen, ja, ihr dürft selbst entscheiden, was ihr aus eurem Leben machen wollt, aber bedenkt immer die Konsequenzen eurer Handlungen. Was dich betrifft, Ryu...< Jetzt schlug er wieder den Tonfall eines Vaters an. >Dich lasse ich erst in diese Welt, wenn dich die Animagi dafür ausgebildet haben. Nicht die Art von Ausbildung, die du bislang erhalten hast, sondern eine, die dich an deine Grenzen und zur Verzweiflung bringt. Wenn du es schaffst Animagi die Stirn zu bieten, bin ich überzeugt, dass du diese Mission erledigen kannst. Das ist meine einzige Bedingung. Und du, Cael... du musst mit deinen Eltern darüber reden.<
Das war mir mehr als bewusst. Hoffentlich nahmen sie die Neuigkeiten nicht allzu schwer auf.
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27

08.11.2020, 19:10

Ryu

Ich nickte zu Cael, ich wollte mir als erstes auch einen Überblick über die Lage verschaffen. Kopflos in eine fremde Welt zu stürzen war nicht mein Plan gewesen, für eine solche Reise musste man sich möglichst gut vorbereiten. Sie würde völlig anders sein als meine kleinen Entdeckungsreisen in den letzten Jahren. Ich sah mein Vater wieder an und als er die Bedienung aufstellte, schmeckte ich was Bitteres in meinem Mund. "Ich bin in meinem Arbeitszimmer", antwortete ich beherrscht, obwohl in mir das Feuer brodelte und ohne das ein weiteres Wort in dem Raum fallen konnte, verließ ich ruckartig den Raum. Es gab Momente, wo ich mich fragte ob es einfacher wäre, wenn mein Vater kein König wäre und ich nicht das Gefühl habe ihm dauernd von meine Fähigkeiten beweisen zu müssen. Und es gab Momente, wo das Schloss mich einengte. In solche Momente ging ich auf meine Reisen und erforschte die Tierwesen. In meinem Zimmer angekommen, raufte ich mir zuerst das Haar und Egon sprang von mir hinunter, um mich aus seine großen Kulleraugen anzusehen. "Er hat absolut kein Vertrauen in meine Fähigkeiten!", machte ich Luft und stampfte in das Nebenzimmer: "Er weiß ganz genau, dass ich bis jetzt nicht in einem Duell mit Silia gewonnen habe. Nur weil ich bislang kein Animagi in einem Duell besiegt habe, heißt es doch lange nicht, dass ich nicht in der Lage wäre mich behaupten zu können." Energisch zog ich eine Schublade meines Schreibtisch heraus und holte ein leeres Blatt Papier. Dann griff ich nach meiner Feder und drückte einen Tick zu doll auf, sodass überall dunkelblaue Tinte spritzte. Verärgert schnalzte ich mit der Zunge und begann eine Liste für die Reisevorbereitung zu erstellen.


28

08.11.2020, 19:36

Cael

Tja, das Gespräch hätte besser laufen können. Es war dieselbe elterliche Sorge, wie es bei Ryus Eltern der Fall war. Ich hatte sofort gemerkt, dass ihm die Bedingung seines Vaters bitter geschmeckt hatte. An seiner Stelle hätte ich genauso reagiert. Meine Schwestern waren ebenfalls besorgt, aber sie standen hinter mir und hatten sogar vorgeschlagen uns zu begleiten. Was ich natürlich nie zulassen würde, weil sie keinerlei Magie ausüben konnten und auch nicht das Kämpfen erlernt hatten wie ich. Vielleicht verstand ich gerade deshalb, warum meine Eltern mich nicht gehen lassen wollten. Aber sie würden sich mir gleichzeitig nicht in den Weg stellen. Ich war erwachsen. Nur ich wählte meinen Weg. Niemand anderes.
Trotzdem sah ich ein, dass ich mich auf die Reise gut vorbereiten musste. Und damit war nicht das Proviant gemeint. Ich musste von Taro mehr über sein Volk in Erfahrung bringen. Die Sitten, Bräuche und Gesellschaftsschichten. Andernfalls könnte sich schnell herausstellen, dass Ryu und ich Fremde waren.
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29

08.11.2020, 19:56

Ryu

Langsam beruhigte ich mich bei meiner Schreibtätigkeit und das Feuer brodelte nicht mehr heiß in meinem Magen. Nach eine Weile war das Papier in Stichworten voll geschrieben und jetzt musste die Liste abgearbeitet werden. Das würde seine Zeit brauchen. "Lass uns nach Cael suchen", sagte ich zu meinem Gefährten und nahm die Liste in die Hand. Egon schaute schwanzwedelnd auf, mittlerweile hatte er wieder seine übliche Hautfarbe angenommen. Ich musste nicht lange nach meinem besten Freunden suchen. Er war in dem Gang, wo sich auch das Krankenzimmer befand. "He", begrüßte ich ihn und fuhr mit der Hand über den Nacken: "Es tut mir leid, dass ich dich vorhin einfach zurückgelassen habe. Hast du mittlerweile schon deine Familie kontaktiert?"


30

08.11.2020, 20:31

Cael

Ich rieb mir den Nacken und fühlte den Stress in meinen Muskeln. Diese Situation machte mich ganz unruhig. Es gab Momente, da wollte ich mit strahlender Rüstung die Menschen in Not retten und dann bekam ich wieder Zweifel, ob ich dazu in der Lage war. Ich kannte meine Stärken. Kannte auch die Schwächen. Mein Ego wollte allen und mir selbst beweisen, dass ich Großes bewirken konnte. Dass ich für genau diese Mission geboren worden war, anstatt ein "normales" Leben zu führen. Ich war einfach... verwirrt.
Ivoli saß inzwischen auf meinem Kopf und wedelte mit dem Schwanz, an dessen Ende die Knospe sanft leuchtete. Er hatte leider keinen Rat für mich auf Lager. So oder so begleitete er mich überallhin. >Wir kriegen das schon hin.< murmelte ich ihm zu.
Als ich das Krankenzimmer erreichte, kreuzten sich Ryus und mein Weg. Er wirkte wieder gefasst und wollte anscheinend ebenfalls zu Taro. >Dafür musst du dich nicht entschuldigen. Eltern bleiben Eltern und wir ihre Kinder. Ich habe mit meinen gesprochen und sie sind natürlich nicht begeistert davon. Sie wissen aus erster Hand, wie gefährlich das ist. Mir ist auch nicht wohl dabei, aber die Fähigkeiten, die ich besitze, habe ich aus einem bestimmten Grund. Das ist meine Chance herauszufinden, ob Valaris dieser Grund ist.< erwiderte ich ernst.
Ich sah zur geschlossenen Tür. >Deshalb möchte ich mit Taro sprechen. Mehr über seine Welt erfahren, bevor wir blindlings hineinstolpern. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Wir tasten uns voran, oder?<
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31

08.11.2020, 21:11

Ryu

Ich konnte ihn verstehen, dass die ganze Sache ihm nicht geheuer war. Außen hin mochte ich gelassen wirken, doch ich spürte auch die Last der überwältigende Aufgabe. Es konnte viel schief gehen, dennoch blieb ich bei meiner Entscheidung. Da war dieser Drang in mir diesen Weg gehen zu müssen. "Schon möglich, dass diese Reise unser Schicksal ist", fügte ich hinzu und antwortete: "Ja, es wäre verrückt einfach kopflos in die andere Welt zu stürzen. Das wäre so, als würde ich einfach eine ungezähmte Schlange streicheln, ohne dabei in Erfahrung zu bringen ob sie giftig ist und wie sie sich verhält. Bei eine solche unbedachte Vorgehensweise könnte ihr Biss vielleicht tödlich sein, wenn sie sich bedrängt fühlt. Ah, ich habe übrigens eine Liste für unsere Vorbereitung erstellt. Wir haben Einiges zu tun, bevor wir uns in die unbekannte Welt aufmachen und je mehr Taro uns über seine Welt erzählen kann, desto einfacher werden vielleicht auch die Vorbereitungen sein, weil man besser weiß, was man braucht."


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08.11.2020, 21:23

Cael

Ryu hatte sich ebenfalls viele Gedanken zur Mission gemacht. In dieser Hinsicht tickten wir beide gleich. Hier und da mochten wir manchmal kopflos handeln, aber nur wenn es um ungefährliche Aktionen ging. Das hier war selbst für uns eine Nummer zu groß. Nichtsdestotrotz ließen wir uns davon nicht abschrecken. Etwas Großes hatte sich in Bewegung gesetzt und wir waren scheinbar wichtige Bestandteile davon. Meine Neugier kitzelte mich schon seit Stunden. Ich wollte endlich mehr erfahren. Mehr Informationen sammeln.
>Dann sind wir einer Meinung.< nickte ich meinem besten Freund zu, ehe wir das Zimmer nach kurzem Klopfen betraten. Tora lag im Bett. Sein Zustand hatte sich merklich verschlechtert. Er wirkte blasser als zuvor. Kränklicher. Sein Geist... An einigen Stellen hatte sich dieser schon vom Körper gelöst und zersetzte sich. Ein schreckliches Schicksal. Eines, das mich tief berührte. Ich räusperte mich, damit wir ihn nicht erschreckten und als er seinen trüben Blick auf uns richtete, spürte ich wieder diese Enge in meiner Brust. Ich wollte ihm helfen, ihn retten, aber ich konnte es nicht. Das war genau das, wovon uns Ryus Vater gewarnt hatte. Das Gefühl der Machtlosigkeit.
Ich atmete tief durch und setzte mich ans Ende des Bettes. >Tut mir leid, wenn wir Sie wieder stören, aber... Wir haben Fragen. Zu Valaris und wie das Leben dort aussieht. Wenn Ryu und ich wirklich dazu bestimmt sind, diese Welt zu besuchen, wollen wir vorbereitet sein. Ist es vielleicht möglich uns noch mehr darüber zu erzählen?<
Es dauerte einen Moment, bis Tora sich sammelte und langsam nickte. >Ja... ich kann... etwas mehr erzählen.<
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33

08.11.2020, 22:05

Ryu

Meine Eltern schienen nicht im Raum zu sein, was mich kurz aufatmen ließ. Ich liebte meine Eltern, keine Frage, aber jetzt wären mir ihre Sorgen hinderlich. Taros Zustand hatte sich nach ein paar Stunden wieder verschlechtert, selbst ich ahnte, dass seinen Tod nicht mehr lange hinausgezögert werden konnte. Kurz huschten meine Augen zu Cael. Was er in diesem Moment wohl gerade in dem Mann sah? Er hatte mir oft versucht zu erklären, wie er die Welt sah, wenn er sein drittes Auge benutzte. Ich konzentrierte mich wieder auf Taro, man konnte sehen, dass das Reden ihn enorm anstrengte. Wenn wir es gekonnt hätten, hätten wir ihn mit unseren Fragen in Ruhe gelassen. Aber leider brauchten wir die Informationen und er war unsere einzige Quelle. Ich war ihm dankbar, dass er bereit war unsere Fragen zu beantworten, obwohl ihm nicht gut ging. Ich holte mir einen Stuhl und setzte mich nah an seinem Bett heran, damit er wenigsten nicht laut sprechen musste. "Ihr seid Jemand, der anscheinend die Magie beherrschen kann. Wie werden die Personen genannt, die Magie beherrschen können? Und wie zeigt sich eure Magie?", stellte ich meine ersten Fragen. Es dauerte ein paar Sekunden bis er antworten konnte: "Wir nennen uns Magi. Wir sind fähig die elementare Magie zu erlernen, natürlich zeigen wir in den Elementen unterschiedliche Stärken und Schwächen, je nachdem wie sehr wir mit einem Element harmonieren. Es kommt besonders auf die Kraft unseres Körpers und Geistes an. Dann besitzt jeder Magi eine besondere Fähigkeit, wodurch wir uns untereinander unterscheiden. Wir können gar eine Tiergestalt annehmen. Die Künste der Magie ist vielseitig, so wie unser Empfang für die Magie. Und dann gibt es noch die Mikos, sie sind ähnlich wie Ihr, Cael. Auch sie dürfen ihre wahre Kräfte nicht zeigen, anders als die einfachen Schamanen. Ihre spirituelle Kräften sind nicht groß, wie die einer Miko und sie sind auch nicht mit der Zwischenwelt so eng verbunden."


34

08.11.2020, 22:19

Cael

Interessiert hörte ich zu, als Taro schwach zu sprechen begann. Es bedeutete uns viel, dass er sich trotz seines Zustandes die Zeit nahm, um uns bestmöglich auf seine Welt vorzubereiten. Uns war es wichtig zu wissen, auf was wir uns einließen und es erstaunte mich, wie ähnlich unsere Welten waren. Auch hier konnte man elementare Magie erlernen, das eine Element besser als das andere. Besondere Fähigkeiten gab es zudem auch. Ryu und ich waren die perfekten Beispiele. Allerdings überraschte er mich mit der Rolle der Mikos. Leute wie ich. Das musste ich erst einmal sacken lassen. In dieser Welt war ich völlig allein mit meinem Dritten Auge. Klar, meine Mutter wusste am besten, wie es funktionierte, aber sie verlor mehr und mehr den Bezug dazu, während meine spezielle Magie stetig stärker wurde. Als würde sich ihr Drittes Auge mit meinem vermischen. Ich spürte ein Kribbeln im Nacken, als ich mir vorstellte diese Mikos persönlich kennenzulernen. Wie sahen sie wohl die Welt? So wie ich?
>Warum darf Magie nicht ausgeübt werden?< Diese Frage hatte mich am meisten beschäftigt. Taro wurde still, Schatten huschten über sein Gesicht. >Es begann zu der Zeit, als der neue Kaiser das Reich übernahm. Er sieht die Magie als Grund für Unruhen an. Es lockt die Dämonen und Geister in unsere Dörfer und Städte, meint er. Deshalb auch der Zuwachs der meist tödlichen Überfälle. Wer Magie ausübt, lockt wissentlich das Böse an.< Seine Stimme war ganz rau vom Sprechen, trotzdem gab er sich Mühe weiterzusprechen. >Nicht jeder denkt so. Darum... darum gibt es einen Ort, an dem Magie erlaubt ist. Eine Stadt, fortschrittlicher als der Rest des Reiches und nur für Magi zugänglich. Niemand weiß, wo genau diese Stadt liegt, aber sie gibt vielen von uns Hoffnung. Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Allerdings hat sich in den letzten Jahren kaum etwas verändert und wir brauchen Hilfe.<
Eine Stadt fortschrittlicher als der Rest... interessant. Das klang nach einem Ort, den Ryu und ich auf jeden Fall aufsuchen mussten. Für mich war es zudem nicht nachvollziehbar, warum der Kaiser der Meinung war, Magie würde das Böse anlocken. Das stimmte ganz und gar nicht. Magie war wichtig. Sonst gäbe es weder Magi noch Mikos oder diese Schamanen. Alles hatte seine berechtigte Existenz. Selbst Dämonen. Immerhin war Ryus Vater ein halber Dämon und in ihm selbst floss das Blut eines Drachen. Trotzdem war er nicht böse und kein schlechter Mensch.
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35

08.11.2020, 22:51

Ryu

Als er über die Magie aus seiner Welt erzählte, hörte es sich gar nicht fremd an. Ich entdeckte Parallelen zu der Magie aus unsere Welt. Bis auf die Namen schienen wir uns nicht gänzlich zu unterscheiden. Aber interessant war es, dass es in seiner Welt mehrere Personen gab, die sich Miko nannten, wie Cael waren. Kurz huschte mein Blick zu ihm, ob wir vielleicht auf einer seiner Gleichgesinnten treffen würden? Ich wünschte es für ihn, denn ich glaubte, das würde ihm viel bedeuten. Jetzt wurde das Thema ernster, als Cael nach dem Grund des Verbotes fragte. Ich runzelte mit der Stirn, wie kam der Kaiser auf eine solche Vermutung? Magie konnte man nicht als gut oder böse bezeichnen. Es war viel komplexer. Außerdem lag es meist am Lebewesen, wie er die Magie verarbeitete und sie nutzte. Als Taro von einer fortschrittliche Stadt, die im Verborgene lag, erwähnte, horchte ich auf. Das klang sehr interessant. Diesen Ort mussten Cael und ich aufsuchen. Vielleicht gab auch dort Lösungen, wie wir Valaris helfen konnten. Taro griff mit einer zittrige Hand nach einem Becher mit Wasser und trank beinahe es in einem Zug aus. Wir gaben ihm kurz die Atempause, die er brauchte und dann begann ich die nächste Frage zu formulieren: "Wie heißt eurer Volk? Und wo ist Eurer Kaiser?" "Wir nennen uns Valarier und der Kaiser befindet sich in der Kaiserstadt. Es gibt um die Kaiserstadt herum viele Dörfer und weiter entfernt nur wenige Städte. Die Kaiserstadt ist auch die Größte", antwortete er. "Und ihr habt nur einen Kaiser?", hakte ich nach. "Ja, Valaris ist ein Kaiserreich und die Stimme des Kaisers ist Gesetz." "Wie kann er eine ganze Welt regieren?", runzelte ich die Stirn. "Er hat seine Generäle, sie sind in den Städte verteilt. Dann gibt es noch seine Krieger, die überall verstreut sind."

Gehe offline, gute Nacht:)


36

08.11.2020, 23:11

Nachti *_*

Cael

Ein einziger Kaiser. Sein Wort, ein Gesetz. Das klang... falsch. Selbst hier gab es verschiedene Reiche mit ihren eigenen Königen, die miteinander Vereinbarungen getroffen hatten, um den Frieden zu wahren. Einheit in der Vielfalt. So funktionierte es besser, weil dadurch die Kulturen erhalten blieben, die sonst verlorengehen könnten. In Valaris gab es somit nur eine einzige Kultur. Das machte es uns einfacher uns anzupassen, denn dann mussten wir uns nicht zu viele Sitten und Gebräuche merken. Die Sprache würden wir mit unseren Saya-Steinen erlernen, ohne dass es jemand merkte. Ich war mir sicher, dass es selbst in Valaris Leute gab, die ihre Magie verschleierten. Daran führte kein Weg vorbei. Man sollte sich entfalten dürfen.
>Ist es möglich mit dem Kaiser direkt zu sprechen?< fragte ich weiter, woraufhin Taro ein leises Schnauben von sich gab. >Man muss um eine Audienz bitten. Das kann manchmal Monate dauern, bis man an die Reihe kommt. Er ist ein vielbeschäftigter Mann. Niemand weiß so richtig, wie er tickt. Er tut zwar viel für sein Volk, besonders was unsere Sicherheit betrifft, aber viele sind trotzdem arm und hungern. Andere verlieren ihre Liebsten wegen ihrer Magie... Valaris gerät ins Ungleichgewicht, aber alle fühlen sich machtlos. Kaiser Oda ist... unerreichbar.<
Das klang nach einem sehr komplizierten Mann, der entweder absichtlich mit harten Maßnahmen regierte oder jemand anderes kontrollierte sein Handeln. Alles war möglich. >Wem können wir dort vertrauen? Sollen wir jemanden suchen? Irgendeine Gruppe?<
Als Taro antworten wollte, schüttelte ihn ein heftiger Husten, dass sein Oberkörper sich total verkrampfte. Ich wollte ihm helfen, wusste aber nicht wie. Erst recht nicht, als ich das Blut in seiner Hand sah, als er sie vom Mund nahm. Er wurde blasser. >Ihr könnt den Magi vertrauen, die an das Gute unserer Magie glauben. Leute, die die geheime Stadt kennen oder aufsuchen möchten. Das sind gute Menschen. Sie gibt es überall. Halten sich verdeckt, weil es so sicherer ist. Aber seid vorsichtig, wenn ihr an die Rebellen gerät. Sie haben zwar gute Absichten, doch nicht alle handeln nach den richtigen Maßstäben.< Ich reichte ihm ein Tuch, damit er seine Hand sauber wischen konnte. Selbst das kostete ihn viel Kraft und er lehnte sich zurück in die Kissen. Atmete schwer aus. >Am wichtigsten ist es, euch von den Leuten fernzuhalten, die für den Kaiser arbeiten. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen, aber die meisten sind in Dinge verwickelt, die wir nicht wissen. Geheimnisse, die gefährlich sind.< Seine Augen schlossen sich. >Ich habe nicht mehr... viel Zeit.<
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37

09.11.2020, 08:16

Ryu

Ich konnte mir nicht vorstellen, wie eine solche Herrschaftsform funktionieren sollte. Kein Wunder, dass die Menschen dort sich machtlos fühlten, wenn ihre Stimmen nicht zählten. Dabei war es wichtig, dass das Volk gehört wurde. Der Kaiser war mir definitiv nicht sympathisch und jetzt verstand ich immer mehr, warum Valaris in Ungleichgewicht war. Man musste dringend den Kaiser zur Besinnung bringen, dass es mit seiner Regierungsform nicht so weiterging. Irgendwann wenn das Volk zu sehr unter seiner Macht litt, würden ihre Stimmen laut werden und ihr Unmut könnte verheerende Folgen auslösen. Bei dem nächsten Hustenanfall von Taro war Blut in seiner Hand zu sehen und ich schluckte schwer. Es war ungerecht, dass ein Mann, der alles auf sich nahm, um Valaris zu retten, sterben musste. Aufmerksam hörte ich ihm weiter zu. Ich glaubte es würde nicht zu schwer sein herauszufinden, wer ein Magi war, trotz Verschleierungskunst. Cael und ich wurden von den Besten unterrichtet. Ich runzelte leicht mit der Stirn, es gab bereits schon eine Rebellion und aus den Geschichten wusste ich, dass es manchmal noch mehr zu Schaden führen konnte, wenn sie ihr eigentliches Ziel aus den Augen verloren. Wenn der Hass und das Gefühl von Unterdrückung zu groß waren. Wenn Gewalt für sie die einzige Lösung war ihre Freiheit wiederzuerlangen und für sie keine Kompromisse gab. Da würde es nicht einfach sein, die gutgesinnten Rebellen zu erkennen. Menschen konnten immer wieder ihre Meinung ändern. Ich nickte, es war mir schon durch den Kopf gegangen möglichst sich von den Leuten von den Kaiser fernzuhalten, damit sie uns nicht aufhalten konnten. Ich fuhr mit der Hand durch das Haar und ich wünschte man könnte Taros Leiden mildern. Auf diese Art auf seinen Tod zu warten, musste qualvoll sein. Es gab noch so viele Fragen, doch nach den Antworten mussten wir selbst suchen. Daher wählte ich für mich noch die wichtigsten Fragen: „Wie kommen wir nach Valaris? Und können wir Jemanden etwas von Ihnen ausrichten? Familie? Freunde?“ „Um meinem Hals trage ich einen magischen Kompass. Er wird euch dorthin führen und sobald ihr dort seid, wird er zu Staub zerfallen. Ein solches Artefakt sollte nicht in falschen Händen geraten“, keuchte er angestrengt: „Ich habe mich schon von ihnen verabschiedet. Für die Sicherheit meiner Familie ist es besser, dass ihr euch nicht begegnet. Ich bin einmal ins Visier geraten und konnte noch glimpflich entkommen. Aber es gibt eine weitere Bitte. In der Innentasche ist eine magisch versiegelte Schriftrolle. Am Stadtrand gibt es ein Gasthof, er heißt Zum Kranichhof. Gibt die Schriftrolle dem Mann, namens Gawain Daaè. Aber er kennt nicht die ganze Geschichte, er wird mir nur einen Gefallen tun, um die ich ihn vor meiner Abreise gebeten habe. Er ist ein guter, verschwiegener Mann und ihr solltet sein Ramen probieren, er ist vorzüglich.“ Ein schwaches Lächeln erschien auf den blutleeren Lippen.


38

09.11.2020, 13:15

Cael

Zu sehen, wie ihm das Leben aus dem Körper wich, tat mir seelisch weh. Ich konnte nur dasitzen und seinen letzten Worten zuhören, die für Ryu und mich sehr wichtig waren. Wir beide hatten noch viele Fragen, doch die Zeit reichte nicht mehr. Taro hatte etwas Ruhe verdient. Ein friedlicher Tod war es zwar nicht, aber wir blieben dennoch an seiner Seite. Wenn schon seine Familie nicht für ihn da sein konnte, brauchte er trotzdem menschliche Nähe. Für mich gab es keine schlimmere Vorstellung als völlig alleingelassen zu sterben.
Seine Augen öffneten sich schwerfällig, in ihnen lag bereits der Nebel des Todes. Und ich sah zusätzlich das Licht, das langsam erlosch. >Ich bin froh... euch noch... gefunden zu haben. Ihr scheint... gute Menschen zu sein... Valaris... wird euch... danken.< Er befeuchtete seine Lippen, schluckte. >Es ist in Ordnung... hier... zu sterben... So kurz mein Aufenthalt... war... habe ich dennoch... die willkommene Wärme gespürt.< Erneut verzogen sich seine blassen Lippen zu einem schwachen Lächeln. >Danke.<
Er starb nicht direkt danach, sondern langsam, Stück für Stück, als sich sein Geist aufzulösen begann. Ich spürte ein Brennen in den Augen. Weil mich sein Schicksal sehr mitnahm. Aufgewachsen mit Geschichten und Erlebnissen aus aller Welt fühlte ich stets mit. Es war meinen Eltern wichtig gewesen offen zu meinen Gefühlen zu stehen und sie zu zeigen. Gerade mein Vater hatte deren Bedeutung für den eigenen Charakter sehr stark betont und jetzt empfand ich großes Mitgefühl für die letzten Stunden dieses Mannes. Alles hatte er aufgegeben. Für diese eine Reise. Natürlich blieb mir nichts anderes übrig, als seinen Wunsch zu respektieren. Mein Entschluss stand mehr denn je fest dieses große Abenteuer zu wagen. Allerdings unter der Voraussetzung, die auch Ryu erfüllen musste. Auch wenn ich mir selbst einiges zutraute, wusste ich eine harte Lehre zu schätzen. Wenn jemand mich auf das Schlimmste vorbereiten konnte, dann die Animagi aus Hana'yei. Besonders Onkel Malevor und Fenrir. Die beiden... Sie schenkten einem keine Sonderbehandlung und genau das brauchte ich.
Ich schniefte kurz und atmete leise aus. >Das ist echt zu viel auf einmal, aber... Diese herausofeeing nehmen wir an.<
Just keep swimming...
#spreadthelove

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09.11.2020, 14:08

Ryu

Als Taro wieder seine Augen öffneten, wirkten sie nebelig und der lebendiger Funkeln wurde immer schwächer. Ich spürte einen Kloß in meinem Hals, als er ein letztes Mal seine Worte aussprach. Cael und ich blieben an seiner Seite, damit er nicht alleine sterben musste. Niemand sollte in seine letzte Stunde alleine sein. Der Tod kam nicht schnell, auch wenn ich bereits seine Kälte in den Raum spüren konnte. Die Stille war erdrückend und wurde gelegentlich durch sein rasselnder Atem unterbrochen bis er gänzlich verstummte. Jemanden beim Sterben zuzusehen ohne ihn helfen zu können, war ein schreckliches Gefühl. Ich spürte die Trauer, in den letzten Stunden hatte ich sowas wie eine Verbundenheit zu dem Mann gespürt. Er war längst nicht mehr ein Fremder. Unsere Schicksale waren miteinander verknüpft. "Ich hoffe, deine Seele wird den Frieden finden,Taro Qiang", flüsterte ich und drückte die kalte Hand des Mannes, dessen Körperwärme ihn längst verlassen hatte. Sein Gesicht wirkte nicht mehr angestrengt, fast schien so, als würde er schlafen, wäre da nicht die unnatürliche Blässe des Todes. Tief atmete ich ein. Ich wusste nicht, was mit einer Seele eines Sterbendes geschah, wenn sie in eine fremde Welt war. Vielleicht fand seine Seele den Weg nach Hause oder er würde von unsere Welt empfangen werden. Aber ich fragte Cael nicht danach. Ich räusperte mich und sah meinen kummervollen Freund an: "Das tun wir auf jeden Fall. Wir werden ihn nicht in Stich lassen." Wieder sah ich zu Taro, der sich selbst geopfert hatte, um seine Welt zu retten. "Wir....", ich stockte kurz und fuhr fort: "Wir sollten ihn einäschern und seine Asche nach Hause bringen. Ich glaube, das hätte ihm gefallen." Er sollte eine würdevolle Beerdigung bekommen. Fahrig fuhr ich mit der Hand durch das Haar und hinter uns öffnete sich die Tür. Jemand sog scharf die Luft ein und meine Mutter tauchte auf. Sie legte eine Hand auf dem leblosen Brustkorb und Trauer erschien in ihre Augen. Sie drehte sich zu uns um und umarmte uns einfach. Es gab Momente, wo man sich wieder als Kind fühlte und man den Trost einer Mutter brauchte.


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09.11.2020, 14:27

Cael

Wie benommen starrte ich den Leichnam an. Taro war tot. Er war vor unseren Augen gestorben. Wir hatten ihm nicht helfen können. Aber vielleicht schenkten wir ihm etwas Frieden, wenn wir einen Teil von ihm zurück nach Valaris brachten. Da hatte Ryu recht. Besser als gar nichts. Ivoli hatte zudem ein paar Teile seines Geistes aufgefangen und in seiner Knospe eingeschlossen. Dort drin würden sie vorerst sicher verwahrt bleiben. Wie beim Samen einer Pflanze könnte es sein, dass diese Teile neu erblühten, wenn Ivoli und ich sie in der anderen Welt freisetzten. Ob ich dort genauso wie hier Zugriff auf die Geisterwelt haben würde? Ohne einen Bezug zu dieser Welt fehlte mir sonst ein großer Teil meiner Magie. Ein Leben ohne Geister... das kannte ich nicht.
Meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als plötzlich Ryus Mutter hereinkam. Sie realisierte schnell, dass Taro gestorben war und zog uns in eine mütterliche Umarmung, die ich mir unbewusst gewünscht hatte. Meine Mutter wäre mir natürlich lieber, aber Jadis war eine ebenso liebevolle Person, auf die ich mich verlassen konnte. Ich entspannte mich ein wenig und atmete den Duft nach Vanille ein. >Ich werde nach Hause gehen. Dort nochmal mit meinen Eltern sprechen. Mich auf die große Aufgabe gut vorbereiten.< murmelte ich. >Wir halten uns solange auf dem Laufenden.<
Ich löste mich aus der warmen Umarmung und atmete tief durch. Taro sah ich nicht mehr an. Es tat... weh. >Ich hole noch meine Schwestern und dann brechen wir auf.<
Just keep swimming...
#spreadthelove

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