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21.11.2020, 15:56

Ryu

Wir gingen die Stufen hoch und an der Treppe entlang hing ein langes Gemälde an der hölzerne Wand. Es war ein Bild von einer wunderschöne Landschaft, die in vier Jahreszeiten dargestellt wurde. Die Übergange waren nahtlos, sodass es einen gesamten harmonischen Eindruck machte. Außerdem bekam man mehr die Vorstellung von der Natur in Valaris. Oben schien es ruhig zu sein, zur Winterzeit war wohl hier nicht los oder es lag an der schwierige Zeit. Jedenfalls war es in diesem Fall für uns ein Vorteil, wir brauchten einen zurückgezogener Ort und dieser Gasthof bot es uns an. Es gab auf dem ersten Blick zwei Gänge und ich vermutete, dass wir den linken Gang benutzen sollten. Denn Dieser war länger und von Türen versehen, während der rechte Gang schnell durch eine einzige breite Tür endete. Dort spürte ich eine hohe Luftfeuchtigkeit, wie ich es von einem Badezimmer kannte. Und ich glaubte das Plätschern von Wasser zu hören. Wir begegneten Niemanden als wir bis zum Ende des linken Ganges gingen und unsere Zimmer lagen genau gegenüber. "Lass uns zuerst in deinem Zimmer gehen", meinte ich zu Cael und brannte schon darauf mit ihn über unsere ersten Eindrücke auszutauschen. Außerdem mussten wir uns überlegen wie es jetzt weiterging.

Ilea

Ich hatte mich wieder beruhigt und straffte meine Schultern. Ich durfte mich nicht von den fremdartigen Magis und von diesem seltsamen Wesen aus der Fassung bringen lassen. Es könnte mich verwundbar machen und die Menschen mit schlechten Absichten rochen solche Schwächen. Erneuert verließ ich den Laden, diesmal war ich auf ihr Anblick vorbereitet und würde mir nichts anmerken lassen wie ich es bei den anderen Magie vor ein paar Wochen getan hatte. Die Männer waren nicht mehr da, aber Otōsan stand mit eine nachdenkliche Miene hinter dem Tresen und wischte dabei die Oberfläche sauber, um beschäftigt zu wirken. Mittlerweile waren keine Gäste mehr im Speisesaal, entweder waren sie in ihren Räumen oder unterwegs. Otōsan blickte auf, als er mich bemerkte. "Sind sie geblieben?", fragte ich ihn. Leicht nickte er und drückte meine Hand: "Ich habe alles unter Kontrolle." Die Männer waren noch da. Und er wusste, was sie waren, das erkannte ich an seinem Blick. Otōsan war kein Magi oder wie ich, eine Miko. Aber er besaß einen sechsten Sinn, was daran lag, dass er vor meiner Zeit einst ein ehrenvoller Yōkai Taijiya (Dämonenjäger) gewesen war. Er hatte damals oft mit Magis oder mit einige Mikos zusammengearbeitet. Ihnen für ihre Reisen Geleitschutz angeboten. Doch auch Menschen wie Otōsan wurden vertrieben und ihnen verboten ihre Bestimmung nachzugehen. Denn jetzt waren die Gefolgsleute des Kaisers die "Jäger" und sie töteten gar die Dämonen oder mythische Wesen, die wohlgesinnt waren. Sie waren in meine Augen keine Yōkai Taijiya.


102

21.11.2020, 19:54

Cael

Obwohl mein erster Eindruck von dieser Stadt nicht der beste war, so gefiel mir das Gasthaus ziemlich gut. Es lag an den Details, an der liebevollen Ausstattung. Auch das Zimmer wirkte sehr einladend, nur überraschte es mich wie schlicht es eingerichtet war. Es gab nicht mal ein richtiges Bett, sondern eine Art gemütliche Matte auf dem Boden. Daneben stand ein viereckiger niedriger Tisch und sonst gab es kunstvolle Vasen sowie Gemälde, die dem Zimmer etwas Leben verleihen. Gut genug für mich.
Ich stellte all meine Sachen in einer Ecke ab und drehte mich zu Ryu um. Wir dachten dasselbe, da war ich mir sicher. >Keine Ahnung, was ich von allem bisher halten soll. Wir müssen einen Weg finden, nicht so aufzufallen oder... oder schneller mehr über die Kultur lernen. Ich komme mir wie ein Kleinkind unter Erwachsenen vor. Jeder falsche Schritt entgeht niemandem.< gestand ich offen. >Außerdem benötigen wir Geld. Vielleicht können wir Gawain fragen, wie man gut verdienen kann.< Wenn er Taro schon den Gefallen tat uns beiden zu helfen, war er uns vielleicht nicht schlecht gesinnt, solange wir keinen Mist bauten. Irgendwo mussten wir mit Vertrauten beginnen. In einer völlig fremden Welt würden Ryu und ich nicht weit kommen. Wir mussten in dieser Hinsicht realistisch bleiben.
>Was denkst du über das Ganze?<

Imesha

Ruko blieb noch eine Weile bei mir und wir sprachen über die nächsten Aufträge, um die wir uns zukünftig kümmern mussten. Es handelte sich hauptsächlich um die Jagd auf Dämonen. An einigen Orten gab es zu viele von ihnen. Sie brachten Pein und Qualen, töteten wie wilde Bestien. Etwas stimmte nicht. Schon seit geraumer Zeit rätselten Ruko und ich, warum die Yokai dermaßen durchdrehten. Nicht alle von ihnen waren schlecht. Nicht alle wollten den Menschen schaden. Doch warum sollten die Leute das glauben, wenn sie das Gegenteil erlebten?
Ich seufzte schwer. Ruko und ich mussten einen Weg finden die wahre Quelle des Übels zu vernichten. Damit endlich wieder Frieden einkehrte. Da spielte der Kaiser Oda keine unbedeutende Rolle. Ich hasste ihn...
>Ich lasse dich dann allein. Wir sehen uns später.< Ruko drückte mir einen Kuss auf die Stirn und erhob sich. Ich wollte ihn zurückhalten, genau wie die negativen Gedanken, die das als Chance sahen wieder aufzutauchen. Aber ich blieb still. Ich wollte nicht klammern wie ein Kind.
Und dann war ich wieder allein.
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103

21.11.2020, 21:55

Ryu

Wie das Gasthaus wirkte auch das Zimmer schlicht und strahlte durch ein paar Akzente etwas Willkommenes aus. Vielleicht war das der kultureller Stil dieser Welt oder es konnte einfach auch der eigene Stil des Gasthauses sein. Wie dem auch sei, ich fühlte mich hier wohl, denn mein Zimmer selbst war nicht prunkvoll eingerichtet und auch Cael schien diesem Ort nicht abgeneigt zu sein. Ich lehnte mich an einer Wand ab und da wir jetzt endlich unter uns waren, konnten wir jetzt offen sprechen. "Es sind wirklich viele Eindrücke und du hast Recht, die Menschen hier wirken misstrauisch. Wir fallen mit unsere Unwissenheit tatsächlich etwas auf und ich habe immer noch keine Ahnung warum wir diese seltsame Strohschuhe tragen müssen. Das scheint ein kultureller Hintergrund zu haben", bestätigte ich ihn und blickte stirnrunzelnd auf die seltsame Schuhe. Sie waren in Ordnung, aber ich erkannte dadrinnen keinen sinnvollen Nutzen. Dann schaute ich wieder auf und fuhr mir kurz durch das Haar: "Ich denke auch, dass wir Gawain ein wenig Vertrauen entgegen bringen können. Es muss einen Grund geben, warum Taro sich damals an ihm wandte und er hatte selbst gesagt, der Mann sei ein guter Mensch und verschwiegen. Vielleicht wird er uns helfen, solange es nicht zu Komplikationen kommt. Wir haben ja ein paar wertvolle Steine mit, vielleicht können wir ihn fragen, was für Edelsteine in Valaris gibt und wenn wir tatsächlich ein paar von gleicher Art haben, könnten wir es vielleicht in Geld umtauschen lassen. " Kurz hielt ich inne und überdachte nochmals die Idee: "Aber ich weiß nicht, ob es dann zu einem Problem kommt. Es fällt bestimmt auf, wenn Fremde wertvolle Steine besitzen und wir wissen nicht wie sich Händler hier verhalten oder wie überhaupt der Markt derzeit drauf ist, sodass wir vermutlich nicht in eine solche Rolle schlüpfen können. Deine Idee ist definitiv ein sicherer Weg. Außerdem können wir dadurch mehr von dieser Welt lernen. Aber wir sollten erstmal die ersten drei Tage uns hier eingewöhnen und beobachten wie es hier alles abläuft. Das Gasthaus ist bestimmt ein guter Ort uns zu lehren, wie die Welt funktioniert und nebenbei können wir vielleicht ein wenig die Kaiserstadt erkundigen." Mein Brustkorb begann zu kitzeln, als Egon sich zu regen begann und aus der Innentasche krabbelte. Er war die ganze Zeit verdächtig ruhig gewesen, vermutlich hatte er geschlafen. Jetzt sah er sich mit neugierigen Augen um und gab von sich ein Geräusch, was ähnlich wie Gurren klang.

Ilea

Otōsan hatte alles in der Kontrolle, er würde niemals zulassen, dass etwas Schlimmes geschah, wie vor....ich schüttelte energisch diese Erinnerung fort, die mich in ihre Dunkelheit ziehen wollte und ich wusste, ich würde den Weg nicht mehr finden, wenn ich mich sobald in ihr verirrte. Unwillkürlich berührte ich die Armbänder und glaubte bei dem helleren Armband noch die Wärme seines früheren Besitzers zu spüren. Bilder flackerten vor meine inneren Augen, diesmal waren es verlockende Erinnerungen und ich spürte seinen unwiderstehlichen Sog. Aber ich musste mich von ihm abwenden, denn ich konnte mich genauso in ihnen verlieren und den Weg nicht mehr zurückfinden. Die unendliche Leere in meinem Herz machte sich deutlich bemerkbar. In mir herrschte ein tieferen Winter, als draußen. Abwesend begann ich die Tische sauberzumachen, während Otōsan sich wieder in die Küche zurückzog und die nächste Mahlzeit für die Gäste kochte. Nach eine Weile schaute ich auf, als ich die Nähe eines Anderen spürte und entdeckte Sobo Makoto. "Komm Kind, gehen wir zu unserem Schrein", forderte sie mich auf und ich nahm ihr das Tablett mit den Gaben ab. Wir verließen das Haupthaus durch die Nebentür auf der Seite unsere Wohntraktes. Davor wechselten wir unsere Schuhe und gingen den Gang der Terrasse entlang bis wir auf der hintere Terrasse waren. Von dort aus gab es eine Treppe, die zum Garten führte. Der sandiger Weg zwischen den schlafende Kräuter- und Gemüsebeete war von matschigen Schnee bedeckt. Dann kam die Wiese, die jetzt trostlos wirkte und zur wärmere Zeit jedoch in prächtigsten Farben blühten, wie die stolze Sakura-Baum (japanische Kirschbaum). Doch wie der Kaki-Baum wirkte sie nackt und trostlos. Nur unsere Ume (japanischer Pflaumenbaum) fühlte sich im Winter wohl und zeigte ihr blütenreiches Winterkleid. Als versuchte sie die Strenge des Winters zu mildern. Unser Schrein befand sich am Ende des Gartens in der Nähe der Sakura. Es war ein kleines Häuschen, gerade Platz genug für zwei Personen. Das Holz war rotbemalt und das Dach glich dem Gasthauses. Wir stiegen die drei Stufen hoch und Sobo Makoto öffnete die hölzerne Tür, indem sie den Balken beiseite schob. Oberhalb der Tür hing links ein Chōchin (japanischer Lampion) und rechts war ein Windspiel mit einem Talisman, um die bösen Geister fernzuhalten. Sie wiegte sich im Wind, aber ich hörte nicht ihre Klänge. Im Schrein war es kühl und Sobo Makoto zündete eine Kerze an, um den Raum zu erhellen. Auf einem Podest standen Statuen wichtige Kamis (verehrte Gottheiten oder Geister). Jetzt zündete sie die Räucherstäbchen an, die in einer Schale mit Sand steckten und vor dem Podest standen. Zeitgleich knieten wir uns hin, ich stellte vor dem Podest die Gaben aus Salz, Reis und frisches Wasser hin. Wir verbeugten uns zweimal, klatschten auch zweimal und verbeugten uns nochmals. Dann blieben die Handflächen aneinander für ein Gebet. In meinem Kopf blieb es leer, wie in meinem Herz.


104

22.11.2020, 09:29

Cael

Ich blickte nachdenklich an die Wand mit einem wunderschönen Gemälde, das eine Allee aus Kirschbütenbäumen zeigte. Dieser Baum schien wohl eine besondere Bedeutung zu tragen. So wie Sakrazhue in Ignulae. Ryu hatte recht damit, dass wir die ersten Tage dazu nutzen sollten erste Informationen und mehr Eindrücke zu sammeln. Edelsteine gegen Geld einzutauschen, klang zunächst einfach, aber würde bestimmt Aufsehen erregen. Wir wussten nicht mal, ob solche Steine hier überhaupt existierten und warum ausgerechnet wir solche mit uns trugen. Für Geld zu arbeiten, klang definitiv besser. >Falls wir hier länger als zwei Monate leben müssen, könnten wir ihn auch fragen, ob er uns hier arbeiten lässt... wenigstens diese Sicherheit sollten wir haben.< dachte ich laut nach und verschränkte dabei die Arme vor der Brust. >Außerdem eignet sich ein Gasthaus hervorragend zum Ausspionieren von Leuten. Man lernt bei diversen Gesprächen viel dazu. Wäre für uns jedenfalls sehr hilfreich, um am Anfang ein Gefühl für die Sprache und Kultur zu bekommen.< Ich sah die seltsamen Schuhe an und schmunzelte. Sie waren definitiv eine seltsame Kreation. Ich wüsste auch gern, warum wir sie tragen mussten. Dann wanderte mein Blick zu meiner Gitarre. >Wenn möglich, könnte ich mir vorstellen in den etwas gehobeneren Vierteln zu singen. Musik kommt immer gut an. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Valaris auch gute Musik verbietet. Das wäre sonst doch zu viel des Schlechten.< überlegte ich weiter. Klar, es gab auch andere Wege, um an Geld zu kommen, aber dazu würden wir nachher Gawain befragen.
In der Zwischenzeit hätte ich wirklich gerne... etwas zu essen. Mein Magen knurrte leise von der aufregenden Reise. Auf das Essen war ich auch sehr gespannt.

Imesha

Diesmal blieb der Shoji zum kleinen Innenhofgarten geschlossen. Mittlerweile war es zu kalt draußen und ich wollte niemandem versehentlich begegnen. Man würde mich bloß in ein Gespräch verwickeln, schnell realisieren, dass ich kein Wort sprach und mich dann mit irritiertem Gesichtsausdruck stehenlassen. Den meisten Leuten im Palast war ich sowieso egal. Es sei denn eine Feier fand statt, dann sah die Sache ganz anders aus. Plötzlich existierte ich und man flehte mich regelrecht an als Tänzerin aufzutreten, um die Gäste zufrieden zu stimmen. Seit ich denken konnte, lag mir das Tanzen im Blut und irgendwie schien es alle auf eine Weise zu fesseln, dass sie nichts mehr um sich herum wahrnahmen. Kaiser Oda hatte das schnell zu seinem Vorteil genutzt, weshalb ich auch bei Einsätzen eine einfache Frau spielen musste, um hauptsächlich Männern den Kopf zu verdrehen. Nicht zuletzt weil ich aufgrund meiner Hautfarbe besonders auffiel. Die meisten wollten mich deswegen... berühren. Allein bei dem Gedanken spürte ich tief verankerten Ekel in mir.
Ich erschauderte leicht und beschloss kurzerhand ein Bad zu nehmen. Um überhaupt attraktiv und verlockend auf andere zu wirken, musste ich mich um meinen Körper kümmern und das beanspruchte viel Zeit. Im Gegensatz zu den meisten Frauen badete ich nämlich nicht in Wasser, sondern in Milch mit diversen Kräutern. Das machte die Haut besonders weich. Und rein. Dasselbe galt für mein langes Haar. Ich benutzte nur eigens dafür hergestellte Tinkturen, damit es seidig glänzend blieb. All das bekam ich von einer leider sehr wenig bekannten jungen Frau, bei der ein Bediensteter des Palastes oftmals für mich und andere Einkäufe erledigte. Gute Produkte machten schnell die Runde und ich bezahlte gerne mehr dafür.
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105

22.11.2020, 11:38

Ryu

Aufmerksam hörte ich meinem besten Freund zu und nickte wieder bestätigend. "Ich glaube mit diesen Ansätze sind wir auf dem richtigen Weg", meinte ich und bemerkte ein hohles Gefühl in meinem Magen. Allmählich bekam ich Hunger, zuletzt hatte ich am Morgen gegessen und das war mittlerweile viele Stunden her. "Aber erstmal sollten wir uns stärken und ich möchte endlich herausfinden, was dieser Ramen ist. Er scheint ja begehrt zu sein, vor allem der Ramen von Gawain", nicht nur Taro hatte von ihm geschwärmt, sondern auch der ärmliche Jüngling. Es musste also was sehr Leckeres sein. Jedenfalls hoffte ich es. Außerdem erfuhr man über das Essen viel über die Kultur und damit konnten wir anfangen. "Ich bringe meine Sachen noch schnell rüber", sagte ich und brachte sie in mein Zimmer. Es war identisch mit Caels Zimmer, nur die Bilder und die Vasen waren ein wenig anders. "Du bleibst hier", mahnte ich den Feuersalamander, der mir gefolgt war: "Wir sind naher wieder da." Egon sah mich ein wenig schmollend an, aber fügte sich. Ich wollte nicht wissen, was für eine Unruhe er sorgen konnte, wenn ein solches Wesen in Valaris unbekannt war. Cael und ich gingen hinunter, bereits auf der Treppe vernahm ich verlockende Düfte und diesmal knurrte mein Magen laut. Im Speisesaal waren mehr Menschen, als vorhin. Aber für einem Gasthaus waren es sehr wenige Gäste. Es gab eine lange Tafel und zwei kleine Tische zum Sitzen. Alle saßen an der Tafel, wenn auch etwas versetzt. Es war wohl besser sich ebenfalls an der Tafel zu setzen, um nicht mehr aufzufallen. Die ältere Frau war wieder anwesend und wuselte durch den Speisesaal. Bis auf dem Wirt und der ältere Frau schien keine weitere Person für das Gasthaus zu arbeiten. Auch wenn die ältere Frau robust wirkte, fragte ich mich, wie sie das alles schaffen konnte und der Wirt hatte auch mit vollen Händen zu tun, wenn er für das Kochen zuständig war.

Ilea

Ich spürte eine Berührung an meinem Arm und drehte mein Kopf zu der ältere Frau um. In ihre warme, weisen Augen lag ein unergründlichen Blick. Dann wurde ihre Miene ernst und sie sprach die Gedanken aus, die sie beschäftigte: „Mein Kind, ich habe dich aufwachsen gesehen und nun sehe ich, wie immer mehr du schwindest. Das was geschehen war, war entsetzlich und ich verstehe deinen tiefen Kummer. Ich verstehe, dass du all das verloren hast, woran du geglaubt hast. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, in der du deinen Koi in dir wiederfinden muss.“ Sie legte ihre Hand auf dem Brustkorb, wo ihr Herz schlug und ergriff nach meiner Hand mit den Henna-Tattoo, ihr Daumen berührte das Muttermal: „Wende dich nicht von deiner besondere Gabe ab, nutze sie weise. Du wirst sie brauchen. In jener Nacht als deine Mutter das Dorf verließ, ersuchte sie mich. Sie hatte eine Vorsehung, was dich betraf. Sie träumte von einem kalten Winter und einer Ume in ihrer voller Pracht. Du warst dort und dir erschien ein Drachen und ein Kranich. Sie sah, wie eure Schicksalsfäden sich miteinander verknüpften. Und da war noch eine dritte Gestalt, verborgen im Nebelschleier. Ich fragte sie, wie wir wissen können, wann diese schicksalhafte Begegnung eintreten wird. Sie sagte mir ich würde es wissen.19 Jahren ist es her und beinahe vergaß ich ihre Vorsehung. Aber dann erschienen heute die zwei jungen Männer und plötzlich hörte ich die Stimme deiner Mutter in meinem Kopf, wie sie mir von ihrem Traum erzählte. Als ich die Schuhe unsere neue Gäste putzte, entdeckte ich die Blüten einer Ume an ihre Sohlen.“ Sie erhob sich und küsste auf mein Stirn, dann drückte sie meine Hände: „Ich vermag nicht ihren Traum zu lesen, aber ich spüre, dass etwas Großes sich in die Bewegung gesetzt hat. Es liegt an dir, welchen Weg du wählen wirst, wenn die Zeit gereift ist schicksalhafte Entscheidungen zu treffen.“ Mit diesen eindrücklichen Worten ließ sie mich in den Schrein alleine und ich wusste nicht, was ich bei dieser Enthüllung fühlen sollte. Vor allem wollte ich nichts mit dieser Vorsehung meiner Mutter zu tun haben und auch nicht mit diesen fremdartigen Magis. Ich musste Abstand bewahren, um ein weiteres Unglück zu vermeiden. Ich sah auf mein rotes Muttermal. Die Lotusblüte war durch die anderen Blüten meiner rotbraunen Henna-Tattoo nicht zu erkennen. Sie war das sichtbare Erben meiner Mutter, die sie mir zurückgelassen hatte. Sie entstammte aus einer alte Blutlinie mächtiger Mikos und es gab noch heute Menschen, die die Bedeutung solcher Muttermal kannten. Die Lotus stand nicht nur für die Wiedergeburt, Schönheit und Fruchtbarkeit, sie war auch eng mit der Spiritualität verbunden. Kopfschmerzen meldeten sich, ich war erschöpft. Bestimmt bestand keinen Zusammenhang zwischen der Vorsehung und den fremdartigen Magis. Vielleicht hatte Sobo Makoto einfach in diesen Dingen zu viel hineingesehen. Wie konnten diese Männer die mächtigen symbolischen Figuren darstellen? Ein Drache glich beinahe einer Gottheit. Nur ein Kaiser durfte mit einem solchen Symbol verglichen werden. Ein Wesen zwischen Himmel und Erde. Ein Drache stand auch für Reichtum und Glück, vor allem für Schutz und ein langes Leben. Auch der Kranich wurde mit Glück und langes Leben verbunden. Es gab eine Legende, dass Derjenige von den Götter einen Wunsch erfüllt bekam, wenn er 1000 Origami-Kraniche gefaltet hatte. Vor allem war der Kranich mit der Geisterwelt verbunden, denn er trug die verstorbene Seelen zum Himmel. Daher wurde er auch als „Himmelskranich“ oder „Seligenkranich“ bezeichnet. Er war ein göttlicher Himmelsbote. Aus diesem Grund hatte der Kranich bei den Mikos eine besondere Bedeutung. Ich erhob mich und schob diese Gedanken beiseite. Nein, es war keine schicksalhafte Fügung und jetzt sollte ich Otōsan wieder helfen.


106

22.11.2020, 14:19

Cael

Ramen, stimmt. Das sollten wir probieren. Ich war hungrig genug, dass ich alles essen würde, was auf den Tisch kam. Mit vollem Magen konnte ich auch besser nachdenken. Wir hatten vorerst einen groben Plan wie wir weiter vorgehen wollten und das reichte. Alles andere würde sich schon fügen. Ebenfalls eine wichtige Lehre meiner Eltern. Nie das Schicksal erzwingen. Es führte sonst zu Widerstand und damit zu Problemen.
Als Ryu und ich wenig später den Speisesaal betraten, trafen uns wieder neugierige Blicke, aber sie waren nicht mehr so durchdringend wie zuvor. Vielleicht wollten sie mit ihrem Starren nicht zu sehr auffallen. Was mir recht war. Ich brauchte keine Zuschauer beim Essen. Bevor wir uns allerdings setzten, bestellten wir an der Theke zwei Schüsseln Ramen. Ich vermutete, dass es sich um eine Art Nudelsuppe handelte, weil die meisten hier sowas aßen. Wenn es sich nämlich um das beliebteste Gericht handelte, dann eben dieses Ramen. Darauf war ich schon sehr gespannt.
Es war Gawain, der die Bestellung aufnahm, wir wechselten und dann setzten wir uns an ein Ende des Tisches. So waren Ryu und ich unter uns, während wir gemütlich anderen Gesprächen gut lauschen konnten. Das war der Vorteil eines Außenseiters. Nur gefiel mir auf Dauer diese Rolle nicht. Ich war ein Mann der vielen Menschen. Ich mischte mich gern unter die Leute.
>Irgendwie ist es komisch... ich glaube morgen wird mir so richtig bewusst sein, dass wir nicht mehr... daheim sind.< seufzte ich leise.

Imesha

Ich war unfassbar gern barfuß unterwegs, darum hörte man mich meistens nicht kommen, wenn ich den Palast durchstreifte. Das Gefühl des Bodens unter meinen Füßen erdete mich, es gab mir Halt. Ich fühlte mich freier als ich es eigentlich war. In diesem Palast war ich nichts weiter als eine Sklavin mit schönen Kleidern und brutalen Aufgaben, die erledigt werden mussten, um härtere Strafen zu umgehen. Andere Diener mochten ihre Augen scheu von mir abwenden, weil sie glaubten, ich sei keine von ihnen, doch dem war nicht so. Lieber gab ich meine Stellung als Spionin auf, als dass ich länger für Kaiser Oda arbeitete. Mir wäre es lieber das Weite zu suchen. Doch nicht alles, was verlockend war, war auch richtig. Das hatte ich auf die harte Weise lernen müssen.
Ein schmerzhafter Stich durchfuhr meine Brust und ich war froh das private Bad erreicht zu haben. Hier durften nur Frauen hinein, die eine höhere Stellung in der Hierarchie des Personals genossen. Mich eingeschlossen. Hier konnte ich gut entspannen und Stunden damit verbringen mich um mich selbst zu kümmern. Sumire würde ebenfalls... ich stockte. Fasste mir an die schmerzende Brust und presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen. Nein. Nein, nein, nein. Nicht wieder diese Bilder. Keine Erinnerungen. Bitte nicht.
In meinem Kopf schrillte es laut und meine Atmung beschleunigte sich. Hektisch sah ich mich um. Niemand da. Zum Glück. In Momenten wie diesen wollte ich allein sein. Meine angreifbare Seite durfte keiner außer Ruko kennen. Nicht einmal der Kaiser selbst, auch wenn er mich besser kannte als mir lieb war.
Ich setzte zittrig atmend einen Fuß vor den anderen und bezwang die Flut an Emotionen, die mich zu überwältigen drohte. Wichtig war die Kontrolle über meine Atmung. Ruhig ein-, ruhiger wieder ausatmen. Dabei lenkte ich mich mit Entkleiden und dem Entflechten meines Haares ab... besser. Es wurde wieder besser.
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107

22.11.2020, 15:30

Ryu

Die meisten Gäste aßen sowas wie eine Nudelsuppe und ich war gespannt, ob es der geheimnisvoller Ramen war. Vor ein paar Jahren hatte man in unsere Welt herausgefunden, dass man den Teig für herzhafte Gerichte noch kreativer anwenden konnte. So waren dann die Nudeln in verschiedenste Formen entstanden und errang fast überall eine hohe Beliebtheit. Mir schmeckte die Nudeln besonders mit einer feurig-fruchtige, rote Soße gut. Es war beruhigend, dass selbst in eine fremde Welt vertraute Dinge gab. Was mich aber beinahe stutzen ließ, dass die Gäste mit Holzstäbe aßen, neben ihrer Schale lag noch ein kleiner, ungewöhnlich breiter Löffel. Ein solches Besteck war mir neu. "Mir wird es auch nicht anders ergehen. Jetzt bin ich noch überreizt von den neuen Eindrücke und werde sie wahrscheinlich erst richtig im Schlaf verarbeiten können", stimmte ich ihm zu und beobachtete unauffällig wie die Anderen ihre Stäbe benutzten. Es glich beinahe einem Meisterkunst und ich hoffte wir würden es einigermaßen hinbekommen. Ein kleiner, kalter Luftzug wehte durch den Speisesaal und mir war noch nicht die kleine Seitentür aufgefallen, als sie sich jetzt öffnete. Es war eine junge Frau in ähnliche Aufmachung wie bei der ältere Frau und unter den Gästen fiel ihr blondes, gelocktes Haar auf, das sich von einem bunten Tuch nicht bändigen ließ. Selbstbewusst ging sie in die Küche und schien zum Personal zu gehören.

Ilea

Ich hatte die Neuankömmlinge sofort bemerkt, aber ich schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit und begab mich in die Küche. Otōsan reichte mir ein Tablett mit zwei Schüssel Ramen, der in unterschiedlichsten Varianten zubereitet werden konnte. Dieser Ramen war sein Willkommensramen, einer seiner Spezialitäten und die bekam der Gast immer an seinem ersten Tag. Er brauchte mir nicht zu sagen, welcher Gäste es bestellt hatten. Auf dem Tablett standen noch zwei kleinen Tonbecher mit Sake als Gruß. Es war ein weißlich trübes Reiswein. Ich goss noch zwei Teeschalen mit einem lieblichen Grüntee und holte noch zwei warmen Oshibori (feuchtes Tuch) zum Säubern der Hände vor dem Speisen, die ich in einem geflochtener Bambuskorb legte. Geschickt trug ich das Tablett und den kleinen Korb zu den neuen Gäste und stellte sie auf dem Tisch ab. "Konnichiwa, ich hoffe Ihnen wird das Essen munden. Guten Appetit", verneigte ich mich leicht vor ihnen und wieder vernahm ich diese vertraute Schwingungen wahr. Doch ich ließ mir nichts anmerken und beachtete auch das seltsame Wesen nicht, das wieder auf die Schulter des einen Mannes saß. Es schien sein Herrn zu sein.


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22.11.2020, 16:13

Cael

Falls ich überhaupt schlafen konnte... Mir fiel es allgemein schwer an fremden Orten einzuschlafen, weil da immer diese Unruhe in mir war, die sich nie richtig abschalten ließ. Offenbar eine unbewusste Sicherheitsmaßnahme. Trotzdem hoffte ich, dass mich die lange Reise genug ermüdet hatte, um doch den dringend nötigen Schlaf zu finden. Andernfalls würde ich vielleicht an meiner Gitarre herumzupfen, bis ich davon müde wurde. Musik half mir immer. Deshalb hatte ich das Instrument auch mitgenommen. Es war mein Anker. Es verband mich mit meiner Familie und meinen Freunden.
Als Ryu zur Seite schaute, folgte ich seinem Blick und erstarrte. Diese junge Frau... Sie hatte ich noch gar nicht hier gesehen und sie kam direkt auf uns zu. Mit einem Tablett und dampfenden Schüsseln. Wie ein Idiot ließ ich sie keine einzige Sekunde aus den Augen, weil irgendetwas an ihr mir sehr, sehr bekannt vorkam. Als hätte ich sie doch schon mal gesehen. War es das Haar? Diese goldenen Locken? Bei den Geistern... das konnte unmöglich mit meinen seltsamen Träumen zusammenhängen. Ich dachte, es wäre mein Verstand gewesen, der mir vor der großen Abreise Streiche spielte, aber jetzt, wo ich diese Frau vor mir stehen sah... In Farbe und aus Fleisch und Blut, keine Einbildung... da musste es einen Zusammenhang geben. Selbst Ivoli reagierte auf ihre Anwesenheit, weil seine Schwanzknospe leicht zu schimmern begann. Ein Zeichen dafür, dass besondere Schwingungen in der Luft lagen.
Außerdem stellte ich etwas anderes, sehr Besorgniserregendes fest. Es hing mit dem plötzlich warmen Gefühl in meiner Brust zusammen und der Art, wie meine Kehle trocken wurde. >Danke, ich... also ich muss sagen... du, du bist die mit Abstand schönste Frau, die ich je gesehen habe!< Im selben Moment hätte ich mir am liebsten einen Schlag auf den Hinterkopf verpasst, denn diese Worte hatte ich nicht laut aussprechen wollen. Ganz und gar nicht. Es war wieder diese verdammte Sache mit den Genen und die Art, wie mein Vater viele Situationen anging. Mit Offenheit und nackter Wahrheit. Das Herz auf der Zunge tragen und so... Nur fühlte ich mich jetzt ganz schön blöd, weil es sonst nicht meine Art war dermaßen forsch mit Komplimenten um mich zu werfen, um eine Frau auf mich aufmerksam zu machen.
Ich räusperte mich leise, um die Peinlichkeit der Situation zu überspielen, nahm die dampfend heiße Schüssel zu mir und griff nach diesen Stäbchen, mit denen ich nichts anzufangen wusste. Mein Kopf war wie leergefegt. Ich hoffte bloß keinen Fehler begangen zu haben, denn ich wusste nicht, wie man hier mit Frauen sprach und was angebracht war oder nicht. Außerdem vermutete ich stark, dass sie die Tochter von Gawain war, den die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen. Mögen mir die Geister beistehen...

Imesha

Mit einem leisen Seufzer glitt ich in das milchweiße Becken und achtete darauf, dass mein Haar hochgesteckt blieb. Die Flüssigkeit umhüllte mich wie ein seidener Mantel und ich spürte wie mein Körper sich allmählich entspannte. Wie der Anfall vorhin von mir abfiel. Ich schloss für einen kurzen Moment die Augen, vergewisserte mich, dass die Erinnerungen tatsächlich zurück in die Schatten meines Gedächtnisses verdrängt worden sind und öffnete die Augen wieder. Alles gut. Mir ging es gut, ich war im Hier und Jetzt. Nicht im damals. Auch nicht im Morgen.
Langsam begann ich mich mit einem weichen Schwamm zu waschen. Erst die Arme, dann meine Brust, mein gesamter Oberkörper und schließlich meine Beine. Ich legte den Schwamm beiseite, machte weiter mit meinem Haar, in das ich die Tinktur einmassierte und wusch es anschließend aus. Dann wiederholte ich den Vorgang, bis meine Haut so weich war, dass selbst Seide neidisch wurde. Dasselbe galt für mein Haar. In diesem Zustand konnte ich recht gut entspannen und stundenlang im Bad bleiben. Zu schade aber, dass die Haut nach einer Weile runzlig wurde. Das wollte ich nach der intensiven Pflege natürlich vermeiden. Aus diesem Grund blieb ich bloß für eine Stunde in diesem kleinen Paradies des Friedens.
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109

22.11.2020, 16:52

Ryu

Die blondhaarige Frau kehrte zurück und diesmal hatte sie ein Tablett dabei, es schien unser Gericht zu sein. Aus der Nähe entdeckte ich die Ähnlichkeit zu dem Wirt, demnach musste sie seine Tochter sein. Er hatte vorhin von einer Familie gesprochen, die er unter allen Umständen beschützen wollte. Der Korb mit den feuchten Tücher erregte meine Aufmerksamkeit, anscheinend musste man sich vorher die Hände säubern. Es war der einziger Zweck, der mir einfiel, denn es wurde nicht mit den Fingern gegessen. Dann begannen meine Mundwinkeln verdächtig zu zucken, Cael hatte schon mal besser seinen Charme ausgepackt. Jetzt verhielt er sich wie ein Jüngling, der zum ersten Mal mit einem Mädchen sprach. Taktvoll nickte ich der junge Frau dankbar zu und nahm einen Schluck von dem Tee.

Ilea

Der Mann mit dem Wesen begann zu sprechen und mein Blick glitt zu seine Lippen. Es kamen Worte aus ihnen heraus, doch ich konnte sie nicht entschlüsseln. Die Lippen bewegten sich unvertraut und ich unterdrückte den Anflug von Nervosität. "Verzeihen Sie, ich bin mit ihrem Dialekt nicht vertraut. Können Sie sich wiederholen?", fragte ich ihn höflich. Vielleicht kam er aus einem Dorf und in Dörfer gab es durchaus leicht veränderte Aussprache der Wörter. Meine Augen wanderten höher zu seine Augen, denn sie sprachen auch eine Sprache. Solche Augen hatte ich noch nie gesehen. Sie besaßen die Farbe des Himmels und ich entdeckte einen feinen goldener Ring um die dunklen Pupillen. Aber dann wandte er sein Gesicht zu der Schüssel und wenn er mir jetzt Antwort gäbe, würde ich ihn wieder nicht verstehen. Unauffällig berührte ich mit den Handrücken gegen die Tischkante. Es gab einen anderen Weg seine nächste Antwort oder seinen letzten Satz zu erhalten, doch ich nutzte diese Fähigkeit nur, wenn es nicht anders ginge.


110

22.11.2020, 17:42

Cael

Erleichterung durchflutete mich, als sie meinte mich nicht verstanden zu haben. Wenigstens hatte ich keine unsichtbare Grenze überschritten. Ich musste meine impulsive Bewunderung für ihr Auftreten zurückhalten und mich benehmen. Auch wenn meine Worte ernst gemeint waren. Sie war wirklich die schönste Frau, die ich je gesehen hatte.
Ich lächelte sie freundlich an. >Arigato (Danke).< Mehr sagte ich nicht. Ich wollte kein Risiko eingehen und noch etwas Unangebrachtes sagen. Vielleicht war ich auch bloß müde. Ja... Daran musste es liegen. Und dass ich hungrig war. Wieder wandte ich den Blick von ihr ab und entspannte meine Haltung, als sie den Tisch verließ, um weiter zu arbeiten. Am liebsten hätte ich ihr hinterhergesehen, aber stattdessen schielte ich zu den anderen Gästen, um zu verstehen, wie sie diese Stäbchen benutzten. Das war wirklich eine Kunst für sich. Wie machten sie das bloß? Ich konnte wohl schlecht direkt aus der Schüssel trinken. Ich würde dabei aussehen wie ein Wilder. Nicht sehr vornehm.
Seufzend sah ich meinen besten Freund an. >Keinen Kommentar zu meinem Ausrutscher vorhin. Es ist nicht passiert.< warnte ich ihn, weil ihm das Lachen ins Gesicht geschrieben stand. Mir war die Aktion schon unangenehm genug. Außerdem stimmte es mich nachdenklich, warum Ivoli auf sie reagierte. In dieser Frau steckte mehr als bloß strahlende Schönheit.

Imesha

Mein Körper fühlte sich schwerelos an, während ich zurück in mein Zimmer ging. Der Duft von Honig und Milch haftete an mir sowie ein Hauch von Mondblütenwasser. Das lag an der Tinktur in meinem Haar. Mir hatte das lange Bad unfassbar gut getan. Und ich hatte Glück, weil ich niemandem im Flur begegnete. An diese Ruhe war ich an Tagen wie diesen gewöhnt. Wenn es keine Aufträge gab. Wenn der Kaiser keine ehrenvollen Gäste im Palast beherbergte. So konnte es immer sein. Doch dem war nicht so.
Heute Abend würde ich wie üblich ein ungeschriebenes Gesetz brechen und in die ärmeren Viertel gehen, um dort das Hab und Gut der Schönen und Reichen zu verteilen. Nur in seltenen Fällen wandte ich zusätzlich Magie an, um das körperliche Leid anderer zu lindern. Dafür war die Gefahr zu groß verraten oder auf frischer Tat ertappt zu werden. Das durfte nicht passieren. Nicht, solange ich nicht das wahre Ziel erreicht hatte. Das, worum mich Sumire und Motaro gebeten hatten. Ihr letzter Wunsch an mich. Nur das hielt mich am Leben. Das und Ruko. Alles andere... nun... es war entbehrlich.
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111

22.11.2020, 18:26

Ryu

"Ich habe nichts gesagt", unterdrückte ich ein Lachen und meine Augen funkelten amüsiert. Entweder war das eben eine höfliche Abweisung von ihr gewesen oder es gab kurzzeitige Kommunikationsstörung. Hoffentlich nicht, denn solche Störungen sollte unser Übersetzerstein nicht oft wiederholen. Immer noch amüsiert widmete ich mich endlich dem berühmten Ramen und stand wie Cael vor einer Herausforderung. Wie sollte man mit den Holzstäbchen essen? Wir durften uns nicht anmerken lassen, dass es uns fremd war. Aber irgendwie schaffte wir es mit diesem Stäbchen zu essen, wenn es auch nicht so elegant aussah wie bei den Anderen. Immer wieder wollte mir die Nudel, das knackige, zum Teils unbekannte Gemüse und die Eierhälften entwischen. Am Einfachsten war es das zarte Fleisch zu fassen. Trotz der Anstrengung bereute ich es nicht diese Suppe zu bestellen. Jetzt verstand ich warum Taro und Kit diesen Ramen gelobt hatten. Da war eine völlige neue Geschmackswelt. Die meisten Gewürze konnte ich gar nicht beschreiben. "Es schmeckt wirklich gut", sagte ich zu Cael und als nur die Flüssigkeit der Suppe übrig blieb, griff ich nach dem ungewöhnlichen Löffel. Zuhause hätte ich jetzt einfach aus der Schale geschlürft, aber in der Öffentlichkeit wäre es nicht anständig.

Ilea

Er blickte wieder auf und sein Lächeln ließ einen Teil von mir wachsam werden. Dieses eine Wort verstand ich, auch wenn seine Lippen sich immer noch nicht so bewegten wie es mir vertraut war. Aber ich konnte es in seine Augen lesen. Später, wenn es hier leer war, würde ich herausfinden, was er ursprünglich gesagt hatte. Ich hatte das Gefühl, dass mir etwas entgangen war und die Reaktionen des anderen fremden Mann bestärkte dieses Gefühl. Aber jetzt kümmerte ich mich um das Wohlergehen der Gäste. Ein gut gesättigter Gast, dem das Essen gemundet hatte, war meist ein angenehmer Gast und er konnte durchaus sich großzügig erweisen. Manchmal kamen auch die Stadtbewohner, um hier zu speisen. Aber der Winter lud sie nicht ein hier hochzukommen, was mir Recht war. Denn es bedeutete, es würde auch keine Kaiserwachen zu Besuch kommen. Draußen begann zu dämmern und ich spürte wie die Erschöpfung wieder an mir zerrte. Die Kopfschmerzen kehrte zurück und doch würde ich hier bleiben bis der letzte Gast zurück in seinem Zimmer ging.


112

22.11.2020, 19:07

Cael

Ich ertappte mich selbst dabei wie ich wiederholt zu der jungen Frau mit den goldenen Locken schaute. Mir wollte einfach nicht in den Sinn, was sie an sich hatte, das mich in den Bann zog. Im Theater hatte ich die verschiedensten Menschen kennengelernt. Schönheiten aus allen Ländern, von denen ein paar wenige in meinem Bett gelandet waren, doch keine... wirklich keine... reizte mich auf eine Weise wie diese Frau es tat. Das war ein Problem. Ich hoffte wirklich es lag bloß an der Reizflut einer neuen Welt. Komplikationen wie diese konnte ich nicht gebrauchen.
Deshalb zwang ich mich regelrecht dazu mich der Kunst des Essens zu widmen. Diese Stäbchen stellten eine ganz schön große Herausforderung dar, doch je öfter ich etwas zu schnappen versuchte, desto eher gelang es mir mit der Zeit. Gegen Ende wurde die Suppe zwar kalt, aber ich aß sie trotzdem mit Hochgenuss. Dieses Ramen... echt gut. Kit würde auf jeden Fall eine Schüssel von uns spendiert bekommen. Auf ein Gericht wie dieses sollte man nicht verzichten müssen. Auch der Tee schmeckte hervorragend. Obwohl es in Ocamma unzählige Sorten Tee gab, kannte ich diesen speziellen Geschmack nicht. Genauso wenig wie das andere Getränk. Das musste Alkohol sein. Nicht unbedingt mein Fall, trotzdem ganz spannend für den Gaumen. Ryu schien das Essen ebenfalls zu munden. Er machte jedenfalls keinen unzufriedenen Eindruck.
Inzwischen hatte sich das Gasthaus größtenteils geleert. Nur ein paar Gäste saßen noch am Tisch und unterhielten sich angeregt. Ich hatte während des Essens nur halb zugehört, doch jetzt hörte ich genauer hin. Vielleicht hatten sie etwas Interessantes zu erzählen.

Imesha

In meinem Zimmer angekommen, räumte ich erst alle Kleinigkeiten weg, ehe ich anschließend eine Schiebetür in einer Ecke nahe des Bettes beiseiteschob, um mir die richtigen Klamotten für den "Abendspaziergang" auszusuchen. Da es draußen bitterkalt war, entschied ich mich prompt für mehrere Schichten Stoff, die mich von Kopf bis Fuß bedeckten. Über all das hängte ich mir einen einfachen dunklen Umhang um, damit ich mit der Kapuze den größten Teil meines Gesichts verbergen konnte. Das Haar band ich zudem zu einem ordentlich geflochtenen Zopf zusammen, damit es mich nicht behinderte. In dieser Aufmachung würde mich keiner erkennen, zumal um die späte Zeit nicht viele Menschen unterwegs waren. Einerseits weil es zu kalt war, andererseits weil sie sich vor Übergriffen jedweder Art fürchteten. Valaris mochte einen immens starken Regenten haben, doch die Schatten lauerten überall. Niemand war vor ihnen sicher. Ich musste es ja wissen...
Nichtsdestotrotz kannte ich Wege und Mittel, um unbemerkt die Mauern des Palastes zu verlassen und mich unter die Leute in der Stadt zu mischen. Dort würde ich Ruko treffen, damit wir gemeinsam etwas Gutes tun konnten. Auf diese Weise reinigte ich einen Teil meiner Sünden. Sünden, die mich fast jede Nacht wachhielten. Es diente aber auch allein dem Zweck den Menschen Hoffnung zu geben. Denn wenn sie sie verloren, war ganz Valaris verloren.
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22.11.2020, 19:36

Ryu

Ich war nie ein großer Teetrinker gewesen, doch an dem Geschmack dieses Tees konnte ich mich gewöhnen und Tee schien ein wichtiger Bestandteil der Esskultur dieses Volkes zu sein. Denn auch die andere Gäste tranken aus ihrer Schale Tee, ebenfalls etwas Neues. Das alkoholische Getränk schmeckte ein wenig seltsam und überzeugte mich nicht gänzlich. Entspannt lehnte ich mich zurück und spürte die Müdigkeit langsam in meinem Knochen kriechen. Es war eine lange Hinreise gewesen. Wie Cael beobachtete ich unauffällig die wenig übrig gebliebene Gäste und versuchte aus dem Gesprächen mehr über sie und über diese Welt herauszufinden. Die meisten Gäste schienen Händler aus verschiedene Ortschaften zu sein und wollten wohl ihre Ware in der Kaiserstadt anbieten. Also würden sie nur flüchtige Gesichter sein. Aber dennoch könnte ihre Geschichten interessant werden, denn so bekamen wir auch einen Überblick, was in den anderen Ortschaften vor sich ging. Jedenfalls schien das Hauptgespräch um teure Gewürze zu gehen und über Steuererhöhungen.

Ilea

Nachdem alle Gäste einen gesättigten Magen hatten, half ich Otōsan beim Abwasch und ging schließlich zu meinem Laden. Ich ließ den Shoji geöffnet, falls einer der Gäste zu einem interessierten Kunde wurde. Dabei musste ich an den Neulinge vorbeigehen und erneuert spürte ich bei dem Mann mit den himmelblauen Augen die Schwingungen. Ich hatte den ganzen Abend das Gefühl gehabt, dass er mich beobachtet hatte und es war mir so vertraut, sodass ich den Instinkt verspürte fliehen zu wollen. Aber das wäre eine Form von Schwäche und die wollte ich um keinen Preis offenbaren. Bislang hatten sich die Magis nichts zu Schulden kommen lassen, auch wenn ihr Verhalten ein wenig befremdlich waren. Ich fragte mich wie lange diese Ruhe uns vergönnt war, ehe ein Sturm hereinbrach. Entschlossen ging ich in den Laden hinein und machte mich an die Arbeit. Mein Körper sehnte sich nach dem Schlaf, doch noch war nicht alles getan. Ich ging hinter der Theke, wo an der Wand ein großer Treppen-Tansu (treppenartige Truhe/Kommode/Schrank) aus rotbraunen Holz mit wunderschönen floralen Mustern auf den Metallbeschläge und Schlösser. Zudem besaß dieses Möbelstück viele kleine Schubläden, eine perfekter Ort für die getrocknete Teesorten. Auf den Treppenansätze befanden sich diverse Gefäße, manche davon waren gar künstlerisch gestaltet. Doch die Meisten waren im einfachen Ton. Der Laden war mit einem weiteren Regal und einem normalen Tansu mit gleichem Aussehen ausgestattet. Ein paar Vasen standen hier zur Dekoration. Der Laden sollte nicht überladen wirken, aber auch nicht abweisend.


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22.11.2020, 20:02

Cael

Die Gespräche gaben nicht viel her. Es ging um dieselben Themen wie in anderen Ländern auch. Handel und Geld. Hier allerdings schien das Thema Steuererhöhung auf viel Bitterkeit zu stoßen. Das zeigte, dass der Kaiser ziemlich ungnädig war und sich seinen Ruhm gönnte, während andere hart dafür schuften mussten. Ich fragte mich, ob dieses Gasthaus darunter litt. Ob das der Grund war, warum es hier nicht viele Gäste gab. Trotz des bekannten Ramen... In Ryus und meiner Heimat waren um diese Zeit die Gaststätten brechend voll. Es wurde viel gefeiert und gelacht. Hier allerdings fehlte die Freude. Das konnte unmöglich nur am kalten Winter liegen. Armut und Unzufriedenheit beherrschten diese Gegend. Nicht zuletzt bedrückende Stille.
Nachdenklich sah ich meinen besten Freund an, dem die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben stand. Mir erging es genauso. Nach dem leckeren, warmen Essen wollte ich mich gleich ins Bett legen und bis nach Morgengrauen durchschlafen. Nur ging mir eine Sache nicht mehr aus dem Kopf. Wohl eher ein gewisser Jemand. Hin- und hergerissen, was ich als Nächstes tun sollte, sah ich kurz zur Tür, durch die die junge Frau wieder verschwunden war und kämpfte mit dem Bedürfnis ihr zu folgen. Sie in ein Gespräch zu verwickeln. Nicht unbedingt, um ihr den Hof zu machen, sondern um mehr über sie zu erfahren. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass es einen Grund gab, warum ich sie in meinen Träumen gesehen hatte. Zufälle wie diese gab es nicht. Das hatten mir meine Eltern früh gelehrt.
Meine Vernunft hingegen riet mir mich zurückzuziehen. Es war mein erster Abend in dieser Welt. Ich sollte nichts überstürzen. Meine Neugier im Zaum halten... Leichter gedacht, als getan. >Lass uns schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag.< sagte ich an Ryu gewandt, bevor ich meine Meinung änderte und etwas tat, was sich nicht rückgängig machen ließ. So wie mein Anfall von offener Direktheit und Bewunderung.

Imesha

Wachsam ließ ich meinen Blick umherschweifen. Keine Wachen. Keine Fäden, die Gefahr bedeuteten. Um bei Nacht und dichtem Nebel voranzukommen, musste ich auf meine besonderen Fähigkeiten zurückgreifen und meine Augen vor der realen Welt verschließen, um in der magischen sehen zu können. All die bunten Fäden waren Beweise für die Existenz von Magie. In uns allen. In allen Dingen. Wir waren umgeben von dem Band, das uns alle miteinander verband, das Kaiser Oda jedoch mit aller Macht durchtrennen wollte. Wegen seiner dunklen Wünsche.
Ich verdrängte die unschönen Gedanken an diesen schrecklichen Mann und folgte einem silbernen Faden, der mich durch den stockfinsteren Tunnel bis außerhalb der Palastmauern führte. Diese Gänge waren nur engsten Vertrauten bekannt. Ruko hatte sie mir gezeigt. Ich mochte als Spionin arbeiten, genoss allerdings nicht das vollste Vertrauen des Kaisers. Leider. Andernfalls hätte ich mein Ziel längst erreicht und genau deswegen übte ich mich noch in Geduld. Meine Zeit würde früher oder später kommen.
Im Moment gab es sowieso Wichtigeres zu tun. Ich musste die Ware, die ich auf dem Rücken trug verteilen. Und um das zu tun, musste ich erst Ruko aufsuchen, der sich bestimmt am vereinbarten Treffpunkt aufhielt. Verborgen gekleidet wie ich.
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22.11.2020, 20:25

Ryu

Mir fiel auf, dass in diesem Gasthaft nicht so fröhlich zuging, wie ich es aus meiner Welt und selbst hier war die bedrückte Stimmung zu spüren, die wir bereits in dem Armenviertel gespürt hatten. Der Kaiser schien sein Volk auszubeuten und das schmeckte den Menschen bitter. Die Unzufrieden war überall zu spüren, doch ihre Furcht schien sie zurückzuhalten. Ich fuhr mit der Hand durch das Haar und blickte Cael an: "Das ist eine gute Idee. Ich schlafe gleich im Sitzen ein." Wir verließen den Speisesaal und vor unsere Türen wünschten wir uns Gute Nacht. Dann betrat ich mein neues Zimmer und nachdem ich mich entkleidet hatte, warf ich mich auf die Matte, die auf dem Boden lag und scheinbar als Bett diente. Es war unerwartet gemütlich, die Decke und das Kissen besaß einen frischen Duft. Mir war aufgefallen, dass hier auf Sauberkeit geachtet wurde. Vielleicht lag darin das Geheimnis der Strohschuhe, vielleicht war es traditionell nicht mit den Schuhen, die von draußen kamen, das Inneren zu betreten, weil sie keinen Schmutz mochten. Laut gähnte ich und meine Augen wurden schwerer. Ich spürte noch, wie Egon unter meine Decke kroch und an meine Seite schmiegte. Stimmt, hier gab es für ihn kein Kamin.

Ilea

An diesem späten Abend kam kein Kunde und vielleicht hatte ich morgen mehr Glück. Nachdem ich meine Sachen sortiert hatte, pustete ich das Licht der Lampion aus und verließ den Laden. Der Speisesaal war jetzt leer und aus der Küche sah ich gedämmtes Licht. Otōsan machte wohl die Küche sauber. Ich ging zu der Stelle, wo die Magis gesessen haben. Meine Hand legte sich auf die glatte Oberfläche der Tafel. Ich konnte die Auren daran haften spüren und dann erschienen die Bilder in meinem Kopf. Meine Mutter besaß die besondere Fähigkeit Dinge zu sehen, die geschehen können. Aber ich konnte Dinge sehen, die bereits geschehen waren. Je stärker die Spur einer Aura an einem Gegenstand haften blieb, desto lebendiger wurden die Erinnerungen der dazugehörige Person in meinem Kopf. Ich schloss meine Augen und ließ mich von der Tafel erzählen, was für Erinnerungen sie heute gesammelt hatte. Dann erschien endlich die Szene mit den Mann mit den himmelblauen Augen. Ich hörte nicht seine Stimme, die Worte erschienen stumm in meinem Kopf, wie als würde ich eine Schriftrolle lesen. Ich riss meine Augen weit auf und entrüstet verließ ich das Haupthaus, um in meinem Zimmer in den Wohntrakt zu gehen. Er konnte froh sein, dass ich in jenem Moment ihn nicht verstanden hatte.


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22.11.2020, 20:43

Cael

Im Zimmer war es angenehm ruhig. Still wie die Nacht draußen. Durch das dicke Papier der Wände war vage zu erkennen, dass draußen leiser Schnee fiel. Trotzdem war es im Raum nicht extrem kalt. Der Boden wurde geheizt und da das Bett aus einer Matte bestand, war es unter der Decke schön warm. Ich zog mich schnell aus und wechselte in meine Schlafklamotten, legte mich aber nicht sofort hin, sondern griff nach meiner Gitarre, die nach wie vor in der Ecke stand. Trotz der Erschöpfung wusste ich, dass ich nicht gleich einschlafen würde. Besonders nicht nach der Begegnung mit der blonden jungen Frau. Sie ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Erst die Träume, jetzt das...
Leicht frustriert setzte ich mich im Schneidersitz hin und begann an den Saiten zu zupfen. Da ich niemanden wecken wollte, spielte ich natürlich leise unzusammenhängende Melodien. Genau das erdete mich. Das kreative Herumspielen mit den Noten. Ein Ausdruck von Gefühlen, die schwer mit Worten zu beschreiben waren. Dadurch fand ich die Ruhe, die ich benötigte, um mich mit dem fremden Zimmer vertraut zu machen.

Imesha

Wie erwartet fand ich Ruko in einer Seitengasse vor. Er war von oben bis unten in schwarzer Kleidung verhüllt. Nicht einmal sein Gesicht war zu sehen. Er trug eine Maske über Nase und Mund, ähnlich wie ich. Dadurch verschleierten wir unser Aussehen noch mehr und trotzten der Kälte des Winters. Ich musste nur in seine vertrauten Augen blicken, dass klar war, wen ich vor mir hatte. Er nickte mir bloß zu und dann brachen wir gemeinsam auf. Dabei wechselten wir keine Worte. Diese nächtlichen Ausflüge unternahmen wir schon seit geraumer Zeit. Wir verstanden uns auch mit Gesten. Selbst in ungeplanten Situationen.
Auf den Straßen war nicht viel los, nur hier und da obdachlose Menschen, die kein schützendes Dach überm Kopf hatten. Diesen Leuten schenkten wir warme Decken und Kleidung. Kinder bekamen zusätzlich Spielzeug, an dem sie sich erfreuen konnten und ansonsten verteilten wir kleine Portionen Essen, damit hoffentlich die meisten diese kalte Nacht überstanden. Im Winter war die Sterberate erschreckend hoch. Nicht, dass es irgendjemandem in den höheren Kreisen interessierte...
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22.11.2020, 21:05

Ryu

Trotz der fremde Umgebung fand ich einen tiefen, erholsamen Schlaf und wachte ausgeruht am frühen Morgen auf. Einen Moment brauchte ich Zeit, um mich zu erinnern wo ich war und dass ich mich nicht in meinem vertrauten Bett lag. Es war noch still im Haus und als ich zum Fenster ging, fing gerade erst die Morgendämmerung an. Wieder war es nebelig und die karge Landschaft wirkte nicht einladend. Der Winter hier zeigte sich nicht von seiner beste Seite. Drehte ich mein Kopf mehr nach rechts konnte ich die Umrisse der Kaiserstadt erkennen. Diesen Ort sollten Cael und ich heute erkundigen, wenigsten einen Teil davon. Verschlafen kroch Egon aus der Decke und sah mich ein wenig anklagend an, weil ich ihn geweckt hatte. Ich musste schmunzeln und tippte sanft mit den Finger auf seinem Kopf. Schließlich fiel es mir ein, dass ich für Egon anständige Mahlzeit finden musste. In dieser Jahreszeit fand man bestimmt keine Insekten. Außerdem wusste ich nicht was für Insekten hier gab und ob er sie essen konnte. Vielleicht fand ich irgendwo in diesem Haus wenigsten ein wenig Glut, woran er etwas knabbern konnte.

Ilea

Diesmal hatte ich eine gute Nacht und das bedeutete keine böse Träume. Wie jeden Morgen stand ich früh auf, um am Tag viel schaffen zu können. Diesmal würde ich naher zum Marktplatz aufbrechen müssen, denn es war Mitte Woche und wir brauchten neue Vorräte. Otōsan konnte wegen den Gäste nicht weggehen und Sobo Makoto wäre der kalte Marsch eine Zumutung. Also blieb es mir nicht anders übrig, auch wenn ich die beengende Stadt nicht mochte. In den anderen Jahreszeiten hatte eine Hilfskraft eine solche Aufgabe übernommen und früher wurden uns noch Waren geliefert, bevor es einfach zu teuer wurde. Ich wählte einen schlichten Kimono mit eintönigen Farben, um nicht in der Stadt aufzufallen. In der schlichte, kleine Küche entdeckte ich über der Feuerstelle den Topf mit den Reispudding. Sobo Makoto musste ihn bereits vorbereitet haben. Nur zu Abendmahlzeit fanden wir uns alle zusammen. Manchmal auch am Morgen. Aber an diesem Morgen war ich alleine und aß schnell den Reispudding auf, um in meinem Laden zu gehen. Vor dem Marktaufbruch wollte ich weiter an meinem neuen Produkt arbeiten. Außerdem wollte ich schauen, was ich für das Armenviertel mitbringen konnte. Sie konnten sich nicht mal eine einfache Medizin leisten.


Gehe offline, gute Nacht :)


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22.11.2020, 21:30

Imesha

Meine Füße spürte ich kaum, als wir die letzten Reste unserer Ausbeute verteilten. Durch den Neuschnee war die Kälte bis unter meine Kleidung gekrochen, doch das hatte mich nicht davon abgehalten das Richtige zu tun. Wärmen konnte ich mich später, viele dieser Menschen hingegen nicht. Es tat mir wahnsinnig leid, dass ich nicht mehr für sie tun konnte, doch ich musste mir dann vor Augen führen, dass ich zumindest etwas tat. Eigentlich war es Ruko, der mir das sagte, denn er wusste, wie nah mir das Schicksal eines jeden Einzelnen ging. Umso widersprüchlicher war es, wie gut ich als Spionin und Jägerin unterwegs war. Dann war es so, als würde eine andere Imesha in meinen Körper schlüpfen und all die schlimme Dinge tun, die ich tun musste, um mein wahres Gesicht zu verbergen.
Manchmal fürchtete ich mich endgültig in dieser unbezähmbaren Rolle zu verlieren. Vor allem seit dem Tod zwei sehr bedeutender Personen...
>Wir haben heute viel Gutes geleistet, Imesha.< unterbrach Ruko meine düsteren Gedanken, als hätte er sie gehört. Vielleicht der sechste Sinn eines Gefühlsvaters. Er legte mir einen Arm um die Taille und drückte mich an sich. Eine aufmunternde Umarmung. Es wärmte mich von innen. Besser und schneller als ein Kaminfeuer.

Cael

Die Musik half mir einzuschlafen und so wachte ich am nächsten Morgen mit meiner Gitarre im Arm auf. Das passierte mir nicht zum ersten Mal. Das passierte sogar ziemlich oft, wenn mich die Inspiration überschwemmte. Vorsichtig schob ich das Instrument von mir und richtete mich träge auf. Mein Haar musste in alle Richtungen abstehen, denn als ich mit der Hand hindurchfuhr, spürte ich bloß wildes Chaos. Mit einem ausgiebigen Gähnen griff ich nach dem Reiserucksack mit meiner Kleidung und wählte wieder warme Stoffe. Taiga hatte großartige Arbeit geleistet. Sie hatte mir nicht nur eine neue Kampfmontur geschenkt, sondern eine ganze Reihe praktischer Kleidung für den Alltag. Man konnte sie nur lieb haben.
Ivoli lag immer noch zusammengerollt auf Höhe des Kissens und schlummerte friedlich vor sich hin. Ich weckte ihn nicht auf, sondern beschloss allein eine kleine Runde zu laufen, um den letzten Rest Schlaf loszuwerden. Das tat ich jeden Morgen. Manchmal auch mit Ryu, wenn wir am selben Ort waren.
Ich öffnete die Tür zum Flur, spähte hinaus und hörte... nichts. Entweder schliefen alle noch oder wir waren die einzigen Gäste auf dieser Etage. Ziemlich traurig. Ein Gasthaus wie dieses sollte gefüllt sein mit lebendigem Gelächter und angeregten Gesprächen. Selbst am frühen Morgen... Leise schloss ich die Schiebetür zu meinem Zimmer und begab mich nach unten. Dort nahm ich die ersten Geräusche wahr. Einmal aus der Küche und dann aus... aus diesem Nebenraum. Dort, wo die blonde Frau gestern Abend verschwunden war. Die Neugier kehrte mit einem Schlag zurück. Ich spürte das starke Pochen in meiner Brust und zögerte nur für einen kleinen Moment. Ehe meine Vernunft mich wieder davon abhalten konnte, folgte ich dann diesem Instinkt und trat über die Schwelle in einen Raum, der einem kleinen Nischenladen ähnelte. Es duftete hier nach Kräutern und Salben. Wie in einer Apotheke.
Dann sah ich sie. In schlichten Farben und dennoch nicht weniger wunderschön. Ich räusperte mich. >Ohayō gozaimasu (Guten Tag).<

Gute Nacht :*
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119

23.11.2020, 17:44

Ryu

Selbst für einen Morgen im Gasthaus war es zu ruhig und ich fragte mich, ob gestern ein paar Gäste abgereist waren. Besonders wenn die Gäste Händler waren, müsste es um diese Uhrzeit bereits Bewegung geben. Jedenfalls würde es bedeuten, dass noch weniger Menschen hier waren und vielleicht würden irgendwann Cael und ich die Einzigen sein. Aber dann konnten wir vermutlich nicht bei Gawain Daaè arbeiten, um Geld zu verdienen. Dennoch würde es nicht schaden zu fragen. Ich ging in den Flur hinaus, um endlich nach etwas Essenbaren für einen Feuersalamander zu suchen. Egon könnte ein paar Tage ohne Futter aushalten, aber er würde launisch werden, auch wenn er ansonsten sehr friedliebend war. An der Treppe erweckte mich der andere Raum mein Interesse, wo ich den Baderaum vermutete. Bis auf eine Waschschale für das Gesicht im Zimmer, gab es kein Baderaum und kein Ort wo man sich erleichtern konnte. Ich schob die breite Tür zur Seite und heißer Dampf kam mir entgegen. Der Boden des Raums bestand aus glatte Steinplatten. Vor mir waren zwei weitere Türen, die jedoch dünner waren. Eine Tür war für die Männer gedacht und neugierig schob ich sie beiseite. Die Luft war noch feuchter und wärmer geworden. Ich erblickte ein Badebecken, aus dem Kräuterduft strömte, An einer Seite standen kleine Becken aus Holz und Eimer mit Wasser. Zudem gab es auch ein Regal voll von frischen Tücher und Lappen. Dann gab es noch eine kleine Kammer, wo man sich dort vermutlich erleichtern konnte. Wenn meine Vermutung stimmte, dass dem Gasthaus die Sauberkeit wichtig war, musste man sich bestimmt vorher in einem kleinen Becken säubern, bevor man in das Badebecken hingehen konnte.

Ilea

Aus der Schublade meiner Theke holte ich ein paar Stoffbeuteln, die ich mit ein Teegewürze gegen Körperleiden und Krankheiten füllte. Dann suchte ich nach den heilwirkende Salben und packte alle Sachen in einem kleinen Korb aus geflochtenem Stroh. Plötzlich spürte ich eine andere Präsenz in den Laden hineingehen und ich blickte rechtzeitig auf, um seine bewegende Lippen verfolgen zu können. Ich brauchte ein paar Sekunden bis ich die Worte enträtselt hatte. War es wirklich ein ländlicher Dialekt der mir Schwierigkeiten machte? Denn seine Lippen bewegten sich eigentlich deutlich genug. Es fühlte sich vielmehr an, als würde er zwei Sprachen gleichzeitig sprechen, die sich miteinander verbunden haben und ich musste dann das Worträtsel lösen. Nein, das war ein unsinniger Gedanke. "Ohayō gozaimasu", grüßte ich ihn zurück und neigte leicht mein Kopf. Auch wenn er und sein Reisegefährten mir nicht ganz willkommen waren, so vergaß ich meine Erziehung nicht. Selbst nicht bei seinem gestrigen Verhalten nicht. Er wirkte jetzt nicht aufdringlich, ansonsten wäre ich doch deutlich geworden. Ich war nicht an so etwas interessiert und nach Zerstreuungen konnte er woanders suchen. Vielleicht hatte er es als eine Abweisung aufgefasst, als ich nachgefragt hatte, was er gesagt hätte und war eine von der unaufdringliche Sorte. Eine Frau in eine solche Regierungszeit zu sein war kein leichter Los. "Ich habe vergessen mich vorzustellen, ich bin Ilea Daaè", fiel es mir ein und fügte hinzu: "Leider ist auch mir Ihr Namen und ihres Reisegefährten entgangen. Ich bitte um Verzeihung." Wäre er ein älterer Gast hätte er zu Recht sich durch ein solchen Fehler beleidigt zu fühlen, denn es zeigte mangelnden Respekt. Wie erwähnt, auch wenn ich nicht glücklich darüber war fremde Magis im Gasthaus zu haben, so wollte ich nicht die Erziehung vergessen, solange sie mir dazu keinen triftigen Grund gaben. Ich würde höflich, aber distanziert sein.


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23.11.2020, 18:30

Cael

Ich mochte den Klang ihrer Stimme, auch wenn es ihr an einer Melodie fehlte. Da ich mein Leben lang mit Musik und vielen Menschen großgeworden war, verglich ich beide gerne miteinander. Im Moment sprach sie mit einer kühlen Höflichkeit, weshalb ich mich fragte, wie sie wohl klang, wenn Wärme ihre Worte erweichten. Bestimmt war sie anders, wenn sie von Familie umgeben war. Mich kannte sie ja nicht. Aber vielleicht änderte sich das in Zukunft...
Ihr Name passte jedenfalls zu ihr - Ilea. Einfach schön. Leicht auszusprechen und fließend. Keine Ahnung, warum ich ausgerechnet bei ihr diese Anziehung spürte, aber ich hoffte, dass sie körperlicher Natur war. Alles andere wäre nur kompliziert und eine Bestätigung dessen, wovor mich meine Mentoren gewarnt hatten. Ich musste mich echt zusammenreißen. Gleichzeitig wollte ich aber nicht meine Gefühle verleugnen. Etwas, was meinen Eltern sehr wichtig gewesen war, dass ich das lernte und beibehielt. Frei und offen zu leben. Der inneren Stimme zu folgen.
Ich schaute mich interessiert in diesem kleinen Laden um, ehe mein Blick wieder auf Ilea landete. Verdammt... sie war wirklich hübsch. >Freut mich dich kennenzulernen, Ilea. Das ist ein sehr schöner Name.< Ich lächelte freundlich. >Mein Name ist Cael. Und der meines Freundes ist Ryu.< Ich beließ es bei meinem Vornamen, denn ich bezweifelte, dass unsere Nachnamen gewöhnlich waren und ich wollte kein falsches Misstrauen wecken. Und sie anlügen wollte ich erst recht nicht. >Verkaufst du hier Tee und Medizin?<

Imesha

Wie erwartet hatte ich die Nacht hin- und herwälzend im Bett verbracht. Mich ließen die eingefallenen kränklichen Gesichter der Menschen im Armenviertel einfach nicht los. Sie plagten mich, flehten mich an, ihnen zu helfen. Ihre knochigen Hände wollten mich packen, mir alles vom Leib reißen, weil ihnen so unfassbar kalt war. Es brach mir immer wieder aufs Neue das Herz. Der Zustand dieser Welt, der Verfall der Magie, einfach alles... Jeden Tag musste ich mit dem Schmerz unserer Magie leben. Wie lange würde ich wohl noch durchhalten? Würde ich zuerst verrückt werden oder mich endgültig in der Dunkelheit verlieren, in die mich Kaiser Oda stürzen wollte?
Niedergeschlagen begann ich den trüben Morgen wie üblich mit einer zehnminütigen Meditation im Innenhof. Um die düsteren Gedanken fortzutreiben. Anschließend besorgte ich mir mein Frühstück im Saal für uns Angestellte, um mich damit in mein Zimmer zu verziehen, weil ich auf jegliche Kommunikation mit anderen gut und gerne verzichtete. Es gab nämlich die ein oder andere Person, die mit mir sprechen wollte, aber tägliche Gespräche führten zu Gewohnheit und Gewohnheit zu einem Bedürfnis sich dieser Person zu öffnen. Da lag das Problem. Niemand durfte mehr in mich hinein. Dann bestand keine Gefahr mehr, dass ich denjenigen letzten Endes verlor.
In meinem Zimemr angekommen, machte ich es mir am geöffneten Shoji gemütlich und blickte auf den kleinen Garten, in dem ich vorhin meine Meditation durchgeführt hatte. In aller Ruhe aß ich aus der Schüssel, welche mit Reis und Gemüse gefüllt war. Ohne Frühstück würde ich sonst sehr schlecht gelaunt sein.
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